Was ist Arthrose?
Unter einer Arthrose versteht man die Abnutzung von Gelenkstrukturen, hauptsächlich des Gelenkknorpels.
Welche Gelenke sind am häufigsten betroffen?
Prinzipiell kann eine Arthrose jedes Gelenk befallen. Am häufigsten betroffen sind die Knie und die Hüften, die Gelenke der Finger und der Zehen sowie die kleinen Zwischenwirbelgelenke, die Facettengelenke der Wirbelsäule.
Gibt es typische Symptome?
Ganz klar der Schmerz, die damit verbundene Funktionseinschränkung und im weiteren Verlauf die Entzündung des betroffenen Gelenkes. Bei fortgeschrittener Arthrose kann es zusätzlich zu einer Instabilität des Gelenkes kommen, die in den Strukturen um das Gelenk herum weitere Schmerzen auslösen kann.
Was sind Frühzeichen, bei denen man nicht zuwarten und sofort zum Arzt gehen sollte?
Anhaltende Schmerzen in einem oder mehreren Gelenken, die trotz Belastungsreduktion oder -pause und kurzzeitiger Schmerzmittelanwendung nicht besser werden. Ein schmerzendes Gelenk, das angeschwollen und gerötet ist, gehört immer in die Hände des Arztes. Wer zu lange zuwartet, riskiert bleibende Schäden, die mit der richtigen Behandlung verhindert werden können. Nur der Arzt kann andere Ursachen für Schmerzen im Gelenk ausschliessen.
Soll man bei Verdacht auf Arthrose zum Hausarzt oder besser gleich zum Spezialisten gehen?
Arthrose ist ein Hauptgrund für Konsultationen in der hausärztlichen Praxis. Ein erfahrener Hausarzt ist in der Lage, eine Arthrose zu beurteilen und die weiteren Schritte in die Wege zu leiten. Bei Unklarheiten oder für eine Infiltration in das betroffene Gelenk ist jederzeit eine Überweisung zu einem Spezialisten aus der Rheumatologie oder Orthopädie möglich.
Warum tut Arthrose überhaupt weh?
Der Schmerz einer Arthrose entsteht in den gelenknahen Strukturen. Nicht der geschädigte Knorpel tut weh, sondern der darunterliegende Knochen, der sich mit der Zeit entzündet. Die Schmerzen können aber auch von der Gelenkkapsel, den Bändern, den benachbarten Sehnenansätzen oder den Muskeln herrühren, weil das befallene Gelenk instabil ist oder falsch belastet wird.
Wie kommt es zu einer Arthrose?
Die Arthrose kann viele verschiedene Ursachen haben. Zunehmendes Alter, Überlastungen bei Übergewicht, harter Arbeit oder Sport, angeborene oder unfallbedingte Fehlstellungen sowie als Folge rheumatischer Erkrankungen. Wichtig sind auch genetische Faktoren, beispielsweise familiäre Häufung oder Erkrankungen des Bindegewebes wie Überbeweglichkeit. Auch Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes können eine Arthrose begünstigen.
Kann man vorbeugend etwas gegen die Entstehung einer Arthrose tun?
Ja, auf normales Gewicht achten und die von der Weltgesundheitsorganisation WHO aufgestellten Bewegungsempfehlungen – also zweieinhalb Stunden Ausdauertraining und zweimal 30 Minuten Krafttraining pro Woche – umsetzen. Daneben Überbelastungen sowie Sportunfälle vermeiden und sich ausgewogen ernähren.
Wieso ist Bewegung so wichtig?
Bewegung fördert die Ernährung des Gelenkknorpels. Weil der Knorpel keine Blutgefässe besitzt, ernährt er sich hauptsächlich über die Gelenkflüssigkeit. Dies macht er wie ein Schwamm. Bei Belastung wird Gelenkflüssigkeit aus dem Knorpel herausgedrückt, bei Entlastung saugt er mit der Gelenkflüssigkeit Nährstoffe auf. Durch Bewegung wird auch die Funktion des Gelenkes aufrechterhalten. Ein nicht bewegtes Gelenk verliert an Beweglichkeit, was zu Fehlbelastungen führt. Durch Krafttraining werden die gelenkstabilisierenden Muskeln gestärkt und das Gelenk entlastet.
Wie wird Arthrose behandelt?
Generell wird eine Arthrose mit angepasster Bewegung, Kräftigung der stabilisierenden Muskulatur, Gewichtsreduktion bei Übergewicht sowie mit Schmerzmitteln und Medikamenten mit Chondroitinsulfat behandelt. Glucosamin und andere Substanzen können ebenfalls positive Effekte zeigen, die Kosten dafür werden aber nicht von der Krankenkasse übernommen.
Was können Betroffene zum Therapieerfolg beitragen?
Grundlage ist die ganz normale Alltagsaktivität, zum Beispiel Treppensteigen anstatt Liftfahren oder eine Tramhaltestelle früher aussteigen und zu Fuss gehen. Weitere Massnahmen sind Überlastung und Übergewicht vermeiden, durch Stärkung der Muskulatur mit regelmässigem Krafttraining die Gelenke entlasten. Wie gross der Einfluss der Ernährung ist, weiss man noch nicht genau. Sich ausgewogen zu ernähren, ist aber sicher sinnvoll.
Wann kommt trotz allen Massnahmen Cortison ins Spiel?
Ist ein Gelenk entzündet, das heisst gerötet, überwärmt und geschwollen, kann nach Abklärung der Ursache eine Cortison-Infiltration erwogen werden. Nicht bei allen Gelenken haben sich Cortison-Infiltrationen als hilfreich erwiesen.
Stimmt es, dass die Wirkung von Cortison-Injektionen kaum länger als einen Monat anhält und dass wiederholte Injektionen den Knorpelabbau sogar beschleunigen?
Die Wirkung einer Cortison-Infiltration ist sehr individuell; es kann nicht generell gesagt werden, wie lange sie hilft. Es ist darum wichtig, Cortison nur einzusetzen, wenn die Indikation stimmt: Ist ein Gelenk stark entzündet und wurde eine bakterielle Infektion als Ursache ausgeschlossen, kann eine Cortison-Infiltration sehr wirkungsvoll sein. Eine unbehandelte, langanhaltende Entzündung im Gelenk ist ebenso schädlich für den Gelenkknorpel.
Welche Bedeutung kommt demgegenüber Injektionen von Hyaluronsäure direkt ins Gelenk zu?
Die Hyaluronsäure kann auch schon in früheren, schmerzhaften Stadien einer Arthrose ohne starke Entzündung in Erwägung gezogen werden. Sie hat den Vorteil, dass sie gleich gut wirkt wie Cortison, aber beliebig oft injiziert werden kann, da sie längerfristig keine schädlichen Auswirkungen auf den Gelenkknorpel hat.
Sind Hyaluronsäure-Injektionen gut verträglich?
Ja, in der Regel sehr gut. In ganz seltenen Fällen können während oder nach der Injektion lokale Begleiterscheinungen wie Schmerzen, Hitzegefühl, Rötungen, Schwellungen/Gelenkerguss, Juckreiz und andere lokale Unverträglichkeitsreaktionen auftreten. Diese Reaktionen sind normalerweise mild und vorübergehend. Zu beachten gilt es, dass jede Injektion in ein Gelenk immer ein minimales Infektionsrisiko birgt, worüber der Arzt den Patienten informieren muss.
Welche Wirkung hat eine Hyaluronsäure-Injektion?
Hyaluronsäure ist ein natürliches Molekül, das überall im Körper und insbesondere in der Gelenkflüssigkeit vorkommt. Es gibt mehrere Wirkmechanismen, pharmakologische und mechanische. Dazu gehören die Stimulierung der Synthese von Knorpelsubstanz durch die Zellen im Knorpel, die Verminderung der Schmerzwahrnehmung durch Abschirmung der Nervenendigungen in der Gelenkmembran, die Hemmung der Entzündungswege sowie der Knorpelschutz durch Gelenkschmierung und Abfederung von Stössen.
Wie lange hält die Wirkung an?
Sie kann von einigen Tagen bis zu einigen Monaten anhalten. Wichtigste Voraussetzungen für eine gute Wirkung sind eine saubere Abklärung, ob die Beschwerden tatsächlich von der Arthrose herrühren sowie eine professionelle Verabreichung unter Ultraschallkontrolle durch einen geübten Arzt, damit sich die Hyaluronsäure-Lösung nach der Injektion auch sicher im Gelenk befindet und nicht ausserhalb davon. Erfahrungsgemäss ist die Wirkung bei fortgeschrittener Arthrose weniger ausgeprägt und weniger lang.
Wann sollte man eine Therapie mit Hyaluronsäure wiederholen und wie oft kann man das tun?
Eine Hyaluronsäure-Infiltration kann beliebig oft wiederholt werden. Es gibt unterschiedlichste Verabreichungsprotokolle. Gängig ist eine erste Infiltration mit einer Reevaluation der Beschwerden nach circa einer Woche und Wiederholung bei Bedarf bis zu total drei Injektionen in wöchentlichen Abständen.
Für welche Patienten eignen sich Hyaluronsäure-Injektionen besonders?
Für Patientinnen und Patienten, die eine moderate Arthrose mit moderater Entzündung haben. Auch wenn eine Cortison-Infiltration nicht möglich oder nicht erwünscht ist. Tendenziell ist die Wirkung bei jüngeren Personen oder Gelenken in einem frühen Arthrose-Stadium eher besser und länger anhaltend.
Was sind die neuesten Entwicklungen, und worauf achten Sie speziell?
In der Zusammensetzung, in der Anzahl der empfohlenen Injektionen pro Therapie und im Preis gibt es Unterschiede. Es gibt Hyaluronsäure mit einem hohen, mittleren und niedrigen Molekulargewicht. Unterschiedlich ist dabei die Länge der Hyaluronsäure-Moleküle. Vereinfacht gesagt ist das Präparat umso viskoser, je höher die Konzentration der Moleküle in der Lösung ist und je länger die Moleküle sind. Interessante Eigenschaften haben moderne Produkte mit einem Gemisch von langen und kurzen Molekülen in sehr hoher Konzentration. Daneben gibt es auch Unterschiede in der Art der Gewinnung der Hyaluronsäure und dem Volumen der Spritzen. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist die Menge der Hyaluronsäure: Bei den weniger konzentrierten Lösungen werden meist drei Injektionen empfohlen, bei gewissen hochkonzentrierten Präparaten genügt eine Injektion. Die neueren Produkte zielen darauf ab, mit einer einzigen Injektion möglichst viel Hyaluronsäure in das Gelenk zu infiltrieren.
Kann jeder Arzt Cortison oder Hyaluronsäure in ein Gelenk spritzen?
Aus meiner Sicht ist es wichtig, dass der behandelnde Arzt die nötige Erfahrung mitbringt. Er muss das Handwerk der Infiltration routinemässig beherrschen. Wünschenswert ist auch die Ultraschallkontrolle, damit die Hyaluronsäure ins Gelenk injiziert wird und nicht daneben. Das ist besonders bei schwer zugänglichen Gelenken wie Hüften, Schultern oder Sprunggelenken wichtig.
Weitere Informationen

Dr. med. Sven Oser
Zentrum für Rheuma- und Knochenerkrankungen
Bellariastrasse 38
8038 Zürich
Tel. +41 44 209 24 11