Mehr als nur die Atemwege

Lunge 3

Bald eine halbe Million Menschen in der Schweiz leiden an der Lungenkrankheit COPD. Die Abkürzung steht für den Fachausdruck Chronic Obstructive Pulmonary Desease. Die Betroffenen haben am Anfang oft nur am Morgen Husten mit Auswurf und Atemnot bei körperlichen Anstrengungen. Leider werden diese Symptome häufig als Raucherhusten abgetan, was sich verhängnisvoll auswirkt, weil so Lungengewebe unwiderruflich zerstört wird. Die Atemnot wird immer schlimmer, die Leistungsfähigkeit verschlechtert sich. Und es kommt zu schlimmen Krankheitsausbrüchen, den sogenannten Exazerbationen.

Heute weiss man, dass COPD weit mehr ist als nur eine Atemwegserkrankung. Mehr als die Hälfte der Betroffenen haben vier oder mehr ernste Begleiterkrankungen. Jeder zweite leidet an einer Störung des Zuckerstoffwechsels und Arteriosklerose. Die Hälfte der Patienten hat Bluthochdruck, mehr als ein Drittel zu hohe Cholesterinwerte. 30 Prozent eine Osteoporose. 28 Prozent leiden an Muskelschwund. Das sind alles Faktoren, die zu einer hohen Sterblichkeit beitragen. Für eine bessere Therapie und eine günstigere Prognose ist es deshalb wichtig, die Begleiterkrankungen rechtzeitig zu identifizieren und zu behandeln. Denn oft wird erst zu spät reagiert, wenn die Begleiterkrankungen schon ernste gesundheitliche Störungen verursachen.

Eine erfolgreiche Behandlung der COPD steht und fällt damit, wie sich Exazerbationen in den Griff bekommen oder noch besser verhindern lassen. Denn klar ist, dass sich der gesundheitliche Zustand von Patienten mit häufigen Exazerbationen rasch verschlechtert. Exazerbationen wirken sich extrem negativ auf den Gesundheitszustand aus. Wenn sie nicht rechtzeitig behandelt werden, erreichen die Patienten häufig nie wieder die Leistungsfähigkeit von vorher. Ein grosses Problem ist, dass die meisten Exazerbationen dem Arzt gar nicht gemeldet werden.

Bei der Behandlung steht der Rauchstopp an erster Stelle. Mindestens 70 Prozent der Raucher gehen jedes Jahr zum Arzt. Diese Chance muss sowohl der Arzt als auch der Patient nutzen. Therapeutisch ist die Kombination von Medikamenten und körperlichem Training am effektivsten. Bei den Medikamenten stehen langwirksame, Bronchien erweiternde Wirkstoffe, sogenannte Anticholinergika, im Vordergrund, die einmal täglich inhaliert werden und 24 Stunden wirken. Sie bilden den Eckpfeiler der COPD-Therapie und sollen möglichst früh eingesetzt werden, um Exazerbationen zu vermeiden. Wichtig sind weiter die Schulung der Patienten im Umgang mit der Krankheit sowie körperliches Training, das die geschwächte Atemmuskulatur mit einbezieht.

Neun von zehn Erkrankten sind Raucher oder Ex-Raucher. COPD lässt sich nicht heilen, aber durch eine möglichst frühe und wirksame Therapie aufhalten. Deshalb sollte man sich beim Auftreten von Atemnot, Husten und Auswurf gründlich untersuchen lassen. Erste Hinweise liefert der Online-Risikotest der Lungenliga: www.lungenliga.ch/copd. Raucherinnen und Raucher über 45 sollten zudem beim Hausarzt ihre Lungenfunktion messen lassen. Der Test ist einfach, rasch und schmerzlos und für alle Menschen mit Atembeschwerden sinnvoll. Es gibt immer noch zu viele Personen, bei denen die COPD viel zu spät oder überhaupt nicht diagnostiziert wird.