Nackt vor dem Spiegel

Jolanda Rüttimann 2 klein

Vielleicht erinnern Sie sich an mich. Ich bin 42 Jahre alt und habe praktisch jede Diät und jedes Mahlzeitenersatzprodukt ausprobiert. Die Erfolge waren nur kurzfristig. Dann liess ich mich einer Magenband- und einer Magenbypass-Operation unterziehen. Anfänglich nahm ich stark ab, dann aber leider wieder zu, weil mir zu spät bewusst wurde, dass auch ich etwas tun muss, um das Gewicht behalten zu können.

Wenn ich etwas im Leben oder an meinen Lebensgewohnheiten ändern will, muss ich mich zuerst einmal nackt vor den Spiegel stellen und mein Verhalten analysieren. Nur so kann ich feststellen, wo ich Fehler gemacht habe und wie ich diese ändern kann. Wenn mir jemand sagt, er habe die Veranlagung in der Familie für Übergewicht, kann ich das nicht mehr ernst nehmen. Das ist nur eine Ausrede. Ich selber habe diese Ausrede einige Zeit gebraucht. Jetzt weiss ich, dass ich für mein Übergewicht selber verantwortlich bin. Diese Einsicht ist der Grundstein für jede Veränderung.

Mein letztes Highlight erlebte ich, als ich aus den Ferien von Spanien kam. Während der Heimreise im Car überlegte ich schon, wie viel ich wohl zugenommen habe. Als ich zu Hause auf die Waage stand,  benahm ich mich wie in einem Trickfilm. Ich stand auf die Waage, schaute auf die Anzeige und traute meinen Augen kaum. Ich ging von der Waage weg und betrat sie auf ein Neues… es war tatsächlich so, ich konnte in meinen Ferien mein Gewicht um sage und schreibe 2 Kg nach unten korrigieren.

Es gibt immer wieder Momente, in denen ich fast verzweifle, weil ich fast kein Gewicht verliere. Aber wenn ich dann ganz tief in mich hineinhöre und fühle, wird mir bewusst, dass sich mein Körper zurückbildet, aber ich es zurzeit auf der Waage einfach nicht sehe. Es ist nicht immer einfach , sich in solchen Situationen im Griff zu haben. Ich habe immer wieder grosses Verlangen nach Schokolade. Leider kann ich nicht immer widerstehen. Aber ich arbeite daran, dass es nicht wieder im unkontrollierten Verzehr endet.

Ich gehe zur Zeit 2 bis 3 mal pro Woche ins Fitness und zusätzlich einmal  ins Bokwa. Es gibt Tage, da hadere ich sehr mit mir, wenn ich nicht regelmässig Sport machen kann. Ich bin in der letzten Zeit immer wieder beschäftigt mit meinem Nebenamt im Ski-Club. Die täglichen Bewegungseinheiten im Alltag habe ich verinnerlicht, und seit letzten Oktober gibt es zum Frühstück unter der Woche nur noch Müsli. Das Sättigungsgefühl ist schon besser bis zur Mittagspause, als ich mich nur mit dunklem Brot am Morgen stärkte.

Bis zum Frühling möchte ich endlich die 110kg-Marke unterschreiten. Ich bin jetzt 115 Kg und habe letzten Juni mit 122 Kg mein Leben wieder neu organisiert.