Kann Würgen erotisch sein?

zwei_haende_beruehren_sich_auf_bettlaken_thema_wuergen Bild AdobeStock Urheber Lightfield Studios

Eine australische Studie zeigte, dass Würgen beim Sex unter jungen Erwachsenen stark zugenommen hat. Mehr als die Hälfte der 4000 Befragten zwischen 18 und 35 Jahren berichtete, beim Sex schon einmal selber gewürgt zu haben oder gewürgt worden zu sein. Viele beginnen damit bereits zwischen 19 und 21 Jahren und kennen die Risiken nicht. 

In Pornos wird ein falsches Bild gezeigt

Sexualtherapeutin Sarah Graf bestätigt diese Entwicklung. «Pornografie ist einfach zugänglich und kann auch Atemkontrolleszenen zeigen. Diese sehen vermeidlich meist sehr lustvoll und sicher aus.» Junge Menschen übernähmen diese Darstellungen und glaubten, dass das zum Liebesspiel gehöre. «Kurz- oder auch langfristig kann das aber zu Hirnschäden führen. Dieser Gefahr sind sich viele nicht bewusst. Der Druck, den man ausübt, wenn man eine Cola-Dose öffnet, kann dabei bereits ausreichen.»

Würgen kann einen Kick auslösen

Sarah Graf erklärt, was der sexuelle Reiz des Würgens körperlich auslöst: «Weil die Sauerstoffzufuhr zum Gehirn reduziert wird, versucht der Körper das System runterzufahren und verlangsamt alles. Dadurch verändert sich die Wahrnehmung stark. Berührungen wirken intensiver, die emotionale Wirkung gesteigert. Dieser Rauschzustand kann ein Kick sein. Gleichzeitig ist es extrem schwierig, in solchen Ausnahmezuständen richtig zu kommunizieren oder Nein zu sagen.» Umso wichtiger sei es, sich genau abzusprechen und nur das zu tun, was beide wirklich wollen. «Dieser Konsens braucht regelmässige Pflege – ein einmaliges Gespräch zu Beginn einer Beziehung genügt nicht.» 

Es gibt sichere Alternativen

Die gewünschte emotionale Intensität kann auch anders erreichen werden. «Zum Beispiel mit ganz viel Verlangsamung, gegenseitigem Festhalten, Augenbinden, Rollenspielen oder indem man das Bett gegen einen anderen Ort austauscht. Ab und zu kann man seine Komfortzone beim Sex durchaus verlassen, das bringt Abwechslung, auch in einer jahrelangen Beziehung», erklärt Sarah Graf.

Sie brauchen Hilfe?

Erfahrungen mit Atemkontrolle ohne Zustimmung gelten als sexuelle Grenzverletzung und können stark verunsichern. Betroffene sind damit nicht allein und haben Anspruch auf vertrauliche, anonyme, kostenlose und professionelle Unterstützung. Hilfe gibt es bei der Beratungsstelle Opferhilfe.

Als Sexologin ist Sarah Graf Ansprechperson bei allen Themen rund um die Sexualität. Sie bietet individuelle Sexualberatung an.

Sarah Graf, Sexologin MA, Paartherapeutin, 
www.sarah-graf.ch