Probleme ohne Ende

3D illustration of the human digestive system with the intestines highlighted in red. Bild: AdobeStock, Urheber: StudioBackground

Der Enddarm bei einem erwachsenen Menschen ist ungefähr 20 Zentimeter lang. Auf diesem kurzen Abschnitt kann es zu erstaunlich vielen Krankheiten kommen. Das medizinische Fachgebiet dazu nennt sich Proktologie. Beim Wort Enddarmerkrankungen denken die meisten an Hämorrhoiden. Die sind zwar sehr häufig, aber vor allem akute Beschwerden haben oft andere Ursachen. Je früher behandelt wird, desto grösser sind die Heilungschancen.

Hämorrhoidalleiden

Hämorrhoiden sind eigentlich ganz normale, gut durchblutete Gefässpolster am Ausgang des Afters, die zur Abdichtung beitragen. Von einer Erkrankung spricht man, wenn sich die Hämorrhoi­den vergrössern und entzünden.

Symptome: Blutungen, oft hellrot, Juckreiz, Brennen, Nässen, Fremdkörpergefühl oder Vorwölbung, Schmerzen sind eher selten.­

Abklärung: Anamnese, Enddarmuntersuchung mit Inspektion und Palpa­tion des Afters, eventuell Enddarm- oder Mastdarmspiegelung.

Therapie: konservative Behandlung durch eine ballaststoffreiche Ernährung, ausreichend Flüssigkeit, Salben und Zäpfchen zur Linderung der Symp­tome, Sitzbäder.

Minimal-invasiv durch Verödung, Gummibandligatur, Infrarotkoagulation oder Radiofrequenzablation.

Operativ durch Entfernung der Hämorrhoiden oder Ausstanzen der Schleimhaut.

Hämorrhoidalthrombose

Blutgerinnsel in einem äusseren Hämorrhoidalgefäss.

Symptome: plötzlich auftretender starker Schmerz und eine tastbare, prall gefüllte bläuliche Schwellung am After.

Therapie: konservativ durch Schmerzmittel, Kühlung, lokal aufgetragene Salben.

In der Frühphase wird die Thrombose durch einen Schnitt angeschnitten und der für die Schmerzen verantwortliche Blutkoagel entfernt.

Analfissur

Fissuren sind Einrisse in der Schleimhaut des Analkanals, meist in der hinteren Mittellinie.

Symptome: starke, stechende Schmerzen während und nach dem Stuhlgang, oft begleitet von hellroten Blutungen.

Abklärung: Anamnese, Inspektion des Afters.

Therapie: konservativ durch schmerzlindernde oder antientzündliche Salben, Sitzbäder, Stuhlregulation. Oft werden auch Botulinum-Injektionen zur Entspannung des Schliessmuskels eingesetzt.

Operativ wird die Fissur herausgeschnitten.

Analfistel

Entzündung der Schleimhaut im Mastdarm oder im After. Es bildet sich ein unnatürlicher Gang zwischen dem Analkanal oder Rektum und der Haut um den After. Fisteln entstehen oft nach einem Analabszess.

Symptome: wiederkehrende Schwellungen und Schmerzen um den After, Eitersekretion, Juckreiz.

Abklärung: Anamnese, Enddarmuntersuchung, anale Sonographie oder MRT-Darstellung.

Therapie: in der Regel operativ. Ziel ist die Entfernung des Fistelgangs unter Schonung des Schliessmuskels, um eine Stuhlinkontinenz zu vermeiden. Verschiedene Operationstechniken sind möglich.

Anale Stuhlinkontinenz

Der ungewollte Stuhl- und Gasabgang ist häufiger als angenommen wird. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.

Ursachen: Schädigung des Schliessmuskels nach Operationen oder Geburten, Nervenschäden, Erkrankungen des Enddarms oder des Beckenbodens, chronische Verstopfung mit Überlauf­inkontinenz.

Abklärung: Anamnese, Enddarmuntersuchung, Messung der Schliessmuskeldrücke und Sensibilität des Rektums, Ultraschall des Analkanals und des Schliessmuskels, eventuell neurologische Untersuchung.

Therapie: konservativ durch Beckenboden- oder Biofeedback-Training, Medikamente zur Stärkung der Muskeln, Medikamente zur Stuhlregulation, gegebenenfalls Ernährungsumstellung. Hohe Erfolgsrate durch sakrale Nervenstimulation.

Analkondylome

Virusbedingte gutartige Wucherungen im Bereich des Afters und des Analkanals können zu Analkrebs führen.

Symptome: Juckreiz, Fremdkörpergefühl.

Therapie: lokal angewendete Medikamente, Vereisung, Laser.

Operative Entfernung.

Dr. Andreas Müller, Facharzt für Gastroenterologie/Proktologie
am GastroZentrum Hirslanden in Zürich.

Analkrämpfe

Schmerzhafte Muskelkrämpfe im Bereich des Afters.

Symptome: krampfartige Schmerzen,­ die nur kurz anhalten. Manchmal kommt es zu Schwindel, Übelkeit oder Schweissausbrüchen. Bei den chronischen Analkrämpfen verspannt sich der Muskel bei der Entleerung statt sich zu entspannen.

Abklärung: Anamnese, Enddarmuntersuchung zum Ausschluss anderer ­Ursachen.

Therapie: oft keine spezifische Therapie notwendig. Wärme, Entspannungsübungen mit Biofeedback, Behandlung mit Kalzium-Antagonist-Crème führt ­lokal zur Entspannung.

Analkarzinom

Ein seltener, bösartiger Tumor im Bereich des Analkanals oder des Afterrandes. Als Hauptursache gilt die Infektion mit dem Humanen Papillomavirus.

Symptome: Blutungen, Schmerzen, Juckreiz, tastbare Schwellung, veränderte Stuhlgewohnheiten. Oft werden die Symptome anderen, harmloseren Erkrankungen zugeschrieben.

Abklärung: Anamnese, Enddarmuntersuchung, Biopsie, Endosonographie, CT oder MRT.

Therapie: Abhängig vom Stadium der Erkrankung. Oft eine Kombination aus Operation, Strahlentherapie und Chemotherapie.

Chronische Verstopfung

Seltener und harter Stuhlgang, oft verbunden mit starkem Pressen und einem Gefühl der unvollständigen Entleerung.

Ursachen: ballaststoffarme Ernährung, zu wenig Flüssigkeitsaufnahme, Bewegungsmangel, Medikamente, Reizdarmsyndrom, organische Erkrankungen.

Abklärung: Anamnese, körperliche Untersuchung, eventuell Stuhlabklärung, Darmspiegelung, anorektale Manometrie (Drucksensor im Anus), Transitzeitmessung.

Therapie: Umstellung auf ballaststoffreiche Ernährung, ausreichend trinken, regelmässige Bewegung, Quellmittel, Abführmittel, Medikamente, welche die Beweglichkeit des Magen-Darm-Trakts fördern, Biofeedback. 

Entzündungen der ­Rektumschleimhaut

Ursache: Eine Proktitis wird oft verursacht durch Infektionen mit Bakterien, Viren oder Pilzen, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie zum Beispiel Morbus Crohn, Colitis ulcerosa.

Symptome: Schmerzen, Rötung, Schwellung, Juckreiz, eventuell Fieber.

Abklärung: Anamnese, körperliche Untersuchung, Enddarm- und Mastdarm­untersuchung, eventuell Biopsie, Stuhl­untersuchung.

Therapie: abhängig von der Ursache, Antibiotika, Antimykotika, entzündungshemmende Medikamente, spezifische Therapien bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen.

Rektumkarzinom

Diejenigen Dickdarmkarzinome, die sich in den letzten 20 Zentimetern des Dickdarms befinden, nennt man Rektumkarzinome, weltweit eines der häufigsten Karzinome.

Symptome: Blut im Stuhl, Stuhlgangunregelmässigkeiten, Verstopfung, Durchfall oder Gefühl der unvollständigen Entleerung.

Abklärung: Endoskopie, Biopsie, Histologie. Wichtig: Bei familiärer Belastung, frühzeitige Endoskopie ab dem 45. Lebensjahr, sonst präventive Kolo­skopie spätestens ab dem 50. Lebensjahr.

Therapie: vielfältig, in gewissen Stadien Lokaltherapie möglich, Radio- und Chemotherapie, Immuntherapie, operativ.

Fazit

Der After ist kein Tabu-Thema. Bei Beschwerden sollten Patienten oder Patientinnen sich beim Arzt melden. Meistens können wir helfen, je früher desto besser.

Weitere Informationen

GastroZentrum Hirslanden
Witellikerstrasse 40
8032 Zürich

Telefon 044 387 39 55

[email protected]
www.gastrozentrum.ch