Influencer machen krank

Die Ernährungsratschläge von Influencern verursachen Blähungen und Magenkrämpfe. Und von den virtuellen Schönheitsidealen bekommen Social-Media-Nutzer ein angeknackstes Selbstbild oder sogar eine Depression. Die Sucht nach dem Like und ihre gesundheitlichen Folgen.

Influencer Bild AdobeStock Urheber Seventyfour
Bild: AdobeStock, Urheber: Seventyfour

Influencer in den sozialen Medien sind keine verlässliche Quelle für Tipps zu Diäten und Gewichtsreduktion. Die meisten populären Blogger verbreiten Fehlinformationen. Nur einer von zehn Influencern gibt vertrauenswürdige Tipps, wie eine Studie der Universität Glasgow zeigt. Laut den Wissenschaftlern präsentieren sie ihre Meinung als Fakten. Dabei erreichen die meisten nicht einmal die einfachsten Standards für gesunde Ernährung.

Wer ihre Ratschläge umsetzt, riskiert eine einseitige Ernährung oder landet mit Blähungen und Magenkrämpfen beim Arzt. Meist handelt es sich um Patienten, die sich vor allem von rohem Gemüse, Früchten und Smoothies ernähren. Eine häufige Folge ist ein Reizdarm. Rohkost enthält viele Gäralkohole und –zucker, die leicht Blähungen, Krämpfe und Durchfall auslösen können.

Schon 20 Minuten online sind zu viel

Je mehr Zeit bei Facebook, desto mehr Essstörungen. Junge Frauen, die viel Zeit auf dem sozialen Netzwerk verbringen, machen sich mehr Sorgen über ihr Aussehen und ihr Gewicht. Sie legen mehr Wert auf Kommentare und Likes, entfernen Fotos von sich und vergleichen ihre Bilder mit denen anderer Freunde. Schon 20 Minuten online pro Tag auf Facebook verderben den Appetit und fördern Magersucht und Bulimie.

Aufhübschung mit Filter

Die virtuellen Schönheitsideale machen krank. Besonders die junge Generation perfektioniert ihr Aussehen in den sozialen Netzwerken und präsentiert ein Bild, das stark von der Realität abweicht. Früher war es den Stars vorbehalten, sich künstlich aufzuhübschen. Heute hat jeder die Möglichkeit, mit Instagram- und Snapchat-Filter und Bearbeitungssoftware sein Selfie zu perfektionieren. Durch das virtuell bearbeitete Selbst verwischt sich die Grenze zwischen Realität und Fantasie. Der Selbstoptimierungsdruck führt zu einer krankhaft gestörten Wahrnehmung des eigenen Körpers und geht immer häufiger einher mit dem Wunsch nach einer Schönheitsoperation.

Scheinwelt macht süchtig

Das soziale Netzwerk quillt über von Blondinen mit Selfiestick und erhöhter Champagnerkompetenz. Besonders Instagram lebt von vorgegaukelter Perfektion. Strahlende, langbeinige Models, Influencerinnen in Kleidern von Luxuslabels, posierende Paare im Traumurlaub. Das sind typische Instagram-Bilder. Diese Scheinwelt birgt erhebliche Gefahren. Denn sie macht süchtig. Die Apps sind so aufgebaut, dass die Nutzer immer weiter nach unten scrollen sollen, ohne an einen Endpunkt zu gelangen. Leicht verlieren die User die Kontrolle, die Zeit verrinnt, einfach so. Studien der Universitätsklinik Hamburg belegen einen klaren Zusammenhang zwischen Social-Media-Sucht, einem schlechten Selbstbild und Depression. Fakt ist: Social Media macht süchtiger als Alkohol und Zigaretten.

Instagram hat unter allen Social-Media-Kanälen den schlechtesten Einfluss auf die Psyche. Die Plattform verursacht Schaden in den Bereichen Körperbild und Selbstwahrnehmung. Die Nutzung hat auch einen nachteiligen Effekt auf den Schlaf und verstärkt das Gefühl, etwas im Leben zu verpassen.

Spiel mit dem Sozialneid

Selbst berühmte Influencerinnen, die mit ihren Postings für Luxusprodukte Millionen Menschen erreichen, wirken in der Realität blass und wenig inspirierend. Sie spielen zynisch mit dem Sozialneid und zeigen ein Bild, das nicht ansatzweise mit der Lebenswirklichkeit zu tun hat. Der monströse Konkurrenzkampf ist durch Instagram auf einem neuen, abstossenden Level angekommen.

Influencer sind nur die vermeintlichen neuen Stars unserer Zeit. Sie wissen nicht, was sie tun. Die meisten haben Erfolg, bevor sie überhaupt eine Ausbildung haben. Viele sind berühmt, bevor sie erwachsen sind. Doch das scheinbar perfekte Leben ist nur Betrug, an sich selbst und ihren Followern. Und die Selbstinszenierungsmaschine fordert ihre Opfer. Die Fotos zählen nicht mehr, es geht nur noch um Zahlen. Viele Influencer versuchen alles, um den geheimen Algorithmus auszutricksen. Der Druck, auf der Plattform zu bestehen, wird immer extremer, das Verfalldatum der klonartigen Influencerinnen immer kürzer. Es fehlt ihnen das Empathie-Vermögen, ihr Leben dreht sich einzig und allein um sie selbst. Das macht nicht glücklich, weder die Follower, noch sie selbst. Viele brennen nach kürzester Zeit aus und sehnen sich wieder nach einem normalen Leben.

Lieber Fotos im Herzen speichern

Es gibt nur einen Weg: Weniger oder eine Zeit lang überhaupt keine Fotos mehr. Weniger oder keine Zeit mehr auf Instagram verbringen. Dafür den Fokus wieder auf die kleinen Glücksmomente im Alltag legen, ohne das Smartphone in der der Hand. Sie mit dem inneren Auge und dem Herzen festhalten, und nicht mit der Kamera.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 02.07.2020.

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