Masernviren zerstören das immunologische Gedächtnis

Nach Masern folgt eine lange dauernde immunologische Amnesie. Die Viren zerstören Zellen, die für das Gedächtnis der Immunantwort verantwortlich sind und machen so anfällig für noch mehr Infektionen.

Masern
Bild: AdobeStock, Urheber: SecondSide

Nach einer Maserninfektion ist die Immunabwehr über Monate bis Jahre drastisch geschwächt, und zwar gegenüber allen Erregern. Die Masernviren dezimieren die Gedächtniszellen der Immunabwehr und löschen das Immungedächtnis, wie zwei Forschergruppen im Fachmagazin „Science“ berichten. Erreger werden nicht mehr erkannt und selbst der Immunschutz früherer Impfungen wird teilweise aufgehoben.

Keine harmlose Kinderkrankheit

Die Masern sind alles andere als eine harmlose Kinderkrankheit. Jedes Jahr sterben laut WHO 100.000 Menschen weltweit an dieser hochansteckenden Virusinfektion. Zudem können schwere Verläufe zu einer Gehirnentzündung führen, bei der geistige Behinderungen zurückbleiben.

Immer wieder beobachten Ärzte, dass Masernpatienten nach ihrer Genesung auffallend häufig an anderen Infektionen erkranken, sogar an solchen Krankheiten, gegen die sie eigentlich geimpft waren. Dass eine Maserninfektion das Immunsystem stark beeinträchtigt, konnten nun zwei Forschergruppen belegen, indem sie Blutproben von Schulkindern untersuchten.

Nach der Maserninfektion hatten die Kinder einen grossen Teil der spezifischen Antikörper verloren. Die grossen Lücken in ihrem Immunsystem hielten über mehrere Monate oder sogar noch länger an. „Damit sehen wir zum ersten Mal, dass die Masern das Immunsystem quasi zurücksetzen – auf das Stadium eines Säuglings“, sagte einer der Studienautoren.

Masernimpfung schützt auch vor anderen Infektionskrankheiten

Durch das Löschen von Abwehrinformationen verursachen die Masernviren eine immunologische Amnesie. Dabei geht selbst der Immunschutz durch frühere Impfungen – beispielsweise gegen Grippe –  wieder verloren. „Das Masernvirus ist weit schädlicher als uns klar war. Unsere Studie hat grosse Bedeutung für die öffentliche Gesundheit, denn sie zeigt, dass die Masernimpfung nicht nur vor dem Masernvirus schützt, sondern auch vor anderen Infektionskrankheiten.“

Nach Schätzungen der Forscher könnte eine flächendeckende Masernimpfung nicht nur die gut 100.000 jährlichen Maserntoten verhindern, sondern auch hunderttausende weitere Todesfälle, die durch die langanhaltende Immunschwäche verursacht wurden.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 28.11.2019.

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