So beugen Sie weissem Hautkrebs vor

Aktinische Keratosen sind weitverbreitete Vorstufen von sonnenbedingtem Hautkrebs. Prof. Dr. Stephan Lautenschlager erklärt, wie man ihn erkennt und wirksam behandelt.

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Bild: AdobeStock, Urheber: grafxart

Etwa 20 000 bis 25 000 Schweizer erkranken jährlich an weissem Hautkrebs. Die Vorstufe sind aktinische Keratosen. Die Krebsvorstufe wird gerne bagatellisiert oder als normale Alterserscheinung abgetan. Dabei sollte man sie ernst nehmen. Unbehandelt können sie über die Jahre in die Tiefe wachsen.

Die wichtigste Massnahme zur Prävention ist der richtige Schutz. Durch die Kleidung und Sonnencreme schützt man sich gut vor UV-Strahlung. Das Motto lautet: blass bleiben. Denn braun wird man erst, wenn schon Schäden in der Erbsubstanz der Zellen aufgetreten sind. Daher macht es auch absolut keinen Sinn, in ein Solarium zu gehen.

Ist es bereits zu spät, gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten. Welche am besten passt, kommt auf den Patienten und die Art des Tumors an. Neu gibt es eine verträgliche Therapie, die nur fünf Tage dauert.

Glatzenträger sind besonders gefährdet

Prof. Stephan Lautenschlager erklärt, wie man eine aktinische Keratose erkennt, und ob die neue Therapie hilft.

Wie entstehen aktinische Keratosen?

Hauptsächlich, weil die UVB-Strahlen des Sonnenlichts das Erbgut der obersten Hautzellen verändern. Für eine gewisse Zeit kann der Körper solche Mutationen reparieren. Je nach Hauttyp sogar über Jahrzehnte. Irgendwann bilden sich aber trotzdem bösartige Zellen.

Wie erkennt man diese?

Meistens zeigen sich 1 bis 2 cm grosse, relativ scharf begrenzte rötliche Stellen mit Verhornung. Man findet sie vor allem auf den sogenannten Sonnenterrassen wie Nasenrücken, Jochbogen, Stirn oder Handrücken. Glatzenträger müssen besonders aufpassen, weil sie am Kopf ungeschützt sind. Gelegentlich fehlt die Rötung auch, dann können die aktinischen Keratosen eher ertastet als gesehen werden.

Wie gefährlich ist die Krebsvorstufe?

Untersuchungen haben gezeigt, dass unbehandelte aktinische Keratosen in etwa fünf bis zehn Prozent innerhalb von zehn Jahren in die darunterliegende Hautschicht einwachsen und einen weissen Hautkrebs bilden. Manchmal können aktinische Keratosen spontan verschwinden. Leider sieht man aber nicht, ob sie sich in die Tiefe ausdehnen.

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Prof. Dr. Stephan Lautenschlager, Chefarzt an der Dermatologischen Klinik am Stadtspital Waid und Triemli in Zürich.

Ab wann braucht es eine Behandlung?

Bei einzelnen aktinischen Keratosen, die seit wenigen Monaten bestehen, kann man auch einmal zuwarten. Bei mehreren und länger bestehenden Herden, und vor allem bei ausgeprägter Verhornung braucht es aber eine Therapie. Ein Alarmzeichen ist, wenn sich eine aktinische Keratose verdickt. Das ist ein Hinweis, dass sie in die Tiefe gewachsen ist.

Was kann man dagegen tun?

Zum Glück gibt es zahlreiche wirksame Behandlungen. Neben physikalischen Methoden wie dem Vereisen, der photodynamischen Therapie mit speziellem Licht oder chirurgischen Eingriffen helfen auch chemische Behandlungen mit Salben oder Cremes. Welche Therapie am besten hilft, kommt auf die Anzahl, die Lokalisation, den Zustand der Haut und auf den Patienten an.

Was ist von der neuen lokalen Therapie zu erwarten?

Bisher musste man lokale Therapien über Wochen bis Monate auftragen. Das erfordert einerseits grosse Disziplin und ist andererseits häufig mit ausgeprägten Reizungen verbunden. Bei der neuen Therapie reicht es, die Creme an fünf Tagen aufzutragen, und sie verursacht geringe Hautrötungen. Laut der Studienergebnisse scheint sie ähnlich wirksam zu sein, wie die etablierten Therapien.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 16.06.2022.

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