Jetzt kommt die Herzinsuffizienz-Epidemie

Die Angst vor Corona hat unter älteren Menschen dramatische Folgen. Sie getrauen sich kaum mehr zum Arzt, selbst wenn sie schwere Herz­symptome haben.

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Nicht das Coronavirus, sondern chronisches Herzversagen ist bei älteren Menschen der häufigste Grund für Spitaleinweisungen und verlorene Lebensjahre. Das Problem wird wegen der Alterung der Bevölkerung immer grösser. Bereits jeder zehnte Erwachsene über 80 leidet an Herzinsuffizienz. In den nächsten Jahren ist ein massiver Anstieg der Fälle zu erwarten. Verantwortlich für die epidemische Bedrohung ist vor allem die Zunahme von Übergewicht und Diabetes. Die Bedeutung des Diabetes für die Herzinsuffizienz ist immens. Bei Männern erhöht sich das Risiko an einer Herzinsuffizienz zu erkranken um das Zweifache, bei Frauen sogar um das Fünffache.

Wer an Herzschwäche erkrankt, hat schlechte Karten. Fast jeder Zweite stirbt innerhalb von fünf Jahren, wenn er nicht konsequent behandelt wird. Drei Viertel aller neu diagnostizierten Patienten müssen in den folgenden zwei Jahren stationär behandelt werden. Ein grosser Teil muss innerhalb kürzester Zeit nach der Entlassung erneut aufgenommen werden, besonders wenn regelmässige ambulante Kontrollen und eine kontinuierliche, leitliniengerechte Behandlung unterlassen werden. Bestehen weiterhin Symptome wie Atemnot, bedeutet das, dass die Therapie nicht ausreicht und deshalb unbedingt erweitert werden muss. Wenn das nicht geschieht, schreitet die Erkrankung unaufhaltsam voran.

Neues Behandlungsprinzip senkt Sterblichkeit

In den letzten Jahren gab es bedeutende Fortschritte in der Behandlung, sei das mit neuen Medikamenten, Schrittmachern oder Kunstherzen, die das Überleben verlängern. Ein neues duales Behandlungsprinzip mit zwei Wirkstoffen brachte einen Durchbruch. Die Sterblichkeit von Herzinsuffizienz-Patienten lässt sich damit in einem Ausmass senken, wie das bisher nicht möglich war.

Die neue Kombinationstherapie verbessert die Leistungsfähigkeit, reduziert die Anzahl Spitalaufenthalte infolge Herzinsuffizienz und erhöht die Überlebensrate der Patienten. Die europäischen Richtlinien empfehlen den Einsatz bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz, die trotz optimaler medikamentöser Standardtherapie noch Symptome haben.

Das Herz im Blick behalten, trotz oder gerade wegen Covid-19. Denn Menschen mit ungenügend oder schlecht behandelten Herz- und Gefässkrankheiten haben im Fall einer Ansteckung ein stark erhöhtes Risiko für einen schweren oder sogar tödlichen Verlauf.

Herzinsuffizienz – das müssen Sie wissen:

1. Mangelversorgung

Herzinsuffizienz liegt vor, wenn das Herz nicht mehr in der Lage ist, den Körper ausreichend mit Blut zu versorgen. Den Organen mangelt es an Sauerstoff und Nährstoffen. Auch kommt es zu einem Rückstau von Blut.

2. Atemnot

Menschen mit Herzinsuffizienz leiden an Kurzatmigkeit und fühlen sich schneller körperlich erschöpft. Die Symptome beginnen oft schleichend und sind zunächst wenig alarmierend. Schreitet die Krankheit fort, treten die Symptome schon in Ruhe auf. Für Herzinsuffizienz ist typisch, dass die Atemnot sich im Liegen verschlimmert, oft begleitet von Reizhusten. Dazu kommt häufiges Wasserlassen in der Nacht.

3. Ödeme

Patienten mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz klagen über dauernde Müdigkeit und Abgeschlagenheit. In den Füssen, an den Knöcheln und am Schienbein, aber auch im Bauch können Wassereinlagerungen auftreten. Das führt zu einer typischen Gewichtszunahme trotz Appetitlosigkeit.

4. Prognose

Herzinsuffizienz ist alles andere als harmlos. Sie ist auch keine unvermeidbare Alterserscheinung. Sie hat eine schlechtere Prognose als die meisten Krebserkrankungen.

5. Therapie

Die Symptome werden oft fehlgedeutet. Die Herzinsuffizienz verzeiht keine Behandlungsfehler. Bei Herzschwäche muss die Therapie so früh wie möglich begonnen und angepasst werden, bevor ein grösserer Schaden entstanden ist. Sonst sind die Aussichten ungünstig.

6. Sport

Viel Bewegung ist nicht nur zur Vorbeugung entscheidend, sondern auch zur Behandlung. Menschen mit Herzinsuffizienz, die regelmässig körperlich trainieren, leben nicht nur länger, sondern vor allem auch besser.

7. Selbstkontrolle

Wichtig bei Herzinsuffizienz ist die Selbstüberwachung durch tägliches Wiegen. Jeder Gewichtsanstieg ist verdächtig auf eine sich verschlechternde Herzfunktion­ und muss dem Arzt gemeldet werden. Unterbleibt dies, droht eine unter Umständen lebensgefährliche Entgleisung mit Spitaleinweisung.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 07.01.2021.

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