Wenn der Stress den Schlaf raubt

Girl covered her head with a pillow.Insomnia Bild: AdobeStock, Urheber: New Africa

In der Schweiz leidet etwa ein Drittel der Bevölkerung unter Schlafstörungen. Am häufigsten ist die Insomnie, also wenn man nicht ein- oder durchschlafen kann und unter Einschränkungen im Alltag leidet. Um eine Insomnie von einer anderen Schlafstörung abgrenzen zu können, sollte man bei folgenden Symptomen eine Untersuchung machen lassen: sehr starke Tagesmüdigkeit trotz ausreichender Schlafzeit, unwillkürliche Bewegungen im Schlaf, lautes Schnarchen mit Atempausen, plötzliche Schlafattacken am Tag, verändertes Schlafverhalten, insbesondere Schlafwandeln. Bei diesen Symptomen sollte man sich von einem Schlafspezialisten abklären lassen, da diese möglicherweise in die Behandlung eines Neurologen oder Lungenfacharztes gehören.

Wer schon länger schlaflos ist, braucht Hilfe

Während kurzzeitige Schlafprobleme, nach einem aussergewöhnlichen, aufwühlenden Ereignis oder vor einer Prüfung, keinen Krankheitswert haben, können langandauernde Schlafprobleme Auswirkungen auf die psychische und körperliche Gesundheit haben. Schlafstörungen sollten daher ernst genommen und behandelt werden.

Stress befeuert den nächtlichen Teufelskreis

Eine Insomnie ist meistens psychisch bedingt. Stress, ob privat oder beruflich, führt dazu, dass der Schlaf-Wach-Rhythmus ins Ungleichgewicht gerät. Das zentrale Nervensystem ist dann vor allem gedanklich und emotional auch in der Nacht überaktiviert. Medizinisch wird dieser Zustand Hyperarousal genannt. Man kann sich das bildlich als Kopfkino vorstellen. Es ist, als würde im eigenen Kopf ein Film ablaufen, der sich nicht abschalten lässt. Diese übermässige Aktivierung führt zu Problemen beim Ein- und Durchschlafen, häufig begleitet von negativen Gedanken, Grübeln, Ängsten oder körperlichen Symptomen wie Herzrasen. Typische Stressoren sind Konflikte am Arbeitsplatz, private Überforderungssituationen oder Verbitterung. Je stärker und länger die Belastungen andauern und je weniger die betroffene Person sie verändern oder kontrollieren kann, desto grössere Auswirkungen ­haben sie.

Finden Sie Ihren Rhythmus

Schlafprobleme führen oft zu einer starken Fokussierung auf den Schlaf, verbunden mit Ängsten vor einer weiteren schlaflosen Nacht und der daraus folgenden Erschöpfung am Tag. Ein Teufelskreis beginnt, der den Schlaf noch stärker beeinträchtigt. Weitere Störfaktoren sind: Koffeinkonsum, ein unregelmässiger Schlaf-Wach-Rhythmus, abendliche Bildschirmnutzung sowie starke Aktivierung am Abend, zum Beispiel ein Fitnesstraining. Auch einige Medikamente wie Kortison können den Schlaf beeinträchtigen.

Nehmen Sie Druck raus

Menschen mit Schlafstörungen passen ihr Verhalten oft auf eine ungünstige Weise an und bleiben lange im Bett, um möglichst viele Schlafmöglichkeiten zu haben. Das vermindert jedoch den Schlafdruck zusätzlich. Auch der Versuch, sich durch Alkohol zu entspannen, stört die Schlaftiefe und das Durchschlafen. Bestimmte Persönlichkeitseigenschaften haben auch einen Einfluss, zum Beispiel die Neigung, sich häufig zu sorgen und zu ängstigen oder ein ausgeprägter Perfektionismus mit hohem Kontrollbedürfnis.

Obwohl genetische Faktoren eine Rolle spielen, haben Lebensereignisse, Umgebungsfaktoren und die Verhaltensweisen einen grösseren Einfluss. Kurz gesagt: Stress, den ich am Tag aufbaue und bis zum Abend nicht wieder abbaue, raubt mir den Schlaf!

Symptome einer Insomnie
In mindestens drei Nächten pro Woche­ treten eines oder mehrere der folgenden Probleme auf:
– Lange Zeit zum Einschlafen (über 30 Minuten)
– Nächtliches Aufwachen, ohne wieder­ einschlafen zu können
– Frühes Aufwachen am Morgen, ­ohne wieder in den Schlaf zu finden

Die Probleme dauern mindestens drei Monate. Der Schlaf fühlt sich nicht erholsam an, und die Schlafunterbrechungen haben negative Auswirkungen auf den Tag (z. B. Tagesmüdigkeit, Reizbarkeit, Konzentrationsprobleme).

Folgende Anzeichen weisen auf eine andere Diagose hin und sollten ärztlich abgeklärt werden
– Sehr starke Tagesmüdigkeit trotz ausreichender Schlafzeit
– Unwillkürliche Bewegungen im Schlaf
– Lautes Schnarchen mit Atempausen
– Plötzliche Schlafattacken am Tag
– Verändertes Schlafverhalten, ­insbesondere Schlafwandeln

In der Therapie verkürzen wir die Bettliegezeit

Prof. Katja Cattapan vom Sanatorium Kilchberg erklärt, mit welchen Methoden Insomnien behandelt werden.

Wie behandeln Sie Patientinnen und Patienten mit einer Insomnie?

Unser zentraler Ansatzpunkt ist das ­Hyperarousal, also die Überaktivierung des zentralen Nervensystems. In der Nacht, wenn Psyche und Körper eigentlich zur Ruhe kommen sollten, läuft es wie ein Hamsterrad auf Hochtouren. Deshalb behandeln wir Insomnien als Teil stressbedingter Erkrankungen wie Burnout, die meist mit Schlafproblemen verbunden sind. Oft ist zu Beginn viel Aufklärung nötig, damit Patienten und Patientinnen den Mechanismus verstehen und akzeptieren, dass es sich um eine stressbedingte Ursache handelt.

Wie sieht die Therapie aus?

Für eine nachhaltige Veränderung setzen wir auf psychotherapeutische Methoden. Dabei geht es in Einzelgesprächen darum, stressverstärkende Muster zu analysieren und diese schrittweise zu verändern. Dazu gibt es Therapieangebote, die für alle Betroffenen sinnvoll sind. Die bieten wir grösstenteils in Gruppen an. Grundlage dafür ist die Kognitive Verhaltenstherapie der Insomnie «CBT-I», welche in Fachkreisen als erfolgreichste Methode gilt.

Was passiert genau bei dieser ­Verhaltenstherapie? 

Ein zentrales Element ist die Bettzeit­restriktion. Patientinnen und Patienten werden angehalten, und bei Bedarf auch darin begleitet, ihre Bettliegezeit deutlich zu reduzieren, um den Schlafdruck zu erhöhen und wieder in einen gesunden Schlaf-Wach-Rhythmus zu gelangen. Dies ist für viele Betroffene zunächst sehr unangenehm, da sie sich oft erschöpft fühlen und lange Liegezeiten im Bett haben. Andere Elemente aus der Verhaltenstherapie und Entspannungstechniken ergänzen diesen Therapieansatz.

Was verändern die Patienten?

Menschen mit chronischer Schlaflosigkeit verbringen oft viel Zeit wach im Bett – grübelnd, gestresst oder lesend. Dadurch ist das Bett mit Wachheit, Frustration oder Angst vor dem Nicht-Einschlafen verknüpft. Genau hier setzt die Stimuluskontrolle an. Bei der Stimu­luskontrolle sollen die Patientinnen und Patienten nur dann ins Bett gehen, wenn sie wirklich müde sind. Wenn man nach etwa 20 Minuten nicht einschlafen kann, soll man das Bett wieder verlassen. Zudem erlernen Patienten, wie sie mit praktischen Entspannungsübungen, den Stress im Alltag reduzieren können.

Ist die Therapie ambulant oder ­stationär?

Insomnien werden meist ambulant behandelt. Wenn das nicht erfolgreich ist, empfehlen wir eine stationäre Therapie von vier Wochen. In der stationären Therapie kann vor allem die Bettzeitrestriktion gut begleitet werden und auch die Frequenz und Intensität der Therapieelemente ist stärker. Viele von Insomnie Betroffene haben gleichzeitig noch eine andere psychische Erkrankung wie zum Beispiel eine Depres­sion, eine Angststörung oder auch eine psychosomatische Schmerzstörung. Auch hier kann eine stationäre Therapie hilfreich sein, um beide Ebenen – etwa Depression und Insomnie – wirksam zu behandeln.

Sanatorium Kilchberg
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