Mit Bewegung Migräne wirksam vorbeugen

Mann mit Kopfschmerzen Bild: AdobeStock, Urheber: lassedesignen

Mehr als die Hälfte der Patientinnen mit Migräne ist mit der momentanen medikamentösen Behandlung unzufrieden. Jede achte Person berichtet zudem über einen übermässigen Gebrauch von Medikamenten. Viele wünschen sich deshalb alternative Behandlungsmethoden.

Eine wirksame und kostengünstige Alternative ist regelmässige Bewegung. Zur Prävention von Migräneattacken kann sie genauso effektiv sein wie die Einnahme von Medikamenten. In einer Studie in Schweden mussten 91 Patientinnen mit Migräne entweder 3 Monate lang an drei Tagen pro Woche 40 Minuten bei mittlerer Intensität Velofahren oder täglich ein Medikament zur Vorbeugung einnehmen.

Bewegung und das Medikament waren gleich effektiv. Beide Gruppen konnten die durchschnittliche Anzahl von monatlichen Migräneattacken von 4 auf 3 reduzieren, was eine Reduktion um 25 Prozent bedeutet.

Sport kann Begleitsymptome lindern

Bewegung wirkt zur Vorbeugung also wie Medizin. Ein zusätzlicher Vorteil: Velofahren führte zu einer messbaren Steigerung der Fitness, was wiederum andere Begleitsymptome von Migräne bessern kann, wie Übergewicht, Bluthochdruck, depressive Symptome sowie Angst- und Schlafprobleme. Ein Drittel der Teilnehmenden der Medikamentengruppe berichtete hingegen über unerwünschte Nebenwirkungen, wie Müdigkeit, depressive Stimmung und Schwindel.

Eine Zusammenfassung von sechs Studien mit insgesamt 357 Patientinnen berichtet über eine Verringerung von Migräneattacken, Schmerzintensität und Schmerzdauer nach mehrwöchigem Ausdauertraining. Die schmerzlindernde Wirkung tritt in Studien meist nach 2 bis 3 Monaten zügigen Gehens, Joggens oder Velofahrens bei mittlerer Intensität auf. Mittlere Intensität bedeutet eine Belastung, bei der die Atmung und Herzfrequenz deutlich erhöht sind, man aber noch sprechen kann. In den Studien fand das 30- bis 60-minütige Training meist an rund drei Tagen pro Woche statt.

Yoga und Ausdauersport

Wirken auch andere Sportarten? Eine Analyse von 28 Studien mit 1501 Patientinnen kommt zum Schluss, dass Yoga zur Vorbeugung von Migräneattacken ähnlich effektiv ist wie Ausdauersportarten. Praktisch relevant ist, dass sich die beiden Bewegungsformen sinnvoll ergänzen. Yoga kann insbesondere die Schmerzintensität reduzieren, während Ausdauersport die Schmerzdauer verkürzen kann.

Krafttraining kann ebenfalls effektiv sein, obwohl dazu bislang nur wenige Studien vorliegen. Die vorhandenen drei Studien zeigen jedoch eine ähnliche Reduktion der Migräneattacken wie Ausdauertraining bei mittlerer oder hoher Intensität. Eine Kombination von Ausdauer, Kraft und Entspannungsübungen wie Yoga könnte deshalb zur Migräneprävention besonders wirksam sein, da sich die zugrunde liegenden Wirkmechanismen vermutlich ergänzen.

Angst vor Auslösern

Trotz der positiven Datenlage bewegen sich viele Menschen nicht, aus Angst, eine Migräneattacke zu verursachen. Auch wenn Bewegung in einzelnen Fällen eine Migräneattacke auslösen kann, überwiegt insgesamt der präventive Effekt . Bei Unsicherheit wird empfohlen, sich bei leichter bis mittlerer Intensität zu bewegen und auf ausreichende Erholung zu achten. Wenn Bewegung als Auslöser beschrieben wird, betrifft dies eher höhere Intensitäten.

Fazit

Bewegung wirkt präventiv gegen Migräneattacken und reduziert sowohl Schmerzdauer als auch -intensität. Ausdauersportarten wie zügiges Gehen, Joggen und Velofahren, Krafttraining sowie Entspannungsübungen sind besonders geeignet und lassen sich gut kombinieren. Verschiedene Bewegungsformen wirken vermutlich ergänzend, unter anderem über die Ausschüttung schmerzlindernder Botenstoffe, den Abbau von Stress sowie Anpassungen des Muskel- und Nervensystems.