Wirkt bei Sportlern und bei Sofa-Sitzern

Welche Gelenke sind am häufigsten von einer Arthrose betroffen und warum?

Das Knie, gefolgt von der Hüfte – beides stark lasttragende Gelenke. Ebenfalls häufig betroffen sind die Finger­gelenke – besonders bei Frauen – sowie die Wirbelsäule und das Grosszehengrundgelenk. Neben starker mechanischer Belastung spielen sich häufig wiederholende, auch geringere Alltagsbelastungen, Alter, genetische Faktoren, frühere Verletzungen und Stoffwechselprozesse eine Rolle.

Hat jemand etwas falsch gemacht, wenn er auf einmal Arthrose hat?

Wahrscheinlich ja, mehrheitlich unwissend, abgesehen von klaren Traumata oder Unfällen, wenn über Jahre Fehlbelastungen, muskuläre Dysbalancen, Übergewicht oder ungünstige Alltagspositionen bei der Arbeit nicht korrigiert werden. Der Körper kompensiert lange Zeit, doch diese Adaptionen verändern die Gelenkbiomechanik schleichend.

Was sind Frühzeichen, und wie ­entwickelt sich die Symptomatik mit der Zeit?

Oft beginnen die Beschwerden mit leichten Verspannungs-, Anlauf- oder Belastungsschmerzen. Wer diese ignoriert oder falsch kompensiert, belastet das Gelenk zunehmend fehlerhaft. Der Prozess ist schleichend, Betroffene gewöhnen sich an die Einschränkungen und merken oft erst spät, wie stark ihre Beweglichkeit abgenommen hat.

Die Gesundheitskosten explodieren. Warum soll man mit Arthrose trotzdem nicht warten und möglichst früh zum Arzt gehen?

Weil die möglichen Folgekosten deutlich höher sind als die frühzeitige Abklärung. Präventive Massnahmen können den Beschwerdeverlauf möglicherweise verlangsamen und spätere schwere Eingriffe verhindern.

Etliche Betroffene gehen nicht zum Arzt, weil sie einen Gelenkersatz befürchten. Was möchten Sie diesen Leuten auf den Weg geben?

Betroffene sollen ihre Gelenke checken lassen, nur so wissen sie, welche Möglichkeiten es gibt. Der Arzt wird dem Patienten sagen, welche Optionen offenstehen. Was dann umgesetzt wird, entscheidet der Betroffene selbst. Auch, wenn es um eine Operation geht.

Wenn eine Entzündung vorliegt, ­lehnen viele Betroffene den Einsatz von Kortison ab. Ist das vernünftig?

Kortison-Injektionen können bei akuten stark schmerzhaften Entzündungsschüben helfen, sollten aber nicht wiederholt eingesetzt werden, denn sie können den Knorpelabbau beschleunigen und die Gelenkstruktur langfristig stärker schädigen.

Demgegenüber ist die Therapie mit Hyaluronsäure in aller Munde. Warum?

Hyaluronsäure ist ein natürlicher Bestandteil der Gelenkflüssigkeit und sorgt dort für Schmierung und Stossdämpfung. Bei Arthrose nimmt ihre Qualität und Menge ab, was die Beweglichkeit einschränken und Schmerzen begünstigen kann. Durch die Injektion von Hyaluronsäure versucht man, diese Funktion teilweise zu ersetzen und so Beschwerden zu lindern sowie die Gelenkfunktion zu verbessern.

Unter welchen Bedingungen wirkt Hyaluronsäure bei Arthrose besonders gut?

Das ist individuell unterschiedlich. Nach meiner Erfahrung kann die Behandlung sowohl bei sehr sportlichen und aktiven Menschen als auch bei eher weniger aktiven Patienten gute Effekte zeigen.

Wie lange hält die Wirkung an?

Das kommt auf die Belastung an. Bei ­gewichtstragenden Gelenken erfahrungsgemäss zwischen sechs und 24 Monaten.

Kann man nach der Injektion sofort wieder Sport treiben?

Grundsätzlich ist Bewegung nach der Injektion möglich. Da es sich um einen invasiven Eingriff handelt, wird aus Vorsicht empfohlen, mit intensiver Belastung zwei bis drei Tage zuzuwarten.

Wann sollte man eine Therapie mit Hyaluronsäure wiederholen, und wie oft kann man das tun?

Prinzipiell kann die Injektion jederzeit wiederholt werden, meist richtet man sich einfach nach den Beschwerden. Sobald die Schmerzen zurückkommen, lohnt sich eine kurze ärztliche Abklärung, dann kann man die Behandlung unkompliziert auffrischen.

Worin unterscheiden sich die ­Hyaluronsäure-Präparate?

Die Präparate unterscheiden sich im Molekulargewicht der Hyaluronsäure, ihrer Konzentration und darin, ob die Hya­luronsäure vernetzt ist oder nicht. Alle diese Eigenschaft beeinflussen Viskosität und Wirkdauer. Ich bevorzuge Präparate, die kurz und langkettige Moleküle kombinieren. Sie verbessern die Gleitfähigkeit und modulieren die entzündlichen Prozesse.

Mein Arthrose-Schema

Der alleinige Blick aufs Röntgenbild genügt nicht. Entscheidend ist, wie das arthrotische Gelenk im Zusammenspiel mit Muskeln, Achsenstellung und Bewegungsmustern funktio­niert. Unser Setting beinhaltet stets eine manualtherapeutische Phase mit Mobilisation der Gelenkachsen und gezielter Weichteiltherapie. Verspannungen werden gelöst, eine gesunde Muskelspannung aufgebaut und die Muskelkraft systematisch gesteigert. Ziel ist es, Stabilität und Beweglichkeit zu optimieren und das Gelenk biomechanisch zu entlasten. Falls notwendig, kann eine Achsenoptimierung erfolgen – beispielsweise durch individuell angepasste Einlagen oder Schuhmodifikationen. Bei leichter bis mittlerer Arthrose setzen wir zusätzlich Hya­luronsäure-Injektionen ein, um die Gleitfähigkeit im Gelenk zu verbessern, Schmerzen zu reduzieren und die Beweglichkeit zu stabilisieren. Als weiterführende Option stehen regenera­tive Verfahren wie Platelet Rich Plasma PRP zur Verfügung. In Zukunft könnten auch Stammzelltherapien eine Rolle spielen, vorausgesetzt, Evidenzlage und regulatorische Zulassung entwickeln sich entsprechend. Ziel dieses mehrstufigen Ansatzes ist nicht nur die Schmerzlinderung, sondern die funktionelle Stabilisierung des Gelenks und eine möglichst langfristige Ver­zögerung des Krankheitsverlaufs.