Nach der Veröffentlichung der Women’s Health Initiative 2002 warnten Fachärzte und -ärztinnen auf der ganzen Welt vor einem erhöhten Brustkrebsrisiko durch die Hormonersatztherapie und liessen die Frauen mit ihren Menopausen-Beschwerden allein. Schon 2004 hielt in einer internen Studie Prof. Dr. med. O.R. Köchli vom Frauengesundheitszentrum an der Rämistrasse in Zürich fest, dass die Frauen das Brustkrebsrisiko wegen einer Hormontherapie überschätzten, Übergewicht und Alkoholkonsum wurden unterschätzt. Aufgrund der erheblichen Schwächen der WHI-Studie und neuen Erkenntnissen korrigiert die amerikanische Arzneimittelbehörde ihr Urteil und empfiehlt eine differenziertere Therapie. Rechtzeitig und individuell eingesetzt, könne die Hormontherapie zahlreiche gesundheitliche Vorteile bringen:
- Reduktion der Gesamtsterblichkeit.
- Senkung des Risikos, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben, um 25 bis 50 Prozent.
- Senkung des Risikos für Knochenbrüche um mehr als die Hälfte.
- Senkung des Risikos für eine Abnahme der geistigen Leistungsfähigkeit um 64 Prozent.
- Senkung des Risikos für Alzheimer-Erkrankung um gut einen Drittel.
Entfernt wurden die Warnungen zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Brustkrebs und Demenz für Östrogene in Tablettenform sowie die möglichst niedrige Dosierung über einen kurzen Zeitraum. Hinzugefügt wurde eine Empfehlung, was der Beginn der Hormontherapie anbelangt: für ein optimales Nutzen-Risiko-Verhältnis Start ab dem 60. Lebensjahr oder innerhalb von 10 Jahren nach der Menopause.
«Es ist wichtig, dass die Korrektur der amerikanischen Arzneimittelbehörde keine generelle Entwarnung bedeutet», betont Köchli. «Jede Hormontherapie muss eine individuell sorgfältig abgewogene Entscheidung sein, basierend auf Alter, Symptomen und persönlichem Risikoprofil sowie der Präferenzen der Frau.»
Angepasst wurden die Warnhinweise bei allen Östrogen-Progesteron Kombinationspräparaten, Östrogen-Mono- und andere Östrogen- sowie Progesteron-Monopräparaten.
Prof. Dr. med. O.R. Köchli
www.profkoechli.ch
