Schluss mit Stress – die richtige Anspannung

Reden wir nicht mehr länger nur noch vom Stress, sondern der Resilienz. Prof. Dr. med. Gregor Hasler von der Universität Freiburg zeichnet den neunfachen Pfad für mehr psychische Widerstandskraft. Teil 4.

Stress reduzieren
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Der Körper hat zwei vegetative Nervensysteme. Der Sympathikus, auch Stressnerv genannt, spannt den Körper an und bereitet ihn auf Kampf und Flucht vor. Der Parasympathikus, der zu einem grossen Teil aus dem Vagus-Nerv besteht, entspannt, fördert die Verdauung und die Regeneration der Gewebe.

Daueranspannung untergräbt die Resilienz

Vor einer Prüfung oder einem Bewerbungsgespräch, bei sportlicher Höchstleistung und bei einer beruflichen Neuorientierung braucht es Anspannung, um den Stress auszuhalten. Es ist nicht ratsam, solchen Stress zu vermeiden und zu versuchen, immer entspannt zu sein. Die Fähigkeit zu Anspannung ist zentral für die Resilienz. Daueranspannung untergräbt jedoch die Resilienz und macht anfällig für psychische und körperliche Krankheiten. Um das zu verhindern, brauchen wir „Ent-Spannung“: Zeit für uns, Zeit zum Abschalten.

Grossraumbüros und voller Terminkalender

Die beiden Nervensysteme sind hierarchisch organisiert. Anspannung hat biologisch den Vortritt gegenüber der Entspannung. Obwohl kein Zweifel besteht, dass Ernährung und Entspannung für die Resilienz und das langfristige Wohlbefinden entscheidend sind, ist es für den Sympathikus ein Leichtes, eine Krise oder einen Notzustand auszurufen, um das Blut vom Darm an die Muskeln und die Schweissdrüsen umzuverteilen. Ein Smartphone-Alert genügt, um dem Stress-System Vortritt gegenüber dem Vagus-Nerv zu gewähren. Viele moderne Organisationsformen wie Grossraumbüros, ein fremdbestimmter Terminkalender und Dauererreichbarkeit haben den Effekt, dass das Stress-System anhaltend aktiviert ist.

Erholungszeiten bewusst organisieren 

Aus all diesen Gründen müssen wir uns vor zu vielen Alarmen schützen und Erholungszeiten aktiv und bewusst organisieren. Oft merken wir gar nicht, dass unsere Entspannungszeiten kürzer und seltener werden. Deshalb hilft der Eintrag fixer Entspannungszeiten im Kalender, unsere Resilienz zu stärken. Davon profitieren auch die Firmen. Entspannte Mitarbeitende sind kreativer als angespannte.

Depression Gregor Hasler 62

Lesen Sie  auch Teil 1, 2, 3, 5, 6, 7, 8 und 9 der Serie von Prof. Hasler.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 19.08.2021.

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