Die Verbrennungen haben mir beinahe das Leben gekostet

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Ich war gerade mal 22 Jahre alt, als ich mir mitten im Medizinstudium fürchterliche Verbrennungen zuzog. Selbstverschuldet, wohlgemerkt. Beim Versuch, brennendes Pommes frites-Öl zu löschen, verbrannte ich mir rund einen Drittel meiner Haut, mehrheitlich drittgradig tief.

Nach der Erstversorgung im Kantonsspital Münsterlingen wurde ich in die Verbrennungsstation des Universitätsspital Zürich verlegt. In einer ersten Operation wurde die verbrannte Haut abgetragen und durch maschenartig aufbereitete Eigenhaut ersetzt, die man zuvor an nicht verbrannten Körperstellen entnommen hatte.

Die Schmerzen raubten mir den Schlaf

Die folgende Zeit war geprägt von der Verbrennungskrankheit, die mir körperlich und psychisch alles abverlangte, und von Schmerzen, die mir jeden Schlaf raubten. Eines Tages kletterte die Körpertemperatur innert kürzester Zeit auf 42 Grad. Mein ganzer Körper bebte, mein Bewusstsein trübte ein. Man vermutete eine Wundinfektion, also riss man mir unter heftigsten Schmerzen alle Verbände vom Leib. Die Annahme erwies sich als falsch. Schuld war ein Problemkeim, der via Infusionsschlauch in das Blut gelangte und eine Sepsis auslöste.

Eine zweite Hauttransplantation wurde nötig. Nach drei Wochen wurde ich entlassen, abgemagert, vollkommen geschwächt, mit handflächengrossen offenen Hautarealen. Bis sie zuheilten, vergingen Monate. Während drei Jahren trug ich im Sommer wie im Winter Kompressionsverbände, um die gefürchteten Narbenkontrakturen zu bekämpfen. Bis meine Kräfte wieder zurückkehrten, dauerte es mehr als ein Jahr.

Meine Narben kann ich verstecken, meine Wut hingegen nicht

Alles in allem hatte ich riesiges Glück. Die Blutvergiftung überlebte ich folgenlos. Die Verbrennungen an den Händen und im Gesicht heilten vollständig ab, die grossflächig vernarbten Körperstellen kann ich unter der Kleidung gut verstecken.

Wenn ich an die vielen Opfer von Crans-Montana denke, kommen die alten Erinnerungen wieder hoch. Was diese jungen Menschen jetzt durchmachen, können wir uns nicht im Entferntesten vorstellen. Neben einer grossen Traurigkeit empfinde ich vor allem Wut. Wut darüber, wie man auf Kosten von Menschenleben die einfachsten Regeln des Brandschutzes missachtete und von Seiten der Behörden wegschaute.

Wir dachten, in der Schweiz sei eine solche Katastrophe unmöglich. Wir mussten schmerzhaft erfahren, dass wir uns sträflich irrten.