Der Darm ist von einer riesigen Zahl von Mikroorganismen besiedelt. Die Darmflora, heute spricht man meist vom Mikrobiom, hilft unter anderem bei der Verdauung, unterstützt die Barrierefunktion der Darmschleimhaut und spielt eine wichtige Rolle für das Immunsystem.
Wodurch wird diese Bakterienkultur beeinflusst?
Das Mikrobiom wird durch viele Faktoren geprägt: Gene, Alter, Ernährung, Umwelt, Stress, Medikamente und besonders Antibiotika. Auch Reisen können das Gleichgewicht vorübergehend verändern.
Was bringt den Darm auf Reisen aus dem Gleichgewicht?
Reisestress kann den Darm aus dem Rhythmus bringen. Dazu kommen veränderte Essenszeiten, anderes Essen, weniger Bewegung und fremde Toiletten. Beim Fliegen können sich Darmgase durch Druckveränderungen ausdehnen, was Blähungen verstärken kann. Menschen mit empfindlichem Darm oder chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen sollten Reisen gut vorbereiten und ihre Medikamente zuverlässig weiternehmen.
Wie kommt es zu Reisedurchfall?
Meist gelangen Bakterien, seltener Viren oder Parasiten, über verunreinigtes Essen oder Trinkwasser in den Darm. Besonders in Regionen mit tieferen Hygienestandards ist Vorsicht sinnvoll. Die alte Regel bleibt hilfreich, auch wenn sie keinen vollständigen Schutz bietet: cook it, peel it, boil it or forget it.
Bei akutem Durchfall ist das Wichtigste: ausreichend trinken und Elektrolyte ersetzen. Geeignet sind orale Rehydratationslösungen aus der Apotheke, alternativ salzige Bouillon und gut verträgliche Flüssigkeiten. Coca-Cola ist wegen des hohen Zuckergehalts nicht ideal als eigentliche Durchfalltherapie. Alkohol sollte man meiden.
Wann braucht es ärztliche Hilfe?
Bei hohem Fieber, Blut im Stuhl, starken Bauchschmerzen, Kreislaufproblemen, Zeichen der Austrocknung, Schwangerschaft, hohem Alter, Immunsuppression oder anhaltendem Durchfall über mehrere Tage sollte man ärztliche Hilfe suchen. Antibiotika sind nicht bei jedem Reisedurchfall nötig, können aber bei schwerem Verlauf sinnvoll sein.
Was passiert im Darm bei Durchfall?
Bei infektiösem Durchfall wird die Schleimhaut gereizt oder entzündet. Dadurch kann der Darm Wasser und Salze schlechter aufnehmen oder scheidet vermehrt Flüssigkeit aus. Die Folge sind wässrige Stühle, Bauchkrämpfe und manchmal Übelkeit oder Fieber.
Welche Rolle spielen Probiotika?
Probiotika können in einzelnen Situationen hilfreich sein, zum Beispiel bei bestimmten Formen von antibiotikaassoziiertem Durchfall. Für die allgemeine Vorbeugung von Reisedurchfall ist die wissenschaftliche Datenlage jedoch nicht eindeutig genug, um sie generell allen Reisenden zu empfehlen. Entscheidend ist: Die Wirkung ist stammspezifisch. Nicht jedes Probiotikum wirkt gleich.
Untersucht wurden unter anderem Saccharomyces boulardii und Lactobacillus rhamnosus GG. Für einzelne Stämme gibt es Hinweise auf einen Nutzen, die Resultate sind aber nicht in allen Studien gleich überzeugend. Wer Probiotika einnimmt, sollte auf ein qualitativ gutes Präparat achten.
Profitieren auch Menschen ohne Darmprobleme von Probiotika?
Das ist wissenschaftlich noch nicht abschliessend geklärt. Es gibt spannende Studien zur Darm-Hirn-Achse, also zur Verbindung zwischen Darmflora, Immunsystem, Nervensystem und Psyche. Daraus lässt sich aber noch keine allgemeine Empfehlung ableiten, dass gesunde Menschen routinemässig Probiotika einnehmen sollten.
Warum leiden manche Menschen in den Ferien an Verstopfung?
Das hat oft mit veränderten Gewohnheiten zu tun: anderes Essen, weniger Flüssigkeit, weniger Bewegung, Zurückhalten des Stuhlgangs und fremde Toiletten. Hier helfen meist einfache Massnahmen: genügend trinken, Ballaststoffe, Bewegung und sich Zeit für den Toilettengang nehmen.
Wann sollte man vor einer Reise beginnen?
Wer Probiotika ausprobieren möchte, kann einige Tage bis eine Woche vor der Reise beginnen und sie während der Reise weiternehmen. Wichtiger bleiben aber: gute Händehygiene, vorsichtige Auswahl von Speisen und Getränken, genügend Flüssigkeit und bei Risikoreisen eine kleine Reiseapotheke.
Weitere Infos finden Sie beim Zentrum für Gastroenterologie und Hepatologie ZGH in Zürich

Facharzt für Innere Medizin und
Facharzt für Gastroenterologie FMH
Spez. Hepatologie