Die grössten Irrtümer über Cholesterin

Two metallic blue heart-shaped balloons floating against a white background, reflecting light with a glossy finish. Bild: AdobeStock, Urheber: studio clever

Cholesterin ist lebensnotwendig und es zu senken nicht gesund

Richtig ist, dass Cholesterin ein wichtiger Baustein ist, etwa für die Zellwände oder auch für Sexualhormone wie Östrogen und Testosteron. Auch für die Bildung von Gallensaft und Vitamin D wird es benötigt. Allerdings reicht ein kleiner Bestandteil des beim Menschen im Blut vorhandenen Cholesterins, um all diese Strukturen und Substanzen aufzubauen. Schweine oder Kaninchen beispielsweise haben nur einen Bruchteil des menschlichen Cholesterinwertes und bekommen deshalb auch keinen Herzinfarkt.

Den Cholesterinspiegel kann man durch eine cholesterinarme Diät senken

Etwa 90 Prozent des Cholesterins wird nicht durch die Nahrung aufgenommen, sondern vom Körper selbst hergestellt. Daher ist eine bedeutsame Senkung des Cholesterinspiegels mit einer cholesterinarmen Diät nicht möglich.  Auch wenn man zusätzlich die Ausscheidung fördert, etwa durch Haferflocken, die viel Gallensäure absorbieren und so Cholesterin reduzierend wirken, erreicht man maximal eine Senkung um 10, bestenfalls 15 Prozent. Eine alleinige Diät ist somit nur bei minim erhöhten Werten sinnvoll.

Roter Reis ist ein gutes Nahrungsmittel, um das Cholesterin zu senken

Roter Reis enthält Monacolin K, eine Substanz, die dem Medikament mit dem Wirkstoff Lovastatin ähnlich ist. Allerdings sind die Mengen in Nahrungsergänzungsmitteln gesetzlich auf eine Menge beschränkt, die nur eine minime Senkung ermöglichen. In wirksamer Dosierung sind die möglichen Nebenwirkungen die gleichen wie bei Statinen. Daher ist es sinnvoll, ein geprüftes Medikament zu nehmen, statt mit rotem Reis zu experimentieren.

Sport und körperliche Aktivität senken den Cholesterinwert

Körperliche Aktivität kann ein bestimmtes Fett im Blut, die Triglyceride, senken. Der Einfluss auf das zur Arteriosklerose führende LDL-Cholesterin konnte aber in seriösen Studien gar nicht oder nur vereinzelt und in geringem Ausmass nachgewiesen werden. Körperliche Aktivität und eine cholesterinarme, idealerweise mediterrane Ernährung mit Gemüse, Fisch, Nüssen und Olivenöl, sind zwar empfehlenswert und wirken sich auch positiv auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen aus, eine bedeutsame Senkung des LDL-Cholesterins ist aber nicht zu erwarten.

Eier unter Generalverdacht

Das stimmt so nicht. Ein moderater Eierkonsum, der für die meisten ein Ei pro Tag bedeutet, erhöht das kardiovaskuläre Risiko nicht. Dazu gibt es verschiedene Studien, die alle zeigen, dass Eier den Cholesterinspiegel kaum beeinflussen und insbesondere auch nicht das Risiko für Herzinfarkt oder Herztod erhöhen. Etwa 90 Prozent des Cholesterins stammen aus der Leber, der Rest aus der Ernährung. Wie viel Cholesterin die Leber bildet, ist weitgehend genetisch bestimmt. Ein Hühnerei ist zudem eine hervorragende Quelle für hochwertige Proteine, ­Vitamine und Mineralstoffe.

Prof. Dr. med. Thomas Rosemann
Direktor des Institutes für Hausmedizin an der
Universität Zürich