Herpes Zoster – leiden bis zum Exit

Die Schilderungen in den eingegangenen Leserbriefen decken sich weitgehend mit meinen Erfahrungen aus der Praxis. In den letzten Jahren habe ich mehr Fälle von Gürtelrose, beim Auftreten im Kopfbereich auch Gesichtsrose genannt, gesehen als früher, dabei habe ich leider auch einige schwere Verläufe beobachtet. Kürzlich hat sich einer meiner Patienten aufgrund unbeherrschbarer Nervenschmerzen – eine typische Komplikation von Herpes Zoster – entschieden, Exit in Anspruch zu nehmen.

Wissenschaftliche Studien zeigen, dass die Gürtelrose bei Personen über 75 Jahre drei- bis viermal häufiger auftritt als bei den 18- bis 40-jährigen. Bei gewissen chronischen Krankheiten und insbesondere bei Personen mit eingeschränktem Immunsystem nimmt das Risiko eines Herpes signifikant zu. Bei etwa 30% der an Herpes Zoster Erkrankten entwickeln sich Komplikationen, auch hier wieder häufiger, je älter man ist oder bei Immunschwächen.

Die Impfung gegen Herpes Zoster wird empfohlen für:

  • gesunde Personen ab 65 Jahren
  • Patientinnen und Patienten ab 50 Jahren mit einem erhöhten Risiko für Herpes Zoster
  • bzw. Patientinnen und Patienten mit höchstem Risiko, z. B. schwere Immundefizienz bereits ab 18 Jahren

Für die vollständige Impfung braucht es zwei Dosen im Abstand von mind. zwei Monaten. Seit Februar 2022 werden die Kosten von der Grundversicherung für diese Personengruppen übernommen. Lokale oder allgemeine Impfreaktionen sind etwas häufiger als bei anderen Impfstoffen, weshalb es sehr wichtig ist, die Patienten darüber zu informieren.

Warum lohnt es sich, sich gegen Herpes Zoster zu impfen?

  • Bei der Erstinfektion, meist im Kindesalter, zeigt sich das Virus in Form der Varizellen, also Windpocken, spitze oder wilde Blattern. Das Virus schlummert in der Folge im Körper und kann später erneut ausbrechen, dann in der Form einer Gürtelrose. Fast 100% der hier in der Schweiz aufgewachsenen Erwachsenen ab 50 Jahren sind mit dem verantwortlichen Virus, dem Varizella-Zoster-Virus bereits infiziert und somit gefährdet für eine Gürtelrose und mögliche Komplikationen.
  • Bei einem Drittel aller Infizierten reaktiviert sich das Virus im Verlauf des Lebens.
  • Die Krankheitslast von Herpes Zoster­ in der Schweiz wird geschätzt auf 17 000 bis 30 000 behandlungsbe­dürftige Fälle und auf ca. 17 bis 86 Todes­­fälle pro Jahr.
  • Die Impfung hat eine hohe Wirksamkeit: 91% Schutz gegenüber Komplikationen bei Herpes Zoster, auch in der Nachbeobachtungszeit von 10 Jahren ist ein guter Effekt nachgewiesen.
  • An Herpes Zoster kann man unter Umständen mehrmals erkranken. Ist man geimpft, verläuft die Gürtelrose­ in der Regel harmloser, mit weniger Komplikationen und Hospitalisationen. Es lohnt sich eventuell auch, sich unter einem anderen Aspekt impfen zu lassen: Erste Beobachtungen deuten darauf hin, dass Personen, die gegen Herpes Zoster – wie auch jährlich gegen die Grippe – geimpft wurden, ­weniger häufig an Demenz erkranken.