So holen Sie die Schmerzen aus Ihren Fingern

Arthrose-Schmerzen in Hand und Fingern bitte nur im Notfall mit Schmerztabletten behandeln. Viel besser sind schmerzlindernde Salben, regelmässige Übungen und Chondroitinsulfat.

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So lauten die neuesten Empfehlungen der Europäischen Rheumaliga EULAR. Sie ist die Dachorganisation aller europäischen Rheumatologie-Fachgesellschaften und -Patientenorganisationen, der auch die Schweizerische Gesellschaft für Rheumatologie und die Rheumaliga Schweiz angehören. Alle wichtigen Studien und alle Erkenntnisse sind in neun EULAR-Empfehlungen eingeflossen. Nach zehn Jahren wurden die Empfehlungen von einer Task Force erstmals wieder an die aktuelle Studienlage angepasst. Der Task Force gehörten nicht nur Fachärzte, sondern auch Rheuma-Patienten an.

Empfehlung 1: Richtig bewegen und ­Hilfsmittel verwenden

Betroffene sollen lernen, wie sie ihre Finger möglichst beschwerdefrei einsetzen. Gleichzeitig sollen sie von den Medizinern über alle möglichen Hilfsmittel informiert werden, mit denen ein besseres Selbstmanagement möglich wird.

Empfehlung 2: Übungen machen

Die Physio- und Ergotherapeuten sollen den Patienten Übungen zur Verbesserung von Gelenkbeweglichkeit, Muskelkraft sowie zur Stabilisierung des Daumensattelgelenks zeigen. Schon alleine damit können die Schmerzen gelindert werden.

Empfehlung 3: Orthesen tragen

Mit Stützmanschetten kann man die Funktion des Daumensattelgelenks verbessern und die Schmerzen reduzieren. Die Orthesen müssen dazu über längere Zeit getragen werden.

Empfehlung 4: Gegen den Schmerz Salben und Pflaster nehmen

Schmerzlindernde und entzündungshemmende Salben und Pflaster sind die erste Wahl bei der Behandlung von Schmerzen in Hand und Fingern. Sie wirken lokal und haben darum kaum Nebenwirkungen.

Empfehlung 5: So wenig Schmerztabletten wie möglich schlucken

Nur in der geringsten wirksamen Dosis und nur so lange wie unbedingt nötig nehmen. Vor allem bei älteren Patienten treten teils gravierende Nebenwirkungen in Magen, Darm, Nieren, Gefässen und Herz auf.

Empfehlung 6: Chondroitinsulfat nehmen

Chondroitinsulfat kann bei Fingergelenkarthrose zur Schmerzlinderung und Funktionsverbesserung eingesetzt werden.

Empfehlung 7: Spritzen ins Gelenk nur von Fall zu Fall einsetzen

Bei Fingergelenkarthrose sind Spritzen eigentlich nicht geeignet. Sie können aber von Fall zu Fall – bei besonders starken Schmerzen – eingesetzt werden.

Empfehlung 8: Medikamente gegen ­rheumatoide Arthritis sind nicht wirksam

Eine Fingergelenkarthrose soll weder mit konventionellen noch mit biologischen krankheitsmodifizierenden anti-rheumatischen Substanzen behandelt werden. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass solche sogenannten DMARDs oder Biologics hier nicht wirksam sind.

Empfehlung 9: Operationen erst, wenn nichts anderes hilft

Operationen sollen von den Ärzten nur dann in Betracht gezogen werden, wenn mit anderen Therapieoptionen keine genügend grosse Schmerzlinderung erreicht werden konnte.

Immer zuerst zum Arzt

Arthrose bezeichnet einen langsam fortschreitenden Abbau von Gelenkknorpel. Arthrose kann Gelenkschmerzen verursachen und die Beweglichkeit stark einschränken. Am häufigsten betroffen sind Kniegelenk, Hüftgelenk und Fingergelenke. Arthrose ist die weltweit häufigste Gelenkerkrankung. 600 000 Schweizerinnen und Schweizer leiden unter Arthrose-Schmerzen, Tendenz steigend. Auch wenn die Arthrose ein langsamer Prozess ist, sollten die Beschwerden rasch abgeklärt werden. Nur der Arzt kann andere, eventuell sogar schwerwiegendere Erkrankungen ausschliessen. Und: Die Arthrose-Behandlung wirkt umso besser, je früher man damit beginnt.

 

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 10.01.2019. Setzte ein Lesezeichen permalink.

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