In der Schweiz sind schätzungsweise 525 000 Personen an Diabetes erkrankt. Davon sind rund 50 000 von einem Typ-1-Diabetes betroffen. Weltweit sind es 425 Millionen. Die Internationale Diabetes Föderation schätzt, dass es bis zum Jahr 2045 rund 783 Millionen Menschen sein werden. Der Typ-1-Diabetes ist eine Autoimmunerkrankung. Diese entsteht, wenn die Betazellen der Bauchspeicheldrüse, die das für die Regulierung des Blutzuckers notwendige Insulin herstellen, vom Immunsystem des Körpers zerstört werden. Der Typ-1-Diabetes tritt häufiger bei Kindern und jungen Erwachsenen auf, kann aber auch Personen in jedem Lebensalter treffen.
Prof. em. Dr. med. Peter Diem über Symptome, Therapie und technische Hilfsmittel zur Überwachung und Steuerung der Blutzuckerwerte.
Hat die Erkrankung mit Typ-1-Diabetes zugenommen?
Global zeigen Studien, dass die Inzidenz von Typ-1-Diabetes über die Zeit etwas zugenommen hat. Auch in der Schweiz zeigt sich dieser Trend.
Gibt es eine genetische Komponente?
Es gibt eine genetische Komponente, aber Genetik alleine reicht nicht aus. Die Mehrheit der Diagnosen erfolgt bei Menschen, in deren Familien bisher kein Typ-1-Diabetes auftrat. Offenbar sind daher auch Umweltfaktoren relevant, von denen man noch nicht genug weiss.
Welches sind die Symptome eines Typ-1-Diabetes?
Klassische Symptome des Typ-1-Diabetes sind übermässiger Durst, häufiger Harndrang, Abgeschlagenheit und unerklärlicher Gewichtsverlust trotz normalem oder sogar gesteigertem Appetit.
Wie lange dauert es bis zur Diagnose?
Der Autoimmunprozess, der sich gegen die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse richtet, beginnt meist Monate oder Jahre vor den Symptomen. Wenn allerdings der Insulinmangel so gross ist, dass Symptome auftreten, erfolgt die Diagnose in der Regel schnell.
Gibt es auch bei Typ-1-Diabetes Subtypen wie bei Diabetikern mit Typ 2?
Es existieren keine gut definierten, offiziell anerkannten Subtypen, wohl aber Hinweise, dass es auch bei Typ-1-Diabetes Unterschiede gibt, zum Beispiel im Antikörperprofil.
Gefürchtet sind die Spätfolgen der Autoimmunerkrankung. Wie muss eine Therapie sein, dass
diese verhindert werden können?
Ziel der Therapie sind möglichst normale Blutglukosewerte, das heisst, die Vermeidung von dauerhaft erhöhten Blutzuckerwerten, aber auch von schweren Unterzuckerungen. Es sind dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte, die für die Spätfolgen verantwortlich sind. Zudem sollten Blutdruck sowie Blutfette gut kontrolliert und ein Nikotinstopp umgesetzt werden.
Was ist mit der kontinuierlichen Glukosemessung und der automatisierten Insulinabgabe?
Diese beiden Technologien haben in den letzten Jahren die Diabetestherapie förmlich revolutioniert und helfen Menschen mit Diabetes ihre Blutzuckerzielwerte besser zu erreichen, da Glukosesensor und Insulinpumpe miteinander kommunizieren. Bei hohen Blutzuckerwerten wird die Insulinabgabe automatisch erhöht und bei sinkenden Blutzuckerwerten automatisch gedrosselt.
Sind weitere Verbesserungen in der Behandlung von Diabetes in Zukunft überhaupt möglich?
Die heutigen automatisierten Insulinabgabesysteme sind noch nicht vollständig autonom. Der Anwender oder die Anwenderin muss nach wie vor die Mahlzeiten, also die Zufuhr von Kohlenhydraten, und körperliche Aktivität wegen des höheren Bedarfs an Blutglukose manuell erfassen, um die Insulinzufuhr entsprechend anzupassen. Hier sind Verbesserungen möglich. Auch gibt es Fortschritte in der Stammzellenforschung, die darauf abzielen, den Typ-1-Diabetes vollständig zu heilen.
Beratung und Prävention
Diabetes – was nun? Die diabetesschweiz unterstützt und begleitet Menschen mit Diabetes schweizweit. Gegründet wurde diabetesschweiz 1957 mit dem Ziel, die Lage der Diabetikerinnen und Diabetiker zu verbessern. Dazu zählt insbesondere eine geeignete Instruktion, die Förderung zur Selbsthilfe, die Begleitung von Betroffenen und Angehörigen, Unterstützung bei der Erforschung wissenschaftlicher und sozialer Aspekte der Krankheit. Die regionalen Diabetesgesellschaften bieten an verschiedenen Standorten persönliche Begleitung und Unterstützung in Form von Diabetes- und Ernährungsberatung, Fusspflege für Menschen mit Diabetes sowie den Verkauf von Materialien zu Preisen, die von den Krankenversicherungen erstattet werden.
Haben Sie Fragen? diabetesschweiz ist von Montag bis Freitag jeweils von 8 bis 12 Uhr telefonisch erreichbar. Telefon 056 200 17 90
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