Je niedriger das böse ­Cholesterin, desto besser

Red heart shape exercise ball with doctor physician's stethoscope on blue background, hospital life insurance concept, world heart health day. doctor day Bild: AdobeStock, Urheber: chathuporn

Was bedeutet der Begriff ­«Primärprävention» im Gegensatz zur «Sekundärprävention»?

Damit meint man Prävention, bevor eine Erkrankung schon sehr weit fortgeschritten ist und schon Schaden angerichtet hat, wie zum Beispiel einen Herzinfarkt oder eine ganz schwere Einengung eines Blutgefässes.

Welche nichtmedikamentösen ­Massnahmen machen in der Primärprävention Sinn?

Sport, Sport und nochmals Sport, und natürlich aufhören zu rauchen, falls dies tatsächlich noch jemand tut. Zudem auf das Gewicht achten und auf die Ernährung.

Gibt es gute Gründe für den Einsatz von cholesterinsenkenden Medikamenten in der Primärprävention?

Absolut! Sogar sehr gute! Konkret geht es nur um etwas, das Statin. Dieses Medikament senkt das «böse» Cholesterin im Blut noch viel effizienter als die nicht-medikamentösen Massnahmen und hat zudem in mehreren grossen Untersuchungen bewiesen, dass es sehr sicher ist und das Risiko, dass ein Herzinfarkt und Schlaganfall in den nächsten Jahren auftritt, deutlich senken kann.

Welche Medikamente gelangen hier zum Einsatz?

Es gibt mehrere Statine. Alle sind mittlerweile auch als Generika und damit recht preiswert erhältlich.

Wie steht es mit der Verträglichkeit?

Sie ist exzellent.

Wie stark sollte man das Cholesterin in der Primärprävention senken?

Wahrscheinlich gilt hier, je niedriger das böse Cholesterin im Blut, umso besser.

Welche Patienten betrifft das?

Die Entscheidung zur Primärprävention ein Medikament einzusetzen, ist eine schwerwiegende, da hier ja eine noch gesunde Person oft für nicht nur Jahre, sondern Jahrzehnte ein Medikament einnehmen muss. Entsprechend sind die Empfehlungen der Fachgesellschaften nicht ganz einheitlich. Aus meiner Sicht: Alle Patienten mit Diabetes mellitus Typ II, alle zwischen 40 und 80 Jahren mit einem LDL-Cholesterin über 3 mmol/L oder über 2 mmol/L, wenn sie zusätzlich einen weiteren Risikofaktor haben, wie zum Beispiel eine arterielle Hypertonie.

Kriegt man das nicht auch durch eine Ernährungsumstellung hin?

Leider nein.

Professor Dr. Christian Müller
Leiter Stationäre Kardiologie und Cardio-
vascular Research Institute Basel (CRIB)
Universitäres Herzzentrum Basel