Viel mehr Zeit und Geld

Von XL zu S. Madeleine Baumann zeigt, wie es geht. Hier ist ihr fünfter Schritt.

Baumann Teil 5 aufmacher

Da ich nur noch zwei Mahlzeiten pro Tag zu mir nahm, hatte ich plötzlich viel mehr Zeit und Geld. Das ist ja etwas ganz Neues, dachte ich. Was macht man bloss damit? Normalerweise hat man doch von beidem viel zu wenig.

Ich überlegte mir, wie ich die Zeit füllen könnte. Der neue Pfad in meinem Gehirn war angelegt, und ich wollte ihn auf keinen Fall zuwachsen lassen. Nicht dass ich plötzlich aus lauter Gewohnheit wieder um 11 Uhr in der Küche stehe und das Mittagessen zubereite. Das war besonders wichtig, wenn ich frei hatte.

Freude an der Bewegung wurde grösser

Mit jedem Kilo, das ich verlor, wurde meine Freude an der Bewegung grösser. Ich kaufte ein paar gute Laufschuhe und einen Schrittzähler, um am Morgen nach dem Müesli eine Runde zu laufen. Das mache ich bis heute. So kann ich meinen Gedanken nachhängen und sie sortieren. Am Ende der Runde komme ich glücklich, zufrieden und frisch nach Hause.

Was war das früher doch ein mühsamer Kampf. Es wechselten sich Gefühle von Freude und schlechtem Gewissen, es doch wieder nicht geschafft zu haben, ab. Es ist doch so. Man hat immer ein schlechtes Gefühl, weil man so dämlich war, zu viel und das Falsche zu essen.

Es war ein elender Kreislauf. Ich wollte mich bestrafen, weil ich wieder zugenommen hatte. Deshalb musste es eine Diät sein, die so richtig weh tat. Entweder im Portemonnaie, oder weil sie so mühsam war. Kalorien mussten gezählt werden, oder ich musste hungern und verzichten, um es dann doch wieder nicht zu schaffen. Von resignieren, akzeptieren und dann wieder Hoffnung schöpfen – alles war dabei. Ein hoffnungsloser Kreislauf. Eine Abwärtsspirale ohne Ende.

Ausstieg aus dem Kreislauf

Als mir das klar wurde und ich den Ausstieg aus diesem Kreislauf schaffte, fühlte ich mich wie von einer Sucht befreit. Ich war frei. Ich musste nichts mehr essen, das ich nicht wollte. Ich konnte mir am Morgen das Müesli mit viel Phantasie und Freude zubereiten. Dann hatte ich den ganzen Tag zur Verfügung.

Meistens gehe ich über Mittag gemütlich einkaufen. Dann hat es nicht viele Leute im Geschäft.  So habe ich viel weniger Stress. Ich kann auch lesen und etwas Kreatives machen, das mir Freude bereitet. Freunde besuchen und so weiter. Gegen Abend koche ich uns dann etwas Feines.

Lebensfreude gewonnen

Aus der Abwärtsspirale bin ich für immer ausgestiegen, habe Kilos verloren und so unglaublich viel Lebensfreude gewonnen. Ich kann mich bewegen und laufen, und gerate nicht mehr ausser Atem. Ich habe keine Hungerkrisen mehr, die mich fast umbringen.

Vielleicht denken Sie jetzt, ist ja schön und gut. Aber ich habe hungrige Kinder, die von der Schule nach Hause kommen. Das verstehe ich gut. Ich hatte auch Kinder und weiss, wie das ist. Doch es gibt bestimmt einen Weg. In anderen Ländern gibt es mittags oft nur einen leichten Lunch. Oder wie wäre es mit einer selber zubereiteten Suppe? Einfach etwas, das nicht in einer grossen Kocherei endet. Es würde mich nicht wundern, wenn sich die Kinder am Nachmittag in der Schule mit nur einer leichten Mahlzeit besser konzentrieren können, weil sie keinen all zu vollen Magen haben.

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Das ist meine Erfahrung. Neue Wege zu suchen und auszuprobieren, macht viel Freude. Es braucht nur ein wenig Mut und Entschlossenheit. Ich wünsche Ihnen diese Erfahrung von Herzen!

Lesen Sie hier die anderen Teile meiner Serie

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 07.06.2018. Setzte ein Lesezeichen permalink.

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