Im Kampf der Eltern zeigt sich die eigene Not

frustrated math school child Bild: AdobeStock, Urheber: detailblick foto

Vielen Dank für viele segensreiche Engagements von Ihrer Seite. Ich schreibe Ihnen als langjährige Sonderklassenlehrerin. Sonderschulung von Kindern mit besonderen Bedürfnissen ist vor vielen Jahren aus Liebe zu diesen Kindern entstanden. Oft sieht man im Kampf der Eltern gegen eine Sonderbeschulung deren eigene Not, die Sachlage anzuerkennen und die fehlende Vorstellung loszulassen, dass ihr Kind normal beschulbar ist.

Kinder mit Beeinträchtigungen fühlen sich deutlich wohler in einer Gruppe Gleichgesinnter, in einer Sonderschule oder eine Sonderklasse, in der sie gezielt gefördert werden – und wo sie auch einmal „der/die Beste“ sein können. In der unnatürlich erzwungenen Integration in Regelklassen – meist eher das Bedürfnis der leidenden Eltern – spüren die betreffenden Kinder jeden Tag, dass sie anders sind und niemals die gleichen Ziele erreichen können wie die restlichen Kinder der Klasse.

Das oft angewandte Schönreden der Situation mittels individueller Lernziele in Regelklassen hilft nicht den Kindern, denn so werden sie nicht auf das Leben vorbereitet und leiden sehr, wenn sie mit der Realität in der Arbeitswelt konfrontiert werden, sondern es befriedigt die Eltern in ihrer Not, die Realität annehmen zu können.

Krass ausgedrückt empfinde ich es so, als dass wir mit solchen sinnlosen Kämpfen um den Verbleib in den Regelklassen letztendlich die Kinder anlügen und ihnen etwas vorgaukeln, was nicht ist. Weitaus besser ist es, mittels den vielen guten Möglichkeiten von gezielten, separativen Schulmöglichkeiten die Kinder sich glücklich, ernst und angenommen und vor allem verstanden fühlen zu lassen. 

Mögen die Bildungswege etwas länger ausfallen und mögen die betroffenen Familien sich der schmerzhaften Realität stellen müssen, die Seelen der betroffenen Kinder sind es wert, dass wir sie begleiten, so, wie es für sie, nicht für die Erwachsenen am besten ist.

Christine Roth