Wie in jungen Jahren

Vorhofflimmern Ablation e1395326524958

Ein unbemerkter Niedergang, eine Zufallsdiagnose und ein spektakulärer ­Eingriff im Herzlabor. Ein Musterbeispiel von Vorhofflimmern.

Roland Hauser, 64, kennt den Bereich der Medizintechnik wie kein anderer. Sein Leben lang war er in der halben Welt für ihn unterwegs, in Europa und in Asien. Was sich in letzter Zeit bei seinem Herzen abgespielt hat, ist ihm jedoch entgangen. Er schrieb es dem Älterwerden zu und der schwächer werdenden Kondition. Nur durch einen Zufall, das heisst, bei einem Check-up, erfuhr er, dass er an Vorhofflimmern litt. Freunde und Bekannte hatten ihn zur Vorsorgeuntersuchung gedrängt, nachdem in seinem nahen Umfeld eine gleichaltrige Person an Krebs erkrankte und eine andere einen Herzinfarkt erlitt. Der festen Überzeugung, der Ganzkörper-Check-up sei eine Verschwendung von Zeit und Geld, sah er sich bei der Herzuntersuchung eines Besseren belehrt. Sein Herzrhythmus spielte derart verrückt, dass gleich der Herzspezialist gerufen werden musste.

«Ich fiel aus allen Wolken», erinnert sich Roland Hauser. «Nie hätte ich gedacht, dass mein Herz derart unkontrolliert schlagen könnte. Ich hatte schon festgestellt, dass ich schnell ausser Atem kam, wenn ich die Treppen zum Haus hinaufgehe. Auch beim Training auf dem Rudergerät war der Puls in letzter Zeit etwas hoch. Doch ich dachte, das sei im Alter einfach so.» Zugesetzt hat ihm auch, dass mit dem Vorhofflimmern ein exzessiv erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall verbunden ist. Das war auch der Grund, dass er gleich von jenem Tag an eine Tablette zur Blutverdünnung einnehmen musste.

Zweimal versuchte man, mit einer Elektrobehandlung den Herzrhythmus wieder ins Lot zu bringen. Erfolglos. Auch mit Medikamenten gelang das Unterfangen nicht dauerhaft. Also riet man ihm zur sogenannten Ablation. Dabei werden die Eintrittsstellen der vier Lungenvenen vom Gewebe im linken Vorhof mit einem Spezialkatheter isoliert. Genau hier entstehen die elektrischen Impulse, die das Herz aus dem Takt bringen. Aufgrund der hohen Fallzahlen und der grossen Erfahrung wurde ihm das Universitätsspital Zürich empfohlen.

Im August wurde der Eingriff durch PD Dr. Jan Steffel, Oberarzt in der Kardiologie und Spezialist für Herzrhythmusstörungen, durchgeführt. Noch heute ist Roland Hauser von dem Eingriff und dem gesamten Drumherum tief beeindruckt: «Es war wie in einem Zentrum der Raumfahrtbehörde. Überall Monitoren. Ich war wach und konnte deshalb alles in 3D mitverfolgen, unheimlich. Und immer wurde ich gefragt, wie es mir geht. Sobald ich etwas spürte, bekam ich die nächste Dosis Anästhetika. Eine Superadresse.»

Mit dem Behandlungserfolg ist Roland Hauser rundum zufrieden: «Mein EKG ist wieder völlig normal. Das Herz schlägt wie in jungen Jahren, und vor allem fühle ich mich wieder total fit. Die Treppen kann ich wieder hinaufrennen wie in meinen besten Jahren, ohne gleich müde zu werden und ins Schwitzen zu kommen. Auch das Training auf meinem Rudergerät fällt mir jetzt wieder viel leichter. Ich bin extrem froh, dass ich diese Katheterablation gemacht habe. Ehrlich, ich bin richtig happy. Der Unterschied in Sachen Lebensqualität ist massiv. Wenn ich heute auf die Zeit vor dem Eingriff zurückblicke, muss ich ganz offen sagen, dass es langsam, aber sicher bergab ging, ohne dass ich das richtig realisierte. Natürlich habe ich mir oft gesagt: Gottfried Stutz nochmal, mit 64 sollte man doch eine Treppe schaffen, ohne gleich wie ein Ross zu schnaufen. Das Gemeine dabei war, dass der körperliche Niedergang so langsam vor sich ging, dass ich das dem Alter zuschrieb.»