Kopf hoch, Schultern zurück, aufrechte Haltung. Als Kind hat man diese Aufforderung unzählige Male gehört. Dieser Rat ist überholt, denn inzwischen ist es wissenschaftlich erwiesen, dass eine gerade Sitzhaltung den Bandscheiben mehr schadet. Auch aus medizinischer Sicht ist die ideale Körperhaltung ein schwammiger Begriff. Sollen wir den Rücken möglichst gerade machen, also jenen 90-Grad-Winkel einnehmen, zu dem die Eltern uns in jungen Jahren aufforderten? Schadet es uns den tatsächlich, wenn wir krumm sitzen?
Ab drei Stunden ungesund
Einer der Hauptgründe für Rückenschmerzen ist falsches Sitzen. Nicht unbedingt wegen der Position an sich, sondern wegen der Dauer. Wer mehrere Stunden hintereinander stocksteif am Computer sitzt, fühlt sich am Ende des Tages gerädert. Laut Suva entstehen beim falschen Sitzen Probleme mit den Gelenken, Schmerzen, Abklemmen der Nerven und Adern, Gewebe-Reizung, Darm-Störungen, Atembeschwerden, Schwierigkeiten beim Aufstehen. Das Problem ist schon lange bekannt. Bereits in den 1950er-Jahren deckte eine Londoner Studie auf, dass Busfahrer ein doppelt so grosses Risiko für einen Herzinfarkt hatten wie ihre stehenden Kondukteur-Kollegen. Eine andere Studie der Universität von Sao Paulo zeigt, dass 3,8 Prozent aller Todesfälle weltweit auf Sitzen zurückgehen. Schon ab drei Stunden pro Tage wirkt sich das Sitzen ungünstig auf die Gesundheit aus.
Räkeln, Strecken, Lümmeln
Die Lösung ist einfach. Dynamisches Sitzen durch wechselnde Körperhaltung. Ein gesunder Rücken braucht Bewegung. Jeder Haltungswechsel, jede Bewegung beim Sitzen fördert den Stoffwechsel der Bandscheiben und beugt Abnutzungserscheinungen vor. Auch Räkeln, Strecken und häufiges Aufstehen zwischendurch gehört zum gesunden Sitzen. Wer keine körperlichen Beschwerden hat, kann im Alltag Sitzen durch Stehen ersetzen, beim Telefonieren, im Bus, in Meetings oder am Computer. Regelmässige Haltungswechsel fördern die Durchblutung der Beine und steigern die mentale Leistungsfähigkeit. Der Körper verbraucht im Stehen mehr Kalorien. Es geht darum, jede sich bietende Gelegenheit für Bewegung zu nutzen. Laut der ergonomischen Faustregel «40-15-5» arbeitet ein Mensch am gesündesten, wenn er innerhalb einer Stunde 40 Minuten dynamisch sitzt, 15 Minuten steht und 5 Minuten umherläuft.