Neue Therapie gegen Multiple Sklerose

Für Menschen mit MS gibt es jetzt eine orale Kurzzeittherapie mit langer Wirkung, die auf weisse Blutkörperchen abzielt, welche beim Krankheitsgeschehen eine zentrale Rolle spielen.

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Die Möglichkeiten zur Behandlung von Multipler Sklerose, von der in der Schweiz um die 15’000 Menschen betroffen sind, werden immer grösser. Neuste Option für Patienten mit hochaktiver schubförmiger MS ist eine Immuntherapie in Form von Tabletten, die über einen Zeitraum von zwei Jahren in nur vier kurzen Zyklen eingenommen werden. In den folgenden zwei Jahren erübrigt sich eine Behandlung. Man vermutet, dass die Wirkung sogar noch länger als vier Jahre anhält.

Immunsystem sortiert sich neu

Der Wirkstoff unterbricht Immunreaktionen, die eine zentrale Rolle bei MS spielen. Nach jeder Einnahmephase erholen sich die Lymphozyten wieder. Jedoch scheint sich deren Zusammensetzung zu verändern. Das Immunsystem sortiert sich quasi neu. Man nennt dies selektive Immun-Rekonstitutions-Therapie. Andere Immun- und Körperzellen werden kaum beeinträchtigt. Die neue Therapie konnte in Studien bei der Mehrzahl der Patienten die Krankheitsaktivität verhindern. Bei der mittlerweile über acht Jahre dauernden Beobachtung der Substanz zeigten sich insgesamt wenig Nebenwirkungen.

Einfache Einnahme und gute Wirkung

Experten sind überzeugt, dass die neue Therapie die Behandlung von MS weiter erleichtern wird. Die Einfachheit der Einnahme ist neben der guten Wirkung ein wichtiges Argument. Grössere Therapiefreiheit und mehr Lebensqualität sind das Ziel. Die Betroffenen werden nicht mehr ständig an ihre Krankheit erinnert. „Meine MS ist zum Vergessen. Sie hat keinen Raum mehr in meinem Leben.“ So äusserst das ein Patient treffend.

Frühbehandlung ist wichtig

Die neue Therapie ist ein weiterer Meilenstein auf dem Weg, MS zu einer behandelbaren Krankheit zu machen. Weil die ersten Jahre darüber entscheiden, wie sie später verläuft, ist eine konsequente, massgeschneiderte Frühbehandlung wichtig. Die Schübe sind dabei nur der sichtbare Teil des Krankheitsgeschehens. Mit den modernen Immuntherapien geht es darum, die unsichtbaren Entzündungsprozesse zu unterbinden und das Fortschreiten der Erkrankung zu stoppen.

MS NeurozentrumBellevue Office 073
Prof. Dr. med. Adam Czaplinski, Neurozentrum Bellevue in Zürich

Prof. Adam Czaplinski vom Neurozentrum Bellevue in Zürich spricht von einer vielversprechenden Immuntherapie und wertvollen Erweiterung der bisherigen Optionen: „Für viele MS-Patienten ist es ein innovatives und relativ einfaches Verabreichungskonzept. Sie können über einen längeren Zeitraum von der Behandlung profitieren, ohne kontinuierlich Medikamente einzunehmen oder sich häufigen Kontrolluntersuchungen unterziehen zu müssen.“

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 05.09.2019.

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