Leichtfertige Testosterontherapie

Bodybuilding in any age. Strong mature man in sportswear lifting heavy dumbbells and pumping his biceps while working out at gym Bild: AdobeStock, Urheber: Kostiantyn

Häufig erfolgt die Therapie aufgrund unspezifischer Beschwerden wie Müdigkeit, verminderter Leistungsfähigkeit oder Libidoverlust, obwohl die diagnostischen Kriterien nicht erfüllt sind.

Eine aktuelle Studie liefert nun Hinweise darauf, dass diese Entwicklung kritisch zu beurteilen ist. Männer, die Testosteron ohne nachgewiesenen Testosteronmangel erhalten, haben ein erhöhtes Herzkreislauf-Risiko. Mit längerer Therapiedauer zeigt sich zudem nach mehreren Jahren eine Zunahme der Gesamtmortalität. Die Ergebnisse unterstreichen, dass eine Testosteronbehandlung nicht als Anti-Aging- oder Lifestyle-Therapie betrachtet werden darf.

Ohne gesicherte Diagnose keine Therapie

Für die klinische Praxis bedeutet das: Vor einer Testosterontherapie müssen sowohl typische klinische Symptome als auch wiederholt erniedrigte morgendliche Testosteronwerte nachgewiesen werden. Liegt keine gesicherte Unterfunktion der männlichen Geschlechtsdrüsen vor, sollte von einer Testosteronsubstitution abgesehen werden. Patienten sind über den bislang unzureichend belegten Nutzen und die potenziellen Langzeitrisiken, insbesondere im Hinblick auf kardiovaskuläre Ereignisse und Mortalität, umfassend aufzuklären.

Die neuen Daten sprechen für eine fachlich fundierte Indikationsstellung und erinnern daran, dass auch eine vermeintlich harmlose Hormonsubstitution bei unzureichender Indikation relevante gesundheitliche Risiken mit sich bringen kann.