Wenn Pollen den Alltag bestimmen

Spring birch blossoms, pollen is flying, pollen allergy Bild: AdobeStock, Urheber: ELENA

Wenn die Nase juckt, die Augen brennen und draussen jede Spiel- oder Sportstunde zur Qual wird, steckt oft eine Pollenallergie dahinter. Heuschnupfen betrifft häufig die ganze Familie und kann sowohl Kinder als auch Erwachsene stark belasten.​

Rund jede dritte Person in der Schweiz lebt mit einer Pollenallergie. Am häufigsten reagieren Betroffene auf Gräser, aber auch Kräuter wie Wegerich, Ampfer oder Brennnesseln sowie Baumpollen von Birke, Hasel oder Erle lösen Beschwerden aus. Gräser blühen von Ende April bis September, mit einem Höhepunkt von Mai bis Mitte Juli, während viele Bäume bereits von Februar bis Juni Pollen freisetzen. Das bedeutet für Betroffene eine lange Zeit mit potenziellen Beschwerden.​

Wenn das Immunsystem überreagiert

Es kommt zu einer Allergie, wenn das körpereigene Abwehrsystem überreagiert. Fachleute sprechen von einer Sensibilisierung. Das Immunsystem stuft eigentlich harmlose Eiweisse in den Pollen als gefährlich ein und bekämpft sie. Kinder, bei denen ein Elternteil eine Allergie hat, haben ein erhöhtes Risiko, selbst eine zu entwickeln. Sind beide Elternteile von Heuschnupfen betroffen, steigt die Wahrscheinlichkeit weiter an und kann zwischen 60 und 80 Prozent liegen.​

Bleibt eine Allergie unbehandelt oder wird sie nur mit kurzzeitig wirkenden, symptomlindernden Medikamenten therapiert, können sich die Beschwerden im Verlauf ausweiten. Zusätzliche Allergien kommen hinzu, und im schlimmsten Fall kann ein ­allergisches Asthma entstehen. Man spricht dann von einer Allergiker-Karriere oder vom allergischen Marsch. Besonders bei Kindern kann sich der allergische Marsch bei fehlender oder ausschliesslich oberflächlicher Behandlung rasch entwickeln. Daher ist es wichtig, Symptome mit einer Ärztin oder einem Arzt zu besprechen.

Zwei Behandlungsansätze

Bei Pollenallergien stehen grundsätzlich zwei Behandlungsansätze zur Verfügung. Meist wird versucht, die Beschwerden oberflächlich mit Medikamenten wie Antihistaminika oder Kortison zu lindern, die in der Regel rasch wirken, die Allergie selbst aber nicht verändern.​ Eine ursächliche Therapie hingegen ist die Allergie-Immuntherapie, die verschreibungspflichtig ist. Sie wird auch Desensibilisierung oder Hypo­sensibilisierung genannt und zielt darauf ab, das Immunsystem schrittweise an das Allergen zu gewöhnen. So kann es vom Körper mit der Zeit weniger als Bedrohung wahrgenommen werden und bei einer erfolgreichen Therapie nicht mehr zu Allergiesymptomen führen. Die Allergie-Immuntherapie kann als Injektion unter die Haut (SCIT) oder in Form von Tropfen oder Tabletten unter die Zunge (SLIT) erfolgen. Eine Therapie dauert mindestens drei Jahre.​

Da Atemwegsallergien chronische oder sogar lebenslange Beschwerden verursachen können, sollten Eltern von allergischen Kindern – und auch erwachsene Betroffene – die Symptome ernst nehmen und bei anhaltender Beeinträchtigung des Alltags frühzeitig eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen.​

Fachpersonen finden

Auf der Homepage ch.klarify.me/de finden Patientinnen und Patienten allergologische Fachpersonen in ihrer Nähe. Zudem gibt es dort Informationen zu ­Allergien, typischen Symptomen, zur ­Diagnose und zu verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten.​

Pollen und Klima – ­warum die Belastung zunimmt

Aufgrund der Klimaveränderung hat sich die Pollensaison in unseren Breitengraden bereits verändert. Viele Pollen fliegen heute länger, und einige Pflanzen produzieren mehr oder veränderte Pollen, die von Betroffenen als aggressiver wahrgenommen werden. Dadurch entwickeln immer mehr Menschen eine Pollenallergie, und ­bestehende Allergien können sich verstärken.​ Besonders Baum­pollen können in einzelnen Jahren sehr stark auftreten, dieses Jahr wird beispielsweise ein ausgeprägtes Baumpollenjahr erwartet. Das kann dazu führen, dass mehr Heuschnupfen-Symptome auftreten, die ernst genommen und gegebenenfalls ärztlich abgeklärt werden sollten.

Sie haben den Verdacht auf eine ­Allergie? Finden Sie mit der Facharzt­suche auf ch.klarify.me/de eine ­allergologische Fachpraxis.