Liebe machen im Alter

Erotik wird zur Exotik. Die Liebe findet im Herzen statt und nicht mehr zwischen den Beinen. Ein offener und ehrlicher Bericht eines betagten Ehepaars.

Liebe im Alter
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Liebe machen. Das tönt nach aktiv sein. Ist es auch. Liebe machen ist jedoch weder eine Frage der Fitness noch des Alters. War es in der Vergangenheit nicht und wird es auch in Zukunft nicht sein. Es funktioniert einfach nicht! Da helfen selbst die ausgefallensten Ratschläge und Hilfsmittel nichts. Liebe kann man halt nicht machen. Liebe entspringt im Herzen und nicht im Orgasmus.

Als wir uns kennenlernten – wir beide waren bei Weitem nicht prüde und hatten schon einschlägige Erfahrungen –, stand nicht ein erotisches Bett-Erlebnis im Vordergrund, sondern unsere gegenseitige Herzenshaltung und Achtung, genannt Liebe.

Bewältigten wir in der Vergangenheit selbst schwerste Schicksalsschläge und konnten diese hinter uns lassen, stehen wir heute vor einer unabänderlichen Problematik: Unsere Jahre nehmen zu und damit auch die Alterswehwehchen, die wir eigentlich gar nicht mögen. Aber sich dagegen aufzulehnen, bringt ausser gewaltigem Frust nichts. Da gilt nur eines: akzeptieren. Oder sollen wir uns für den Rest unseres Lebens gegen einen unerfüllten Kinderwunsch oder Nebenwirkungen von Medikamenten auflehnen? Nein, kommt nicht in Frage.

In guten und in schlechten Zeiten

Zugegeben, das Älterwerden hat auch seine schönen Seiten: Man nimmt vieles gemächlicher. Man muss niemandem mehr etwas beweisen und kann nach Lust und Laune handeln – aber gerade letzteres nicht mehr in allen Belangen. Sagen wir es offen, worüber man nicht gerne spricht: Sexuelle Erlebnisse finden nur noch im Kopf und nicht mehr zwischen den Beinen statt. Erotik wird zur Exotik. Jetzt beweist sich, wie ehrlich vor fast 50 Jahren unser Heiratsversprechen am Traualtar war, in guten und in schlechten Zeiten zusammenzuhalten.

Nehmen wir’s lockerer

Vor Augen stehen und die biblischen Worte, die Hiob zu seiner Frau sagte: „Haben wir das Gute von Gott bekommen, sollten wir da nicht auch das Schlechte annehmen?“ Schlecht geht es uns trotz allem überhaupt nicht. Die ehelichen Pflichten sind keine Pflichten mehr, sondern eigentlich banale Liebesbezeugungen: ein wiederholtes „Ich liebe Dich!“, eine Streicheleinheit im Vorbeigehen, das Einschlafen Hand-in-Hand, ein erster Kuss nach dem Aufwachen, eine tröstende Umarmung sowie ein liebe- und verständnisvoller Umgang miteinander. Ganz generell nehmen wir’s einfach lockerer und nicht mehr so steif wie in jüngeren Jahren.

Auch den Humor und eine gesunde Ernährung wollen wir nicht vernachlässigen, denn Gesundheit kann man ebenso wenig machen wie die Liebe – aber auf sie achtgeben schon. Einer wichtigen Weisheit probieren wir auch noch nachzuleben: Lieber füreinander sorgen als für morgen.

 

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 02.05.2019.

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