Wenn Schmatzen tödlich nervt

Hass auf bestimmte Geräusche ist viel häufiger als angenommen. Die wenigsten sprechen darüber, weil sich die Wut oft gegen Angehörige richtet. Wie geht man mit diesem Problem am besten um?

Schmatzen Bild AdobeStock Urheber EdNurg
Bild: AdobeStock, Urheber: EdNurg

Schmatzen gehört zu den Geräuschen, die niemand mag. Manche würden aber am liebsten explodieren, wenn sie jemanden kauen hören. Misophonie oder wörtlich übersetzt „Hass auf Geräusche“ ist eine verminderte Toleranz auf bestimmte Geräusche. Betroffene reagieren nicht nur sensibel auf Essgeräusche, sondern auch auf Husten, Räuspern, Atmen oder auch auf das Hämmern auf die Computertastatur.

Ungefähr jeder Zehnte kann bestimmte Geräusche nicht aushalten. Oft konzentriert sich die Geräuschempfindlichkeit auf nahestehende Angehörige. Das belastet zusätzlich, weil die Betroffenen ausgerechnet gegenüber einem geliebten Menschen in bestimmten Momenten Wut und Hass empfinden.

Psychologen erklären das so, dass diese Menschen eine gelernte Verbindung zwischen dem Geräusch und einem Gefühl in sich tragen. Schmatzen stört, weil die Mutter immer schmatzte. Das muss nicht krankhaft sein, kann aber auch so weit gehen, dass Betroffene nicht mehr aus dem Haus gehen, sondern lieber allein bleiben.

Offen darüber reden

Wer unter Misophonie leidet, muss den anderen erklären, dass ihn bestimmte Alltagsgeräusche unwillkürlich belasten. Darüber offen reden ist wichtig. Damit die Misophonie sich nicht von einer harmlosen Störung zu einem schwerwiegenden Problem entwickelt, ist kommunizieren besser als ignorieren. Oft hilft es schon, dass die Ablehnung der Geräusche einen Namen hat. Viele Betroffene sind schon alleine dadurch beruhigt zu wissen, dass sie mit dem Problem nicht alleine sind. Auch die Angehörigen und Freunde sind dann viel eher bereit, die Überempfindlichkeit zu akzeptieren.

Gefühle kontrollieren lernen

Was kann man sonst noch dagegen tun? Die Verknüpfung im Hirn lässt sich nicht von heute auf morgen löschen. Eine Möglichkeit besteht darin, die aufkommenden Gefühle kontrollieren zu lernen. Dabei helfen Entspannungstechniken wie Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung oder Yoga.

Gegenkonditionierung

Ein weiterer therapeutischer Ansatz ist die Gegenkonditionierung. Dazu wird das unliebsame Geräusch mit angenehmen, entspannenden Klängen abgespielt. Am Anfang überwiegen die positiven Klänge. Wenn sich der Betroffene an die leise Version der verhassten Geräusche gewöhnt hat, werden diese langsam lauter gestellt, bis sie schliesslich allein zu hören sind und der Betroffene keine Wut mehr empfindet.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 20.02.2020.

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