Die Tücken der Krampfadern

Ob von aussen sichtbar oder nicht, ob schmerzhaft oder nicht. Nur der Facharzt kann erkennen, welche Gefahr von einer Krampfader ausgeht.

Krampfadern Bild AdobeStock Urheber unbekannt
Bild: AdobeStock, Urheber: unbekannt

Es gibt Krampfadern, die starke Beschwerden bereiten, obwohl man sie mit blossem Auge kaum erkennt. Und es gibt Krampfadern, die blau hervorquellen und sich über das Bein schlängeln, aber keine Schmerzen machen. «Ich habe schon alles gesehen. Man kann nie sicher sein, weil man sich niemals alleine auf Äusserlichkeiten verlassen darf», sagt Dr. med. Jürg Traber, Chefarzt und Direktor der Venenklinik Bellevue in Kreuzlingen TG.

Risiko für offene Beine

Der Volksmund unterscheidet nicht und bezeichnet als Krampfadern, was man von aussen sieht. Von den kleinen bläulichen Venen, die sich ähnlich einem Reisbesen unter der Haut abzeichnen, bis hin zu mäanderförmig verlaufenden dicken Venen. Vor allem diese werden als unschön taxiert und darum oft als rein kosmetisches Problem angesehen. Laut Dr. Traber ist diese Einschätzung falsch und gleichzeitig gefährlich. «Erstens gibt es Krampfadern, die man auf den ersten Blick nicht sieht. Zweitens ist eine Varikose – wie die Krampfader im Fachjargon genannt wird – nicht einfach ein Makel, sondern eine Erkrankung des oberflächlichen Venensystems. Grosse Krampfadern sind funktionsunfähige Venen, die den Blutrückfluss zum Herz behindern und die Durchblutung des Gewebes erschweren. Wer sie nicht behandelt, riskiert offene Beine, die nicht von alleine abheilen.»

Schwere Beine sowie Druck- und Spannungsschmerz

Typische Symptome von Krampfadern sind ziehende Schmerzen und Juckreiz entlang des defekten Venenabschnittes, schwere Beine und das Gefühl von Druck- und Spannungsschmerz. «Weil derartige Symptome auch ohne Krampfadern vorkommen können, ist eine Abklärung in jedem Fall richtig und wichtig. Selbst bei Krampfadern ohne Beschwerden lohnt sich die Routinekontrolle beim Venenspezialisten.» Die Abklärung von Varikosen und chronischen Venenerkrankungen ist für den erfahrenen Phlebologen keine Hexerei. Genaues Abtasten plus Untersuchung mit dem Doppler-Ultraschall ergeben ein gutes Bild vom Zustand der Venen. Die Untersuchung ist schmerzfrei und dauert nicht lange.

Raffinierte Behandlungsmethoden ohne grosse Schnitte

Welche Behandlungen sind sinnvoll, falls kranke Venen entdeckt werden? «Schwellungen der Beine bessern sich ganz unmittelbar mit Kompressionsstrümpfen. Allerdings verschwinden die Krampfadern dadurch nicht. Ich empfehle die Kombination einer Kompressionstherapie mit einer Krampfaderbehandlung», so Dr. Traber. «Die moderne Venenheilkunde hat die klassische chirurgische Behandlung von Krampfadern weiterentwickelt und auch raffinierte Techniken hervorgebracht, die ohne grosse Schnitte auskommen. Zum Beispiel die endovenöse Lasertherapie oder die endovenöse Radiofrequenztherapie mittels Katheter. Auch die Verödung von Krampfadern durch Einspritzen von chemischen Substanzen kann sinnvoll sein. Welches Verfahren für welchen Patienten das beste ist, hängt von den defekten Venen und von den bestehenden Begleiterkrankungen ab. Aber keine Angst: Zu einem guten Teil werden Krampfadern heutzutage ambulant behandelt.»

Weitere Infos: www.venenklinik.ch

 

Dr. Jürg Traber, Chefarzt und Direktor der Venenklinik Bellevue
Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 15.07.2021.

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