Meetings sind Gift

Meetings sind ungesund, Folter und Zeitverschwendung. Das zeigen Umfragen. Trotzdem hinterfragt niemand die herrschende Besprechungskultur.

Meetings
Bild: AdobeStock, Urheber: Elnur

Ein Meeting jagt das andere. Ganze Tage gehen in der modernen Arbeitswelt dafür drauf. Wir reden mehr über Arbeit, als dass wir sie machen, oder wir nehmen sie am Abend nach Hause mit. Der Arbeitsalltag besteht für die meisten von uns inzwischen hauptsächlich aus Sitzungen – sorry Meetings – E-Mails und Projektrunden. Wir leiden am „collaborative overload“, der Überforderung durch Teamarbeit.

Verschwendung von Zeit, Geld und Mensch

Arbeitsmeetings sind verhasst und ineffizient, eine Alibi-Veranstaltung, eine Verschwendung von Zeit, Geld und Menschen. Eine grosse Konferenz am runden Tisch, und am Ende wird beschlossen, was der Chef oder der Bestverdienende in der Runde will. Und trotzdem werden die Meeting-Marathons in den Chefetagen wenig oder überhaupt nicht hinterfragt.

Europäische Büroangestellte verbringen im Schnitt 25 Stunden pro Monat in Meetings. Gemäss Umfragen werden sie mehrheitlich als ineffektiv empfunden. 80 Prozent geben an, dass sie an ihrem eigenen Arbeitsplatz produktiver sind. Mehr als die Hälfte beklagt, dass die Meetings meist nicht zu klaren Ergebnissen führen und langweilig sind. Es überrascht nicht, dass viele während Besprechungen anderes machen und Nachrichten an Freunde und Angehörige schreiben.

Eine Erklärung sind mangelnde Ideen und fehlende Flexibilität in den Unternehmen. Über drei Viertel der Arbeitnehmer geben an, dass sämtliche Besprechungen unabhängig vom Thema nach dem immer gleichen Schema ablaufen. Zudem stehen keine geeigneten Räume zur Verfügung, die für unterschiedliche Besprechungsformate passen. Zwei Drittel der Befragten stören sich daran, dass die Besprechungen steif und förmlich sind.

Meeting-Kultur verbessern

Die Diagnose ist eindeutig. Die Mehrheit der Unternehmen hat in Sachen Meeting-Kultur gewaltiges Verbesserungspotential. Es gibt einige wenige Firmen, die Ihre Besprechungs-Kultur fundamental geändert haben. Zum einen haben sie die Anzahl Meetings drastisch heruntergefahren, zum anderen werden sie im Stehen durchgeführt.

Stehen statt sitzen

Stehen hat eine komplett andere Qualität als Sitzen. Die Teilnehmer sind automatisch viel disziplinierter und aufmerksamer. Die Meetings werden auf einen Schlag viel kürzer und effizienter. Kommt dazu, dass durch weniger Sitzen einer der grössten Risikofaktoren für Übergewicht, Diabetes und Herzkreislauf-Erkrankungen eliminiert wird.

Wenn Kreativität und Teamgeist gefragt sind, gibt es geeignetere Formate als herkömmliche Meetings. Wie wär’s zum Beispiel mit einer Wanderung, einer Flussfahrt in einem Gummiboot oder einem Grill-Plausch über Mittag?

Die beste, radikalste Lösung wäre ohnehin, Meetings grundsätzlich abzuschaffen und es den Mitarbeitern zu überlassen, wie sie sich organisieren und miteinander kommunizieren. Dazu braucht es allerdings Chefs mit einem etwas grösseren Horizont als er an den Universitäten heute vermittelt wird.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 14.11.2019.

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