Übergewicht ist das grösste Corona-Risiko

Eine Fallstudie aus New York an Covid-19-Patienten kommt zu einem überraschenden Ergebnis. Unter den jüngeren Patienten mit einem schweren Krankheitsverlauf haben fast alle starkes Übergewicht. Fettleibigkeit ist neben dem Alter der höchste Risikofaktor, mit der Krankheit auf der Intensivstation zu landen.

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Bild: AdobeStock, Urheber: Kara

„Die chronische Erkrankung, die am stärksten mit einer schweren Covid-19-Infektion im Zusammenhang steht, ist Adipositas – und zwar in einem substanziell höheren Risikoverhältnis als jede Herz-Kreislauf- oder Lungenerkrankung“, heisst es in der Studie aus den USA.

Christopher Petrilli, der leitende Autor der Studie, uns seine Kollegen waren vom eindeutigen Befund selber überrascht.

Schlimmer als Bluthochdruck und Asthma

Neu sei die Erkenntnis, dass Adipositas nicht nur in Kombination mit anderen Risikofaktoren zu einem schweren Verlauf führe, sondern ein „bedeutender, unabhängiger und alleinstehender Faktor“ ist. Laut der Studie hat starkes Übergewicht sogar einen stärkeren Einfluss auf die Schwere der Erkrankung als Vorerkrankungen wie Asthma oder die chronische Lungenerkrankung COPD.

Entzündungssturm und Kreislaufschock

Die Wissenschaftler vermuten, dass die chronischen Entzündungsreaktionen, die bei starkem Übergewicht auftreten, eine entscheidende Rolle spielen. Trifft das Coronavirus nun auf diese Entzündungsherde, kommt es zu einem unkontrollierten Überschiessen des Immunsystems mit einem Entzündungssturm an den Innenwänden der Blutgefässe, was zu Kreislaufschock und multiplem Organversagen führen kann.

Normalgewichtige in der Unterzahl

Am Universitätsklinikum Essen machte man dieselben Beobachtungen. Die meisten Patienten, die mit schweren Covid-19-Verläufen auf die Intensivstation kommen, sind übergewichtig bis adipös. Die Normalgewichtigen sind in der Unterzahl. Aber auch Berichte aus anderen Ländern bestätigen die Studie der New Yorker Mediziner. Ein französisches Forscher-Team beobachtete: Mehr als drei Viertel der Covid-19-Patienten, die zwischen Ende Februar und Anfang April intensivmedizinisch behandelt wurden, waren fettleibig bis schwer fettleibig, mit einem BMI über 35. Die Forscher stellten zudem fest, dass die Notwendigkeit zur Beatmung mit der Höhe des BMI anstieg. Auch Ärzte aus Wuhan zeigten, dass mehr als 88 Prozent der an Covid-19 Verstorbenen einen BMI von über 25 hatten und damit übergewichtig bis fettleibig waren.

Je mehr Gewichtsabnahme desto weniger Entzündung

Übergewicht vermeiden bzw. abbauen wird deshalb zu einer der wichtigsten Strategien, um schwere Covid-19-Verläufe sowie Todesfälle zu vermeiden. Nimmt man ab, verschwindet die generalisierte Gefässentzündung wieder. Das ist die gute Nachricht. So zeigen Studien, dass sich durch eine Beschränkung der Kalorienaufnahme und die richtige Auswahl von Nahrungsmitteln das Ausmass der Entzündung im Körper um mehr als ein Drittel reduzieren lässt, was dem Effekt von entzündungshemmenden Medikamenten entspricht. Je stärker die Gewichtsabnahme, desto mehr sinken im Blut die Marker für eine Entzündung und desto höher ist die Reduktion des Risikos für Arteriosklerose und schwere Covid-19-Verläufe.

Und noch eine gute Nachricht für Gesundheitsbewusste: Die Anzahl der Lebensjahre allein ist nicht entscheidend für das Risiko, schwer an Covid-19 zu erkranken. Ausschlaggebend ist das biologische Alter. Eine sportliche 90Jährige ist weniger gefährdet als jemand mit 70 Jahren im Pflegeheim.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 14.05.2020.

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