Warum wir das ganze Jahr noch Masken tragen

Delta überrennt ein Land nach dem anderen. Auch wir sind daran, den Wettlauf gegen die hochansteckende Variante zu verlieren, wenn das Impftempo nicht wieder anzieht.

Maske Bild AdobeStock Urheber Chalabala
Bild: AdobeStock, Urheber: Chalabala

Das Ziel scheint unerreichbar. Eine Durchimpfungsrate von 95 Prozent halten viele Experten mittlerweile für nötig, um die Delta-Variante schachmatt zu setzen. In der Schweiz sind wir meilenweit davon entfernt. Der Impffortschritt hat sich in den letzten Wochen so verlangsamt, dass bis im Herbst wohl nicht mehr als 60 Prozent der Gesamtbevölkerung doppelt geimpft sind. In den meisten Kantonen der Innerschweiz, wo die Impfskepsis am grössten ist, dürften es deutlich weniger sein.

Ein Teil davon wird schwer erkranken

Der Basler Infektiologe und ehemaliges Mitglied der Taskforce Prof. Manuel Battegay rechnet mit einer heftigen, vierten Welle. «Es tut weh, es ist traurig und tragisch, weil eine nächste Welle nicht nötig wäre, zumindest könnte sie deutlich reduziert werden», sagt der Chefarzt im Tages-Anzeiger. Er sei davon überzeugt, dass sich die Mehrheit der Ungeimpften bis zum nächsten Frühjahr infizieren wird. Ein Teil davon werde schwer erkranken. Und auch bei milden Verläufen würden circa 10 Prozent an belastendem post-akutem Covid leiden. Deshalb empfehle er dringend, sich in den nächsten Tagen noch impfen zu lassen.

Erneutes Aus fürs Nachtleben in den Niederlanden

Das Virus kennt keine Gnade. Wegen der enorm gestiegenen Zahl an Neuinfektionen haben die Niederlande eine Reihe von Corona-Massnahmen wieder verschärft. Clubs und Discos müssen von Samstag an erneut schliessen. Für Gaststätten ist um Mitternacht Schluss. Nach nur knapp zwei Wochen bedeutet das wieder das vorläufige Aus fürs Nachtleben. Auch Festivals und andere Grossveranstaltungen ohne feste Sitzplätze, bei denen kein Sicherheitsabstand gehalten werden kann, werden wieder untersagt.

Verschärfungen nur im äussersten Notfall

Und was kommt in der Schweiz auf uns zu? «Wir sind alle müde von dieser Art Massnahmen», sagt Thomas Steffen, Kantonsarzt von Basel-Stadt. Neue Verschärfungen will niemand, da sind sich alle einig. Wenn überhaupt, kommen sie nur im äussersten Notfall in Frage, zum Beispiel, wenn eine Variante auftaucht, vor der die Impfung nicht mehr schützt. Aber so weit wie in England, wo am 19. Juli fast alle verpflichtenden Corona-Massnahmen wie das Maskentragen aufgehoben werden, will in unserem Land kaum jemand gehen.

Ein Wiederanstieg der Todesfälle nur eine Frage der Zeit

Zwar sei zu erwarten, dass in England die Zahl der Neuinfektionen weiter deutlich steigen werde, doch glaube die Regierung nicht, dass die Infektionszahlen einen unaushaltbaren Druck auf den Gesundheitsdienst NHS ausüben werden. Dabei ist schon jetzt absehbar, dass es bei der schieren Masse an Ansteckungen nur eine Frage der Zeit ist, bis auch die Krankenhauseinweisungen und Todesfälle wieder dramatisch steigen.

Die Ungeimpften besser schützen

Hüten wir uns also vor dem gefährlichen Massen-Experiment, das der Britischen Regierung dereinst noch das Aus bescheren könnte. Es ist klüger, die Maskenpflicht und die Abstandsregeln noch bis in den Winter oder sogar darüber hinaus beizubehalten, um alle Ungeimpften besser zu schützen und zu verhindern, dass sie alle auf einmal erkranken. Auch wird es wohl nötig sein, ab Herbst Besuche von Restaurants, Kinos und Fitnesscenter auf Personen mit einem Covid-Zertifikat zu beschränken.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 15.07.2021.

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