Für jeden Tag dankbar

Sein Leben hing an einem seidenen Faden. Josef Gasser, 70, aus Littau erzählt von seinen zwei Herzinfarkten, seiner neuen Liebe und seinen Hobbies.

Herzinsuffizienz Herzinfarkt

Josef Gasser hat eine schwere Zeit hinter sich. Ursprünglich Pöstler war er später in der IT-Branche tätig, bis es ihn dort nicht mehr brauchte. Er war länger arbeitslos, fand dann einige Aushilfsjobs, ehe er zum Schluss seines Berufslebens wieder die Post austrug. «Mein Leben war schon immer stressig. Aber die Arbeitslosigkeit hat mir am meisten zugesetzt.»

Endlich im Ruhestand wollten er und ­seine Frau Margrit die Zeit miteinander genies­sen. Es sollte nicht sein. Nach 43 Jahren Ehe starb sie an Lungenkrebs. Von der Dia­gnose bis zum Tod vergingen nur gerade neun Monate. «Das nagte schwer an mir.» Dennoch wagte Josef Gasser einen Neu­anfang. Erster Schritt sollte eine Neumöblierung der Wohnung sein.

Extreme Übelkeit

Am Dienstagmorgen des 8. Juli 2014 sollte ein Teil der alten Möbel abgeholt werden. «Ich war deswegen extra früh aufgestanden. Plötzlich wurde es mir hundsübel.» Schmerzen hatte er keine, auch kein Engegefühl in der Brust. Einfach nur extrem schlecht war ihm. Gasser alarmierte die Nummer 144 und wartete auf dem Balkon im 4. Stock auf die Ambulanz. Gehört hatte er sie schon von Weitem und öffnete noch die Haus- und die Wohnungstür. Dann wurde er bewusstlos.

Schwerer Herzinfarkt, Wiederbelebung, Defibrillator. Ein Notarzt wurde herbeigerufen, die Feuerwehr alarmiert, um ihn mit der Drehleiter aus dem 4. Stock zu hieven. Im Kantonsspital Luzern kämpften die Ärzte wochenlang um ihn. «Mein Leben hing an einem seidenen Faden». Herzkatheter­labor, Herzpumpe, künstliches Koma, zweiter Herzinfarkt, Lungenentzündung, Nierenversagen, Dialyse. Die Ärzte hatten ihn schon fast aufgegeben.

Wie durch ein Wunder überlebt

Josef Gasser überlebte wie durch ein Wunder. Während einer mehrwöchigen Reha kam er wieder auf die Beine. Zurück blieb eine schwere Herzinsuffizienz. Die Leistung seines Herzens betrug nur noch 25 Prozent. «Fast ein Jahr lang konnte ich keine 100 Meter gehen, war extrem müde und hatte ständig Atemnot. Mein Körper war so schwach, dass ich mich im Treppenhaus auf jedem Stock ausruhen musste.» Die Ärzte stellten die Medikamente um und setzten auf eine neue Wirkstoffkombination, um die Pumpleistung des Herzens zu verbessern. «Das hat sofort extrem viel gebracht. Mit dem neuen Medikament ging es sofort ‹obsi›. Die Müdigkeit ist seither weg, die Atemnot auch. Die Treppen bis zu meiner Wohnung im 4. Stock schaffe ich wieder ohne anzuhalten. Auch die lästigen Nebenwirkungen all jener Medikamente, die ich nun nicht mehr brauche, sind verschwunden. Sogar psychisch geht es mir sehr viel besser.»

Mediterrane Ernährung, wenig Zucker

Seit drei Jahren hat Josef Gasser eine neue Partnerin. «Die neue Liebe bedeutet mir enorm viel und gibt mir Kraft.» Mit Rauchen hat er aufgehört und er ernährt sich sehr gesund. Mediterran kochen ist zu seinem Hobby geworden. Er achtet auf gesunde Fette und möglichst wenig Zucker und Salz. Seine Medikamente nimmt er gewissenhaft ein. Und jeden Tag misst er seinen Blutdruck und steht auf die Waage, um das Gewicht genau zu verfolgen, wie das Patienten mit Herzinsuffizienz tun müssen. Er malt Bilder, um das Erlebte zu verarbeiten und sich zu entspannen.

«Früher war für mich alles selbstverständlich. Heute erlebe ich alles viel bewusster. Jeder neue Tag ist ein Geschenk. Man sollte viel mehr dankbar sein für die Zeit, die man auf Erden hat.»

Herzinsuffizienz zweites Bild kleiner

Müdigkeit und Atemnot

Wie merkt man, dass man unter Herz­insuffizienz ­leidet? PD Dr. Florim ­Cuculi, Co-Chefarzt am Herzzentrum Luzern, Luzerner Kantonsspital, nennt die typischen Symptome.

Wie kam es zu diesem beinahe tödlichen Herzinfarkt?

Herr Gasser hatte einen akuten Hauptstamm-Verschluss, die linke Herzkranz­arterie war also direkt am Abgang zugegangen. Gleichzeitig war die rechte Herzarterie fast zu. Er kam dann in einem extrem schlechten Zustand bei uns an, und wir mussten alle Hebel in Bewegung setzen, um ihn zu retten. Nach dem Einlegen einer unterstützenden Pumpe hat sein Herz für mehrere Tage kaum etwas zum Kreislauf beigetragen, dann hat der Patient sich langsam erholt.

Welchen Einfluss hatten die Arbeitslosigkeit und der Krebstod seiner Frau?

Das ist eine schwierige Frage. Man sucht immer nach Erklärungen, wenn sowas passiert. Ich erlebe Patienten mit einem Herzinfarkt, denen es im Leben wunderbar gegangen ist und solche, die einen Schicksalsschlag hatten.

Zurück blieb nach dem Infarkt eine schwere Herzinsuffizienz. Welche Symptome sind typisch?

Typisch ist Atemnot, und dass man das Gefühl hat, man könne körperlich kaum mehr etwas leisten. Dazu kommen Müdigkeit, schwache Beine und Konzentrationsschwäche. Alle Organe des Körpers werden mangeldurchblutet, verschiedene Symptome weisen darauf hin. Aber man muss betonen, dass die Symptome nicht bei allen Patienten gleich ausgeprägt sind.

Wie lässt sich eine solche Herzschwäche wirksam behandeln?

Wenn es möglich ist, sollte zuerst die Ursache behoben werden, beispielsweise ein Herzklappenfehler, eine verengte Herzarterie usw. Ansonsten ist die Herzinsuffizienz eine klare Domäne der medikamentösen Therapie. Wir haben heutzutage tolle Medikamente, die sowohl die Symptome wie auch die langfristige Prognose der Patien­ten verbessern.

Herzinsuffizienz
PD Dr. Florim ­Cuculi, Co-Chefarzt am Herzzentrum Luzern, Luzerner Kantonsspital
Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 06.06.2019. Setzte ein Lesezeichen permalink.

Kommentare sind geschlossen.