Mythos oder Medizin

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Bei Erkältungen hilft Vitamin C. Das weiss doch jedes Kind. Aber stimmt es auch? Gewisse Regeln kursieren schon so lange, dass sie gar nicht mehr hinterfragt werden. Wir machen den Check. 

An apple a day keeps the doctor away

Apfel und Stethoskop zum Thema Mythos oder Medizin

Der Spruch hat einen wahren Kern: Wer regelmässig Äpfel isst, hat ein geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, das zeigen Studien. Denn Äpfel liefern Ballaststoffe, Vitamin C, Kalium und Polyphenole. 

Fazit: Natürlich ersetzt ein täglicher Apfel niemals den Besuch bei einem Arzt oder einer Ärztin, trotzdem liefert er einen Beitrag für unsere Gesundheit. 

Ein Glas Rotwein täglich ist gesund

Rotwein enthält zwar antioxidative Stoffe wie Resveratrol, doch das Gesundheitsrisiko durch Alkohol überwiegt den Nutzen. 

Fazit: Ganz klar ein Mythos. So ergab eine Analyse der UK-Datenbank, dass der Konsum von geringen Alkoholmengen nicht etwa, wie man lange geglaubt hat, der Gesundheit förderlich ist, sondern im Gegenteil, die allgemeine Mortalität und das Risiko für einen Krebstod signifikant erhöht.

Vitamin C schützt vor Erkältungen

Die Annahme, dass Vitamin C vor einer Erkältung schützt, stammt vor allem aus den 1970er-Jahren und wurde stark durch den Chemie-Nobelpreisträger Linus Pauling geprägt. Er empfahl hohe Dosen Vitamin C zur Vorbeugung und Behandlung von Erkältungen. 

Fazit: Stimmt nicht ganz. Vitamin C kann lediglich den Verlauf einer Erkältung verkürzen. Aber nur, wenn es regelmässig eingenommen wird.  

Karotten sind gut für die Augen

Karotten enthalten Beta-Carotin, eine Vorstufe von Vitamin A. Dieser Nährstoff ist tatsächlich wichtig für die Gesundheit der Augen, insbesondere für die Netzhaut und das Dämmerungssehen. Der Körper wandelt Beta-Carotin bei Bedarf in Vitamin A um. Ein Mangel an Vitamin A kann zu Nachtblindheit und im Extremfall zu schweren Augenerkrankungen führen.

Fazit:
Karotten unterstützen die Sehkraft nur dann, wenn tatsächlich ein Mangel an Vitamin A vorliegt. In gut versorgten Bevölkerungen ist der Effekt begrenzt. Die Aussage ist daher nur bedingt richtig.

Warme Milch hilft beim Einschlafen

Warme Milch gilt als klassisches Einschlafmittel. Häufig genannt wird der Inhaltsstoff Tryptophan, der an der Bildung von Melatonin beteiligt ist. Auch die Wärme und die Routine spielen eine Rolle.

Fazit: Der tatsächliche Effekt ist wissenschaftlich nur teilweise belegt. Sicher ist, dass Tryptophan eine Vorstufe von Melatonin ist und deshalb den Schlaf fördern kann. Jedoch liefert Milch nur eine geringe Menge, die allein meist nicht ausreichen, um den Melatoninspiegel messbar zu erhöhen.

Spinat liefert viel Eisen

Der Glaube, Spinat sei besonders eisenreich, geht auf einen historischen Rechenfehler zurück. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Eisengehalt in getrocknetem Spinat gemessen und fälschlich auf frischen Spinat übertragen. Die so entstandene Zahl lag etwa zehnmal zu hoch.

Fazit: Spinat ist nährstoffreich aber kein Eisenwunder.