Wo bleibt der Orgasmus?

Raketenstart_mit_Wolken_Orgasmus Bild AdobeStock Urheber Hamara

Sehr geehrte Frau Doktor

Ich (85) habe für meine Erektionsstörungen eine Spritze verschrieben bekommen und bin eigentlich sehr zufrieden mit der Wirkung. Die Erektion ist perfekt, allerdings fehlt mir jeweils ein Orgasmus. Das stört meine Partnerin und natürlich auch mich.

Was kann man da unternehmen?

Das sagt die Urologin 

Es ist erfreulich, dass die Wirkung der Spritze ausreicht und Ihnen eine zufriedenstellende Erektion ermöglicht. Das ist keineswegs selbstverständlich und zeigt, dass die Behandlung der erektilen Dysfunktion in diesem Fall erfolgreich ist. Das Ausbleiben des Orgasmus ist allerdings keine typische Nebenwirkung dieser Behandlungsmethode. 

Die genannte Therapie bewirkt eine mechanische Erektion, beeinflusst aber nicht direkt das Orgasmuserleben oder die Ejakulation. Daher ist es wichtig zu wissen, ob tatsächlich der Orgasmus als solcher fehlt oder ob nur der Samenerguss ausbleibt. Das sind zwei verschiedene Prozesse und können unabhängig voneinander auftreten.

Injektion direkt in den Schwellkörper

Vor jeder weiteren Empfehlung ist daher eine genaue Anamnese angebracht. War dieses Problem bereits vor der Anwendung vorhanden oder ist es neu aufgetreten? Ebenso sollte der Grund für die Verschreibung betrachtet werden. Liegt die erektile Dysfunktion einer neurologischen Ursache, einem Diabetes oder einer operativen Folge wie zum Beispiel einer Prostatektomie zugrunde, können diese Faktoren selbst die Orgasmusfähigkeit oder die Ejakulation beeinträchtigen.

Die Injektion erfolgt direkt in den Schwellkörper des Penis und bewirkt eine verstärkte Durchblutung und sorgt so für eine medikamentös-mechanisch induzierte Erektion, aber es beeinflusst weder die sexuelle Erregbarkeit noch direkt das Empfinden des Orgasmus. Dafür sind oft psychische Komponenten, hormonelle Einflüsse und gegebenenfalls medikamentöse Nebenwirkungen oder Voroperationen verantwortlich. Therapeutische Empfehlungen können deshalb von einer Anpassung der Therapie über eine Änderung von Medikamenten bis hin zu einer psychosexuellen Beratung oder einer gezielten Diagnostik reichen.

Dr. med. Noémie Lautenbach,
Fachärztin für Urologie, Spezialistin für Andrologie bei uroviva.