Schaukeln Sie sich zum vaginalen Höhepunkt

| Sie suchen den ganzheitlichen Orgasmus

«Manche Frauen spannen ihren Körper – und damit auch ihre Beckenbodenmuskeln – beim Sex an und bewegen sich kaum. Vielleicht federn sie die harten Stösse des Partners ab, vielleicht versuchen sie, ihre Erregung zu halten, oder sie glauben, dass es sich so für den Mann besser und enger anfühlt. Die hohe Spannung bringt den Körper aber in den Kampf-oder-Flucht-Modus, der vom Sympathikus gesteuert wird. Eine Frau im Kampf-oder-Flucht-Modus sieht sich selbst und ihr Gegenüber mit kritischeren Augen und kommt dann eher ins Grübeln. Der Partner wird als Feind angesehen und kann schnell nerven. Viele Frauen kennen diese Gefühle, verstehen aber nicht, warum sie so empfinden. Dann fühlen sie sich schlecht.»

Erregung braucht doch eine gewisse Portion an Spannung, nicht? Dania Schiftan: «Ja. Genau das ist ein Paradox: Um Erregung zu spüren und zu steigern brauchen wir Spannung. Um sie aber geniessen zu können brauchen wir Entspannung. Im Kampf-oder-Flucht-Modus können wir nicht geniessen. Dazu müssen wir in den Relax-Modus wechseln. Das ist jener Modus, der vom Parasympathikus gesteuert wird. Unter ihm ist die Lustkurve hoch, wir geniessen und empfinden unserem Partner gegenüber viel Liebe und Zuneigung.»

Die Bewegung machts

Haben wir dann nicht ein Problem? Für den Genuss braucht es den Relax-Modus, für die Erregung und den Orgasmus aber den Kampf-oder-Flucht-Modus, richtig? «Stimmt, doch das Problem lässt sich ganz einfach lösen: Wir müssen uns bewegen. In Bewegung stehen wir gleichzeitig unter Spannung und Entspannung. Die einen Muskeln arbeiten, während sich ihre Gegenspieler entspannen. Im nächsten Moment ist es umgekehrt. Die meisten kennen das gut als frisch Verliebte. Sie sind so aufgeregt, dass sie sich automatisch bewegen, um möglichst viel vom Körper des Partners spüren und erkunden zu können.»

Und wie genau soll sich die Frau bewegen, damit es mit dem vaginalen Orgasmus klappt? «So wie sie will. Sich hin- und herschaukeln, sich rekeln, das Becken kreisen lassen, das Tempo variieren. Je mehr die Frau das beim Sex und bei der Selbstbefriedigung ausprobiert, desto genauer findet sie heraus, welche Bewegungen ihr besonders gut liegen. Bewegung ist einer der wichtigsten Faktoren beim vaginalen Orgasmus und eine Voraussetzung für erfüllten, ganzheitlichen Sex. Aber es ist – wie alles andere im Leben auch – Übungssache.»

Praktische Übungen

Damit der Körper sich an die Bewegungen gewöhnen und sich auf die neuen Muster einstellen kann, gibt es ein paar Übungen.

  1. Beginnen Sie bei der Selbstbefriedigung mit ganz kleinen Bewegungen. Kreisen Sie mit den Hüften, schaukeln Sie hin und her. Spannen Sie Ihre Muskeln bewusst an und entspannen Sie sie wieder. Wenn die Erregung nachlässt – was vermutlich am Anfang passieren wird – gehen Sie zu Ihrem bewährten Muster zurück und steigern Ihre Erregung wieder. Dann bewegen Sie sich erneut. Wenn Sie mit diesem Wechselspiel nicht auf Anhieb zum vaginalen Orgasmus kommen, ist das okay. Üben Sie mehrmals pro Woche.
  2. Tasten Sie Ihre Vagina Zentimeter für Zentimeter ab und nehmen Sie bewusst wahr, wie sie sich an den verschiedenen Stellen anfühlt. Bauen Sie das Empfinden der Vagina auch in den Alltag ein. Gehen Sie so, dass Sie Ihre Vagina spüren. Ziehen Sie immer mal wieder die Beckenbodenmuskeln zusammen und lassen sie wieder los. Atmen Sie tief in den Bauchraum. Versuchen Sie, Ihre Vagina bewusst wahrzunehmen und seien Sie stolz auf sie.
  3. Legen Sie gedanklich das Zifferblatt einer Uhr auf den Eingang Ihrer Vagina. Legen Sie fest, wo sich die 3, 6, 9 und 12 befinden. Tasten Sie Ihre Vagina nun mit zwei Fingern rund ums Zifferblatt ab. Wie fühlt sich das an? Schieben Sie das Zifferblatt gedanklich tiefer in die Vagina und tasten sie abermals ab. Hier können Sie mit der Zeit auch Ihren Partner involvieren. So entwickeln Sie ein Empfinden für die verschiedenen Zonen in Ihrer Vagina und lernen, die Berührungen als erregend und schön wahrzunehmen.

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Kontakt

Dania Schiftan ist Psychotherapeutin und klinische Sexologin. www.daniaschiftan.ch