Welche Fussverletzungen behandeln Sie am häufigsten?
Ganz klar verstauchte Sprunggelenke. Diese muss man aber in etwa 95 Prozent der Fälle nicht operieren.
Auch nicht, wenn die Bänder gerissen sind?
Ein Aussenbandriss heilt in der Regel ohne Operation. Zunächst setzen wir konsequent auf konservative Therapien. Erst wenn diese nicht greifen, kommt im Falle einer andauernden chronischen Instabilität ein Eingriff infrage.
Welche konservativen Möglichkeiten gibt es?
Beim Bänderriss sollte man erstmal etwa eine Woche schonen, kühlen und hochlagern. Das ist ganz wichtig und wird oft unterschätzt. Es hilft, wenn man eine stabilisierende Bandage anlegt. Auch wichtig ist, dass man relativ früh mit der Physiotherapie beginnt. Diese frühfunktionale Nachbehandlung mit Kraft- und Stabilisationstraining ist langfristig wirksam.
Wie lange dauert die Physiotherapie?
In der Regel etwa sechs bis zwölf Wochen. Die meisten Patienten sind aber nach vier bis sechs Wochen im Alltag wieder voll belastbar.
Wie sieht es bei den Fusserkrankungen aus. Welche ist da die häufigste?
Der Hallux valgus.
Aber dagegen könnte man ja etwas tun, oder?
Sie meinen, keine engen Schuhe anziehen?
Genau!
Das ist wahrscheinlich ein Irrtum. In den meisten Fällen ist ein Hallux valgus genetisch bedingt. Man erbt ihn von den Eltern, manchmal wird auch eine Genration übersprungen. Bei einer Veranlagung kann das Schuhwerk den Prozess aber vermutlich begünstigen.
Was sind die Symptome?
Neben dem sichtbaren Schiefstand des grossen Zehs können auch Schmerzen auftreten, die teils zu grossen Einschränkungen führen.
Was hilft?
Der Hallux valgus ist einer der wenigen Fälle, bei denen nur eine Operation wirklich hilft. Man operiert dann, wenn der Leidensdruck der Patienten einen Eingriff erfordert. Das kann auch der Fall sein, wenn einem keine Schuhe mehr passen. Um einen Hallux valgus zu operieren, gibt es verschiedene Techniken. Diese variieren je nach Schweregrad. Wir bevorzugen in der Regel ein offenes Verfahren mit einem Hautschnitt von drei bis vier Zentimetern.
Operieren Sie sonst aber auch minimal-invasiv?
Ja, sehr oft. Zum Beispiel beim Achillessehnenriss. Den sehen wir sehr häufig. In den letzten Jahren hat es sich etabliert, eher proaktiv zu operieren. Neuere Studien zeigen, dass man dank einem Eingriff das Risiko eines erneuten Risses reduzieren kann. Ansonsten führen wir viele Eingriffe am Sprunggelenk, Rückfuss und an Sehnen erfolgreich minimal-invasiv durch.
Erfolgreich sind Sie auch mit der Knorpelchips-Implantation. Was genau ist das?
Genau, diese Technik ist in der Fuss- und Sprunggelenkchirurgie relativ neu, und wir gehören zu den wenigen Kliniken in der Schweiz, die sie anbieten. Wir setzen sie bei Knorpelschäden am Sprunggelenk ein. Dabei werden körpereigene Knorpelzellen entnommen, zerkleinert und mit eigenem Blutplasma vermischt. Diese Mischung implantieren wir dann wieder minimal-invasiv in die Knorpeldefektzone. Das funktioniert sehr gut.
Gibt es eine Altersgrenze für Fussoperationen?
Nein, wenn man sich fit fühlt und durch Beschwerden relevant eingeschränkt ist, lohnt sich eine Operation unabhängig des Alters. Wenn eine 85-jährige Person wegen eines Hallux valgus nicht mehr wandern geht, kann auch hier eine OP in Erwägung gezogen werden.
Fussoperationen haben einen schlechten Ruf, weil sie als sehr schmerzhaft gelten. Stimmt das?
Erhebliche Schmerzen nach Operationen spielen dank langwirkender örtlicher Betäubung heute keine grosse Rolle mehr. Die allermeisten Fussoperationen an der Schulthess Klinik werden lediglich in einer Anästhesie des Fusses durchgeführt. Vollnarkosen sind nur noch in Ausnahmefällen nötig. Die grösste Einschränkung für die Patienten ist daher nicht die OP selber, sondern die eher langwierige Nachbehandlung. Die erste Woche sollte konsequent hochgelagert werden. Im Anschluss muss der Fuss bis zur Abheilung geschont werden. Diese Zeit variiert natürlich je nach Eingriff. Die schmerzvollste postoperative Phase ist sicher während der ersten 36 Stunden. Diese wird durch die langwirkende Betäubung mit Lokalanästhesie aber sehr gut überbrückt.
Aber die Heilung zieht sich nach wie vor hin?
Ja. Das Besondere an der Fusschirurgie ist, dass der operierte Körperteil im Alltag ständig belastet wird. Deshalb ist es so wichtig, dass man sich die ersten ein bis zwei Wochen schont und den Fuss so viel wie möglich hochlagert. Das braucht etwas Geduld, lohnt sich aber in jedem Fall.
In der Schulthess Klinik sind alle willkommen!
Viele gehen davon aus, die Schulthess Klinik sei eine private Einrichtung. Tatsächlich ist sie seit 1935 eine gemeinnützige Stiftung und steht allen Patienten und Patientinnen offen – unabhängig von der Versicherungsklasse. Die Abteilung Fusschirurgie der Schulthess Klinik ist eines der grössten Fusszentren in Europa und konzentriert sich ausschliesslich auf die Behandlung von Erkrankungen und Verletzungen des Fusses und des Sprunggelenks. Vier Chirurgen aus dem zehnköpfigen Ärzteteam operieren pro Jahr rund 1900 Füsse, darunter über 500 Hallux valgus. Mit über 1400 stationären Patienten geniesst das Kompetenzzentrum bei Hausärzten und Fachärzten ein sehr hohes Ansehen.
Mehr Infos unter
www.schulthess-klinik.ch/de/fachbereich/fusschirurgie
