Weniger Stress durch Waldbaden

Spazieren war gestern. Heute badet man im Wald. Zoë D. Lorek vom Waldbaden Institut Schweiz erklärt den Achtsamkeits-Trend aus Japan. 

Waldbaden Bild AdobeStock Urheber U. J. Alexander
Bild: AdobeStock, Urheber: U. J. Alexander

Was genau ist Waldbaden?

Der Begriff Waldbaden stammt ursprünglich aus dem Japanischen. Shinrin Yoku bedeutet, dass der Wald mit allen Sinnen erlebt wird.

Deshalb auch die Verbindung zum Baden?

Genau. Im Wald werden die Sinne wie Spüren, Riechen, Hören und Sehen auf natürliche Art und Weise intensiviert. Mit Achtsamkeits- und Atemübungen kombiniert, kann man noch viel mehr profitieren, denn die Luft im Wald ist frisch, rein und angereichert mit Duftstoffen. Zudem werden beim Waldbaden auch kreative Übungen gemacht. Da Shinrin Yoku eine Stressreduktions- und Gesundheitspräventionsmethode ist, wird der Fokus auf Langsamkeit gelegt.

Wie unterscheidet sich Waldbaden von einem normalen Spaziergang?

Das ist nicht miteinander zu vergleichen. Beim Waldbaden hilft die Temporeduktion, um sich stärker mit der Natur zu verbinden, kleine und grosse Dinge zu entdecken.

Oft hat man ein Ziel, zum Beispiel, wenn man eine bestimmte Runde joggt. Ist das beim Waldbaden ähnlich?

Nein, im Gegenteil. Beim Waldbaden gibt es kein Ziel, ausser der Temporeduktion und dem Fokus auf das Hier und Jetzt. Der Wald wird zum Erlebnisraum und nicht zur Kulisse.

Welche Kenntnisse braucht es dazu?

Wer alleine Waldbaden praktizieren möchte, kann das selbstverständlich tun. Ich empfehle auf jeden Fall, zum Einstieg einen Kurs zu besuchen. Viele Kursteilnehmende berichten, dass sie alleine nicht in diese Art der Entspannung und Präsenz gelangen. Die Kursleitung kann unterstützend Fragen beantworten und alternative Übungen anbieten.

Was macht ein guter Kurs aus?

Beim Waldbaden Institut Schweiz lernen die zukünftigen Kursleitenden die achtsame Sprache, eine wertfreie Anleitung und das genaue Zuhören, wenn Teilnehmende ihre Erlebnisse mitteilen. Eine gut ausgebildete Leitung hat sich seriös vorbereitet und kennt das Waldstück in- und auswendig.

Welche Wirkungen hat das Waldbaden?

Von bisherigen Studien und Experimenten ist bekannt, dass die Duftstoffe, auch Terpene genannt, einen gesundheitsfördernden Einfluss auf den Körper haben. Vor allem im Nadelwald, aber auch im Mischwald und besonders im Sommer ist die Terpenkonzentration am höchsten. Auch die Bewegung im Wald verbessert das Wohlbefinden. Wichtig ist, dass man eine gewisse Zeit im Wald verbringt oder man den Wald mehrmals pro Woche für kurze Zeit aufsucht.

Von welchen Wirkungen sprechen Sie konkret?

Da zitiere ich gerne aus meiner persönlichen Liste mit allen Vorteilen, die das Waldbaden hat:

  • besserer und regelmässiger Schlaf
  • verbesserte Konzentrationsfähigkeit
  • verbessertes Immunsystem und allgemein gesteigerte Fitness
  • erhöhte positive Stimmung
  • Abnahme von Angst und weniger Stimmungsschwankungen
  • reduziertes Risiko, an Depressionen zu erkranken
  • reduziertes Risiko für Herz- und Lungenerkrankungen
  • eine längerfristige Reduktion des Stressgefühls

Welches Feedback erhalten Sie von Ihren Kursteilnehmenden?

Aus meiner Praxiserfahrung kann ich berichten, dass bei den Kursteilnehmenden bereits nach 3 bis 6 Stunden Waldaufenthalt eine verbesserte allgemeine Stimmung und häufig eine wohlige Entspannung zu beobachten ist. Viele berichten, dass sie in der folgenden Nacht tiefer und länger geschlafen haben als sonst.

Für wen ist Waldbaden geeignet?

Grundsätzlich für alle Menschen. Allerdings sollte die Bereitschaft vorhanden sein, sich auf ein gemütlicheres Tempo einzulassen. Ein weiteres Kriterium für den Waldbesuch ist die Trittsicherheit. Noch gibt es keine Angebote für Personen im Rollstuhl, aber das ist eine Frage der Zeit. Pro Senectute Rheintal zum Beispiel hat bereits ein Angebot für Senioren und Seniorinnen. Klicken Sie auf den grünen Button „Angebotsübersicht und Anmeldung“ und geben Sie bei der Stichwortsuche „Waldbaden“ ein.

Was muss man beachten, wenn man alleine in den Wald geht?

Es gibt ein paar Regeln, wie zum Beispiel den Wetterbericht vorher zu lesen, die Strecke zu kennen und für den Notfall das Handy im Rucksack mitzunehmen. A propos Handy: dieses bleibt während eines Ausfluges stummgeschaltet. In einem Kurs kann das Handy sogar zu Hause bleiben, da die Leitung sich um Wettervorhersagen, Weg und Wohlbefinden der Teilnehmenden kümmert.

Mehr Infos auf www.achtsamkeitimwald.ch und www.shinrinyoku.ch

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 17.03.2022.

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