Wenn das Gaspedal fehlt

Bild: AdobeStock, Urheber: triocean

Sie schlägt auf die Psyche, macht den Alltag zur Tortur und Beziehungen kaputt. Sie ist weit verbreitet, besonders bei Frauen, und wird dennoch häufig übersehen, von den Betroffenen selber und sogar von den Ärzten. Die Schilddrüsenunterfunktion. Dabei liesse sie sich eigentlich gut behandeln und die massive Einbusse im Leben weitgehend vermeiden.

Ständig müde, kein Appetit

Wenn jemand zunehmend nicht mehr mag, die Lust an allem verliert und mit Schlafen Probleme hat, muss man auch an die Schilddrüse denken. Bei Patienten mit psychischen Symptomen wie Antriebslosigkeit, Appetitverlust, depressiven Verstimmungen, Müdigkeit bis hin zu einer Verlangsamung des Denkens kommt immer auch eine Unterfunktion der Schilddrüse in Frage, ganz besonders, wenn es in der Familie schon ähnliche Fälle gab oder die Schilddrüse aus irgendeinem Grund entfernt werden musste.

Im Alter immer häufiger

Weil sich die Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion meistens langsam und schleichend entwickeln, werden sie häufig übersehen oder falsch interpretiert. Mit der Folge, dass eine wirksame Behandlung der Unterfunktion unterbleibt. Störungen der Schilddrüsenfunktion werden im Alter immer häufiger, weshalb die Symptome oft einfach dem Alter zugerechnet werden. In und nach den Wechseljahren führen viele Frauen, aber auch Ärzte, psychische Symptome, die durch eine Schilddrüsenunterfunktion verursacht werden, vorschnell auf einen Östrogen-Mangel zurück. Viele Betroffene machen immer wieder die leidige Erfahrung, dass sie als psychische Problemfälle abgetan und entsprechend behandelt werden. Dabei fehlt ihnen «nur» eines der wichtigsten Hormone des menschlichen Körpers, das den gesamten menschlichen Stoffwechsel steuert.

Bis die Symptome verschwunden sind

Selbst wenn eine Schilddrüsenunterfunktion diagnostiziert und behandelt wird, ist der Leidensweg für viele Patientinnen und Patienten noch nicht zu Ende. Befragungen zeigen, dass bis zu zwei Drittel mit der Therapie nicht zufrieden sind. Entweder sind die Schilddrüsenwerte nicht im Zielbereich oder die Betroffenen haben nach wie vor Symptome. Sie klagen über Kältegefühl, Heiserkeit, trockene Haut, Gewichtszunahme und Verstopfung, aber auch über Müdigkeit, schlechtes Befinden, eine generelle Unzufriedenheit, Angstzustände und Depressionen. Für die unzureichende Therapie gibt es verschiedene Gründe: unregelmässige Medikamenteneinnahme, eine Begleittherapie mit Säureblockern, chronische Gastritis etc. In einem solchen Fall sollte man sich an den behandelnden Arzt wenden, am besten an einen Hormonspezialisten, der das ganze therapeutische Spektrum kennt. Die internationalen Leitlinien fordern eine individuelle Behandlung, bis die Schilddrüsenhormone im Zielbereich und die Symptome verschwunden sind.

Achten Sie auf diese Symptome

Müdigkeit

Eine Schilddrüsenunterfunktion führt dazu, dass man sich müde, träge und antriebslos fühlt. Konzentration und Leistungsfähigkeit lassen nach. Das Herz schlägt langsamer und die Libido nimmt ab. Auch zu Depressionen kann es kommen.

Frösteln

Typisch für eine Unterfunktion ist, dass man immer kalt hat, fröstelt und schnell friert.

Gewichtszunahme

Wenn das Gewicht steigt, ohne dass man mehr isst oder wenn jede Diät nichts bringt, kann eine Unterfunk­tion der Schilddrüse dahinterstecken.

Verstopfung

Der verlangsamte Stoffwechsel wirkt sich auch auf die Darmtätigkeit aus. Es kommt häufig zu Verstopfungen und Blähungen.

Haarausfall

Auch dünne Haare und Haarausfall können Zeichen einer gestörten Funktion der Schilddrüse sein. In Kombination mit trockener Haut und brüchigen Nägeln liegt der Verdacht auf eine Unterfunktion nahe.