Endlich Erleichterung

Verstopfung wp e1398325787465

Wenn Sie zu den vielen Unglücklichen gehören, die von morgens bis abends ­chronisch verstopft sind, empfehlen wir Ihnen diesen Artikel. Er kann Ihnen das Leben leichter machen.

Glaubt man den Umfragen, ist fast die halbe Schweiz verstopft. Und glaubt man den gängigen Empfehlungen, ist man sehr schlecht beraten. Nirgendwo in der Medizin kursieren so viele unbegründete oder schlichtweg falsche Vorstellungen. Und nirgendwo anders werden so viele überflüssige, teure medizinische Abklärungen gemacht. Die Liste der Ratschläge ist schier unendlich. Und wirkungslos. So mühen sich Tausende von Betroffenen tagtäglich auf der Toilette ab und packen nach einer gefühlten Unendlichkeit wieder alles zusammen, ohne dass ihr Darm die sehnlichst erhoffte Erleichterung erfahren hätte.

Nur ein Viertel der Menschen, die sich als verstopft bezeichnen, hat weniger als dreimal pro Woche Stuhlgang. Die meisten geben als Hauptsymptom Völlegefühl oder heftiges Pressen an. Wichtig ist, dass der Arzt aktiv nach den Beschwerden fragt, weil der Patient manche Symptome gar nicht spontan schildert. Die Diagnostik kann in den meisten Fällen sehr sparsam gehandhabt werden. Eine Untersuchung mit dem Finger gehört in jedem Fall dazu. Eine Darmspiegelung ist nur angebracht, wenn eine organische Ursache in Betracht zu ziehen ist oder sie zur Früherkennung von Darmkrebs ansteht. Für die Abklärung einer chronischen Verstopfung ist sie aber nicht von Nutzen. Auch Laboruntersuchungen sind in den meisten Fällen überflüssig.

Entscheidend ist eine gute Aufklärung des Patienten. Eine minimal erforderliche Stuhlfrequenz gibt es nicht. Auch ist es nicht möglich, sich durch eine lange Verweildauer des Darminhaltes selbst zu vergiften. Völlig nutzlos sind in den meisten Fällen die gut gemeinten Ratschläge, die völlig kritiklos übernommen werden. So sind Patienten, die unter Verstopfung leiden, nicht weniger körperlich aktiv als andere. Empfehlungen, zum Beispiel sich mehr zu bewegen, sind weder logisch noch wirksam. Auch von ballaststoffreicher Ernährung ist nicht viel zu halten. So zeigen Diätanalysen keine Unterschiede im Ballaststoffverzehr zwischen Menschen mit und ohne Verstopfung. Ballaststoffe wie Weizenkleie verbessern zwar die Geschwindigkeit, mit welcher der Darminhalt transportiert wird. Verstopfte Patienten haben jedoch ein niedriges Stuhlgewicht und eine verlängerte Darmpassage, ob sie nun fasserreich essen oder nicht. Viel trinken ist ebenfalls ein sehr oft gehörter, nutzloser Ratschlag.

Der Bedarf an wirksamen Behandlungen ist also gross. Entsprechend breit ist das Angebot an frei verkäuflichen Abführmitteln. Doch auch hier geistern bis heute Schauermärchen durch die einschlägigen Gesundheitshefte und sogar durch hoch offizielle Fachzeitschriften. Dabei sind sich führende Experten einig: Die verfügbaren Mittel, ob synthetisch oder pflanzlich, sind sicher. Sogar gegen einen langfristigen Einsatz ist nichts einzuwenden. Die Angst vor einer Gewöhnung ist unbegründet. Sie wird durch keinerlei wissenschaftliche Daten untermauert.

Seit Kurzem stehen zur Behandlung der chronischen Obstipation Wirkstoffe aus der Gruppe der Chloridkanal-Aktivatoren zur Verfügung, welche die Flüssigkeitssekretion in den Zellen der Dünn- und Dickdarmschleimhaut erhöhen und den Stuhl weicher machen. Ein täglicher oder fast täglicher Stuhlgang wird dadurch wieder möglich. Die Anstrengungen beim Stuhlen werden verringert und die Beschaffenheit des Stuhls wechselt von hart auf normal. Die Wirksamkeit der neuen rezeptpflichtigen Mittel wurde in grossen klinischen Studien bestätigt. Zu ihrem Anwendungsgebiet zählen auch eine durch opiathaltige Schmerzmittel ausgelöste Verstopfung sowie das Reizdarmsyndrom. Die beste Idee für Betroffene lautet demnach: Nicht mehr länger Zeit mit unnützem Pressen verschwenden, sondern mit dem Arzt das Problem offen besprechen.