Richtig essen mit der Spritze

Concept of losing weight with Ozempic. High quality photo Bild: AdobeStock, Urheber: Kassandra-scaled

Neue Medikamente haben die Gewichtsreduktion grundlegend verändert. Sie können das Hungergefühl massiv reduzieren und zu einer erheblichen Gewichtsabnahme führen. Damit verändert sich auch die Ernährung. Viele Patientinnen und Patienten berichten bereits nach kurzer Zeit von deutlich weniger Appetit, einem früher eintretenden Sättigungsgefühl oder einer veränderten Vorliebe für bestimmte Lebensmittel. Hinzu kommen bei einem Teil der Behandelten Übelkeit, Völlegefühl, Verstopfung, Durchfall und Erbrechen.

Das ist der springende Punkt. Wenn der Appetit stark zurückgeht, sollte nicht einfach möglichst wenig gegessen werden. Entscheidend ist vielmehr, dass die verbleibende Nahrung möglichst viele lebenswichtige Nährstoffe liefert. Deshalb braucht es eine begleitende Ernährungsberatung. Sonst besteht die Gefahr, dass neben Fettgewebe auch fettfreie Körpermasse verloren geht und die Versorgung mit Protein, Vitaminen, Mineralstoffen, Ballaststoffen und Flüssigkeit schwieriger wird. Neuere Studien weisen deshalb ausdrücklich auf das Risiko einer unzureichenden Nährstoffzufuhr hin. Besonders relevant sind dabei die Erhaltung der Muskelmasse und die Vermeidung von Mikronährstoffmängeln.

Protein

Beim Gewichtsverlust wird nicht ausschliesslich Körperfett abgebaut. Auch fettfreie Körpermasse, zu der insbesondere die Muskulatur gehört, kann abnehmen. Eine ausreichende Proteinzufuhr und regelmässiges Krafttraining sind deshalb wichtig.

Portionengrösse

Wenn der Appetit deutlich reduziert ist, ist die klassische Vorstellung von drei grossen Hauptmahlzeiten ungeeignet. Besser verträglich sind mehrere kleine Mahlzeiten. Lebensmittel mit einer hohen Nährstoffdichte sollten dabei bevorzugt werden.

Gemüse, Obst und Ballaststoffe

Wenn Betroffene sehr kleine Mengen essen, verzehren sie automatisch weniger Gemüse, Obst und Vollkornprodukte. Damit sinkt die Ballaststoffzufuhr. Gleichzeitig kann die verringerte Nahrungsaufnahme zusammen mit einer unzureichenden Flüssigkeitszufuhr Verstopfung begünstigen.

Trinken

Wer deutlich weniger isst, nimmt gleichzeitig weniger Flüssigkeit über Lebensmittel auf. Bei Übelkeit, Durchfall oder Erbrechen kann zusätzlich Flüssigkeit verloren gehen. Regelmässiges Trinken ist deshalb wichtig. Wasser und ungesüsste Getränke sind die beste Wahl.

Übelkeit

Bei Erbrechen, Durchfall, Verstopfung und Völlegefühl sind diese Massnahmen hilfreich:

  • kleinere Portionen essen
  • langsam essen und gründlich kauen
  • sehr grosse Mahlzeiten vermeiden
  • besonders fettreiche Mahlzeiten reduzieren
  • Alkohol möglichst vermeiden
  • ausreichend trinken, aber grosse Trinkmengen direkt zu einer Mahlzeit vermeiden, wenn dies Beschwerden verstärkt
  • Lebensmittel wählen, die individuell gut verträglich sind.

Verstopfung

Hier helfen Flüssigkeit, Ballaststoffe und Bewegung. Trinken Sie regelmässig über den ganzen Tag, essen Sie Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte und bewegen Sie sich mehr. Körperliche Aktivität unterstützt die Darmfunktion. Aufpassen beim Ballaststoff: Eine plötzlich sehr starke Erhöhung kann Blähungen und Beschwerden verschlimmern.

Mikronährstoffe

Eine stark reduzierte Kalorienaufnahme kann auch die Aufnahme von Vitaminen und Mineralstoffen beeinträchtigen. Das ist besonders dann der Fall, wenn die Ernährung aus wenigen, immer gleichen Lebensmitteln besteht.

Fett

Eine moderne Ernährung während einer medikamentösen Gewichtsabnahme sollte nicht in eine extreme „Low-Fat“- oder „No-Fat“-Diät münden. Fette liefern essenzielle Fettsäuren und ermöglichen die Aufnahme fettlöslicher Vitamine. Es geht nicht darum, Fett vollständig zu vermeiden, sondern Qualität und Menge an die individuelle Verträglichkeit anzupassen.

Kohlenhydrate

Auch Kohlenhydrate müssen unter einer Behandlung mit Abnehm-Medikamenten nicht grundsätzlich vermieden werden. Vorteilhaft sind nährstoffreiche und möglichst wenig stark verarbeitete Quellen:

  • Haferflocken
  • Vollkornprodukte
  • Kartoffeln
  • Hülsenfrüchte
  • Vollkornreis
  • Gemüse
  • Obst

Die wichtigsten Tipps

1. Ausreichend Protein aufnehmen
2. Gemüse, Obst und ballaststoffreiche Lebensmittel integrieren
3. Genung trinken
4. Kleine Portionen möglichst nährstoffreich gestalten
5. Bei Übelkeit und Völlegefühl Mahlzeiten verkleinern und sehr fettreiche Mahlzeiten vermeiden
6. Auf Vitaminen und Mineralstoffen achten
7. Muskelmasse durch Krafttraining und Proteinzufuhr schützen
8. Keine zusätzliche Crash-Diät machen
9. Die Ernährung individuell anpassen
10. Ernährung und Bewegung als festen Bestandteil der medikamentösen Therapie angehen

Dazu braucht es ein Umdenken: Nicht eine möglichst starke Einschränkung der Nahrungsaufnahme darf das Ziel sein, sondern eine nährstoffdichte, proteinbetonte und individuell gut verträgliche Ernährung, die Gewichtsverlust ermöglicht und gleichzeitig Muskelmasse, körperliche Funktion und langfristige Gesundheit unterstützt.


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