Das chemische Element gehört zu den ältesten Medikamenten der Psychiatrie. Es verhindert manische Episoden, reduziert depressive Rückfälle und stabilisiert langfristig eine bipolare Erkrankung.
Parallel dazu hat sich in den vergangenen Jahren ein anderer Markt entwickelt. Lithium wird in sehr niedrigen Dosierungen als Nahrungsergänzungsmittel angeboten. Es soll die Stimmung und die geistige Leistungsfähigkeit verbessern und das allgemeine Wohlbefinden steigern.
Wenig Fakten
In der Fachwelt ist man sich nicht einig, ob eine frei verkäufliche Mikrodosis sinnvoll und sicher ist. Die wissenschaftliche Datenlage zu niedrig dosiertem Lithium ist zwar interessant, aber viel weniger belastbar als die Evidenz für Lithium als Arzneimittel.
Lithium ist kein klassischer Nährstoff wie Magnesium oder Vitamin B12. Es handelt sich um ein pharmakologisch aktives Element, das in den menschlichen Organismus aufgenommen wird und biologische Prozesse beeinflusst. Die genauen Mechanismen seiner Wirkung sind komplex und bis heute nicht vollständig geklärt.
Überwachung von Nieren- und Schilddrüsenfunktion
Lithium hat eine relativ enge therapeutische Breite. Bei medizinischer Anwendung werden deshalb Blutspiegel kontrolliert und unter anderem Nieren- und Schilddrüsenfunktion überwacht.
Eine systematische Übersichtsarbeit untersuchte 18 Studien zu Low-Dose Lithium. Die Ergebnisse deuteten auf mögliche positive Effekte unter anderem bei kognitiven Funktionen sowie auf eine mögliche Wirkung als ergänzende Behandlung bei affektiven Erkrankungen hin. Gleichzeitig betonten die Autoren ausdrücklich die geringe Zahl, Heterogenität und methodische Begrenztheit der vorhandenen Studien.
Fazit:
Es gibt wissenschaftliche Hinweise, aber noch keinen überzeugenden Nachweis dafür, dass niedrig dosiertes Lithium bei gesunden Menschen zuverlässig die Stimmung verbessert.