Die schlimmste Komplikation bei Vorhofflimmern ist der Hirnschlag

Bild: AdobeStock, Urheber: peterschreiber.media

Mit zunehmendem Alter wird Vorhofflimmern häufiger und betrifft zirka 10 Prozent der Bevölkerung über 75. Aufgrund der hohen Lebenserwartung ist in den nächsten Jahrzehnten mit einem deutlichen Anstieg zu rechnen.

Vorhofflimmern kann sich mit verschiedenen Symptomen bemerkbar machen. Sei es Herzrasen, Atemnot, Druck auf der Brust oder ein Schwächegefühl. In vielen Fällen verspüren die Betroffenen jedoch nichts. Das macht das Vorhofflimmern umso gefährlicher. Gefürchtet ist die Bildung von Gerinnseln im Herzen und die Verschleppung ins Gehirn, wo es dann zu einem Hirnschlag kommt, der schwer oder sogar tödlich verlaufen kann.

Ab 65 sollte man den Herzrhythmus regelmässig prüfen

Bemerkt man verdächtige Symptome, muss man Vorhofflimmern deshalb möglichst früh abklären und behandeln lassen. Abwarten kann riskant sein. Zudem sollte man ab dem Alter von 65 Jahren jeden Arztbesuch dazu nutzen, den Herzrhythmus zu überprüfen. Das geht mit modernen Blutdruckmessgeräten automatisch.

Bei der Therapie stehen zwei Dinge im Vordergrund: Die Blutverdünnung und die Frage, ob man den normalen Rhythmus wieder herstellen oder aber nur verhindern möchte, dass das Herz zu schnell schlägt. Grosse Studien zeigen eindrücklich, dass der frühe Einsatz von blutverdünnenden Medikamenten das Risiko für tödlich und nicht tödlich verlaufende Schlaganfälle massiv senkt. Führende Experten kritisieren, dass bei Vorhofflimmern immer noch viel zu lange zugewartet wird, insbesondere wenn Symptome fehlen.

Bezüglich der Symptome der Patien­ten ist immer offensichtlicher, dass die Katheterablation die besseren Resultate erzielt als eine Therapie mit Medikamenten. Deshalb gehen viele Kardiologen dazu über, Vorhofflimmern von Anfang an mit einer Katheterablation zu behandeln anstelle einer Therapie mit Anti­arrhythmika. 

Was wird bei der Ablation genau ­gemacht?

Bei der Katheterablation wird über die Leistenvene ein Ablationskatheter in den linken Vorhof vorgeschoben. Man weiss inzwischen, dass die allermeisten Fälle von Vorhofflimmern ihren Ursprung in den Lungenvenen haben. Während der Ablation werden die vier Venen elektrisch isoliert. Der Patient schläft während des Eingriffs, und das Blut wird für die Dauer der Intervention ungerinnbar gemacht, um zu verhindern, dass sich Blutgerinnsel am Ablationskatheter bilden.

Hilft dieser Eingriff immer?

Die Wahrscheinlichkeit eines Erfolgs hängt sehr von der Dauer und der Art des Vorhofflimmers ab. Tritt das Vorhofflimmern nur anfallsweise auf und stoppt von ­alleine, sind die Erfolgschancen am besten und liegen bei 80 bis 90 Prozent, wobei sich aber rund 20 Prozent der Patienten einem Zweiteingriff unterziehen müssen. Besteht das Vorhofflimmern aber durchgehend, sinken die Erfolgsaussichten. Bei jahrelang persistierendem Vorhofflimmern kann es sogar sein, dass ganz von einer rhythmuskontrollierenden Therapie abgesehen werden sollte.

Für welche Patienten ist die Ablation besonders geeignet?

Besonders geeignet sind stark symptomatische ­Patienten mit anfallsweisem Vorhofflimmern. Massgeblich für die Entscheidung zur Ablation sind die Symp­tome, gelegentlich aber auch eine neuaufgetretene Herzschwäche, die möglicherweise durch den schnellen unregelmässigen Herzschlag bei Vorhofflimmern ausgelöst wurde.

Welches sind die Vorteile der neusten Ablationsverfahren?

Gegenüber den traditionellen Verfahren, die mit Wärme oder Kälte die Verödung bewerkstelligen, ist die sogenannte «Pulsed Field Ablation» ein nicht thermisches Verfahren. Dabei werden spezifisch die Herzmuskelzellen behandelt und die Umgehungsstrukturen geschont. Die Hauptvorteile der «Pulsed Field Abla­tion» sind eine deutlich kürzere Behandlungsdauer unter Schonung der umgebenden Strukturen.

Ist Vorhofflimmern immer mit Herzrasen und Atemnot verbunden?

Leider nicht. Die Symptome können sehr unterschiedlich sein, und vor allem bei älteren Patienten ist die gefürchtete Hauptkomplikation des nicht behandelten Vorhofflimmerns – der Hirnschlag – die Erstmanifestation. Bei anderen Patienten kann sich das Vorhofflimmern erst durch eine Herzschwäche bemerkbar machen. Je jünger der Patient ist, desto mehr Symptome macht in der Regel das Vorhofflimmern.

Wann sollte man sich untersuchen ­lassen?

Vor allem bei älteren Patienten ist es wichtig, ein Vorhofflimmern nicht zu übersehen, da meist mit einer blutverdünnenden Therapie begonnen werden muss, um einen Hirnschlag zu verhindern. Die aktuellen Leitlinien empfehlen daher bei jedem Arztbesuch ab dem 65. Lebensjahr den Puls zu fühlen und bei Unregelmässigkeiten ein EKG zu machen. Bei Symptomen ist es wichtig, auch bei jüngeren Patienten ein EKG anzufertigen. Da die Vorhofflimmer­episoden häufig aber nur anfallsweise auftreten, gelingt dies meist am besten mit einer Uhr, die auch ein EKG aufzeichnen kann, sogenannte Wearables, zum Beispiel die Apple Watch.

Prof. Dr. Christian Sticherling,
Leiter Elektrophysiologie,
Universitäres Herzzentrum Basel

Selektive Verödung und hohe Sicherheit

Ziel der Behandlung ist die gezielte Verödung des ­betroffenen Herzmuskelgewebes, ohne das umliegende Gewebe zu verletzen. Das angelegte elek­trische Feld destabilisiert die Zellmembran, und es bilden sich ultrafeinste Poren, die zum Austritt des Zellinhalts und schliesslich zum Zelltod führen. Bei der Radiofrequenz und der Kryoablation wird Hitze resp. Kälte angewendet. Diese herkömmlichen Verfahren haben keine Selektivität, was zu Verletzungen des angrenzenden Gewebes führen kann, wohingegen die neuste Technologie neben einer hohen Erfolgsrate ein hervorragendes ­Sicherheitsprofil aufweist.

Über einen Draht wird die Pulmonalvene sondiert und der Ablationskatheter am Eingang der Vene positioniert. Die Abgabe von kurzen starken Stromimpulsen über die 20 Elektroden des Katheters sorgt dann für eine elektrische Isolation der Vene.

Bilder und Information mit freundlicher Genehmigung und Unterstützung von Boston Scientific.