Weihnachtsgeschenke sind eine kollektive Heuchelei

Woman holding stack of different Christmas gifts on green background Bild: AdobeStock, Urheber: Pixel-Shot

Schenken ist weit mehr als eine freundliche Geste. Schenken ist ein komplexer sozialer Austausch. Geschenke schaffen Verpflichtungen, erzwingen Dankbarkeit. Wer schenkt, übt Macht aus und fordert eine Gegengabe. Die Bindungswirkung des Geschenks hat etwas Gewalttätiges an sich. Eine Gabe will Vergeltung.

Schenken ist damit eine besonders raffinierte, weil verschleierte Form, Macht auszuüben. Im Schenken werden Verpflichtungen eingegangen, Unter- und Überlegenheitsrelationen begründet sowie Abhängigkeiten und Schuldverhältnisse geschaffen. Der Beschenkte wird zum Schuldner, räumt dem Gebenden Macht ein, muss sich revanchieren.

Jahr für Jahr das gleiche Spiel

Schenken kann auch glücklich machen, weil man sich in der eigenen Grosszügigkeit gefällt. Man beglückt also nicht nur den anderen, sondern – vielleicht sogar vor allem – sich selbst.

Alles in allem erleben viele den Geschenkwahnsinn an Weihachten als kollektive Heuchelei. Entweder versucht man, als Gebende wie Nehmende dabei das Gesicht zu wahren und das Spiel Jahr für Jahr mitzuspielen. Oder man schafft die weihnächtliche Konsumorgie ab und schenkt sich gegenseitig Dinge, die viel wertvoller und einmaliger sind, zum Beispiel Zeit.