Wenn die Vagina den Penis aufsaugt

Caucasian person using fruit for sex education Bild: AdobeStock, Urheber: AntonioDiaz

Die menschliche Sexualität ist komplex und individuell. Besonders das subjektive Erleben von vaginaler Penetration und vaginalen Orgasmen wird seit Jahrzehnten wissenschaftlich untersucht. Während manche Frauen die Penetration als eine der intensivsten Formen sexueller Nähe erleben, stehen bei anderen eher die emotionale Verbundenheit, die Stimulation der Klitoris oder die Kombination verschiedener Reize im Vordergrund.

Das Empfinden beim Eindringen des Penis

Frauen beschreiben das Eindringen des Penis in die Vagina als ein Gefühl von Intimität, Nähe und körperlicher Verbundenheit. Dabei spielen mehrere Faktoren zusammen. Die Dehnung und Berührung der Vaginalwände. Die Stimulation empfindlicher Bereiche im vorderen und hinteren Vaginalbereich. Die Aktivierung von Nervenbahnen im Becken. Die emotionale Bedeutung des sexuellen Kontakts. Das Gefühl von Vertrauen, Hingabe oder gegenseitigem Begehren.

Die Vagina hat zwar weniger Tastrezeptoren als die Klitoris, dennoch können bestimmte Regionen besonders sensibel sein. Dazu gehören unter anderem Bereiche der vorderen Vaginalwand, die mit dem sogenannten G-Punkt in Verbindung gebracht werden, sowie Strukturen des klitoralen Netzwerks, das weit über den äusserlich sichtbaren Teil der Klitoris hinausreicht.

Frauen berichten häufig, dass das Eindringen nicht nur als lokaler Reiz wahrgenommen wird, sondern als ein umfassendes Körpergefühl, das sich im Beckenraum, Unterleib und im gesamten Körper ausbreiten kann.

Der vaginale Orgasmus

In der Sexualwissenschaft wird heute zunehmend davon ausgegangen, dass die Unterscheidung zwischen vaginalem und klitoralem Orgasmus weniger eindeutig ist, als früher angenommen wurde. Die Klitoris hat ausgedehnte innere Strukturen, die bei der Penetration indirekt mitstimuliert werden können.

Dennoch erleben viele Frauen Orgasmen, die sie subjektiv als deutlich vaginal beschreiben. Charakteristisch sind ein langsamer Aufbau der Erregung, tiefe Empfindungen im Beckenraum, rhythmische Muskelkontraktionen, ein Gefühl des Loslassens oder der inneren Öffnung und eine intensive emotionale Komponente.

Solche Orgasmen werden als tief, warm und den gesamten Körper erfassend beschrieben, während klitorale Orgasmen als punktueller und unmittelbarer erlebt werden. Beide Formen sind gleichwertig und können einzeln oder gemeinsam auftreten.

Die Rolle der Beckenbodenmuskulatur

Eine besondere Bedeutung kommt der Beckenbodenmuskulatur zu. Der Beckenboden besteht aus mehreren Muskelschichten, die die Beckenorgane stützen und aktiv an sexuellen Reaktionen beteiligt sind. Während sexueller Erregung erhöht sich die Durchblutung im Beckenbereich. Frauen können ihre Beckenbodenmuskulatur bewusst anspannen und entspannen. Dadurch lassen sich verschiedene Effekte erzielen. Intensivere Wahrnehmung der Penetration, verstärkte Reibung zwischen Penis und Vaginalwänden, verbesserte Körperwahrnehmung, höhere sexuelle Erregung, intensivere orgasmische Empfindungen.

Einige Frauen beschreiben das bewusste Anspannen der Beckenbodenmuskeln so, als würden sie den Penis festhalten, umschliessen oder nach innen ziehen. Die umgangssprachliche Vorstellung, den Penis mit der Muskulatur aufzusaugen, beschreibt dieses aktive Zusammenziehen der Beckenboden- und Vaginalmuskulatur. Anatomisch entsteht dabei kein tatsächlicher Sog, wohl aber das subjektive Gefühl eines intensiven Umfassens und Nach-innen-Ziehens. Neben diesen körperlichen Empfindungen entsteht eine besondere Form emotionaler Nähe.