Migräne nicht erkennen
Eine Migräne kann man übersehen, wenn man nicht die richtigen Fragen stellt. Seit wann haben Sie Kopfschmerzen? Wie häufig treten sie auf? Wie zeigen sie sich? Oder man lässt sich verleiten, indem man die einzelnen Kriterien wie Einseitigkeit oder pochenden Schmerzcharakter zu stark gewichtet und so eine Migräne übersieht. Ist eines der Kriterien nicht erfüllt, spricht man von einer «wahrscheinlichen Migräne». Es gibt auch Kopfschmerzen, die wie Migräne aussehen, aber keine sind.
Die Migräneattacke nicht oder falsch behandeln
Viele Patientinnen und Patienten nehmen nur ungern Schmerzmittel, sodass sie die Migräne zu zögerlich behandeln. Zum Beispiel mit einer zu niedrigen Schmerzmittel-Dosis. Oder es werden keine Triptane eingesetzt, sondern bloss gewöhnliche Kopfschmerzmittel, oft mehrfach täglich. Erfolglose Akuttherapie ist ein wichtiger Risikofaktor für die Chronifizierung der Migräne.
Zu spät spezifische Migränemittel einsetzen
Man wartet bei einer Attacke einmal ab und nimmt Triptane erst nach mehreren Stunden. Wenn man ein spezifisches Mittel nicht früh in der Attacke nimmt, ist die Akuttherapie wahrscheinlich nicht wirksam, und die Chronifizierung schreitet sogar noch voran.
Sich einen Medikamentenübergebrauchskopfschmerz einhandeln
Schmerzmittel sollte man höchstens an zehn Tagen im Monat nehmen. Sonst besteht die Gefahr, einen zweiten Kopfschmerztypus auszulösen, den Medikamentenübergebrauchskopfschmerz. Um das zu verhindern, muss das Grundleiden, die Migräne, adäquat behandelt werden. Das schliesst eine Prophylaxe ein, mit der man die Zahl der Attacken auf unter 10 pro Monat reduziert, damit man auch an maximal zehn Tagen Schmerzmittel einnehmen muss. In schweren Fällen wird ein Medikamentenentzug notwendig.
Keinen Kopfschmerzkalender führen
Wird die Migräne nicht dokumentiert, hat man keine Ahnung, wie schwer der Patient oder die Patientin betroffen ist und ob die Behandlung wirkt.
Keine medikamentöse Prophylaxe machen
Ab vier Schmerztagen pro Monat oder bei langanhaltenden Attacken ist eine medikamentöse Prophylaxe indiziert. Unspezifische Mittel wie Betablocker, Amitriptylin oder Topiramat sind der erste Schritt und können vom Hausarzt eingesetzt werden.
Nicht rechtzeitig den Neurologen beiziehen
Der Facharzt verfügt heute über ganz spezifische Prophylaktika. Sie kommen ab acht Schmerztagen pro Monat zum Einsatz oder nach zwei fehlgeschlagenen Versuchen mit unspezifischen Medikamenten.
Nichtmedikamentöse Prophylaxe versäumen
Dazu gehören Anpassungen des Lebensstils und regelmässiges Ausdauertraining, also drei Mal pro Woche 30 bis 45 Minuten Velofahren, Walken, Schwimmen. Hilfreich sind auch Entspannungsverfahren wie Yoga, autogenes Training, progressive Muskelrelaxation, Meditation, am besten täglich. Generell geht es um mehr Achtsamkeit und um eine Senkung des Stresslevels.
Begleiterkrankungen übersehen
Komorbiditäten wie Schlafstörungen, Angsterkrankungen und Depressionen können Migräne verschlechtern und sollten vom Arzt aktiv gesucht und behandelt werden.
Zu viele Trigger vermeiden
Aufpassen, dass es aus der Absicht heraus, Auslösern von Attacken aus dem Weg zu gehen, nicht zu einem starren Vermeidungsverhalten kommt und man so das Leben verpasst. Auch, wenn die Migräne zu einem ständigen Begleiter geworden ist, darf man ihr nicht zu viel Platz einräumen und den ganzen Alltag nach ihr ausrichten.


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