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6880 Schritte im Vollwaschgang

Schreck und Erlösung zugleich: Was der Schrittzähler in Waschmaschine und Tumbler machte und wie auch Verena Vollenweider auf Touren kommt.

Verena Vollenweider

„Anfangs Januar dieses Jahres bestellte ich den Schrittzähler bei Doktor Stutz, da ich endlich etwas ändern wollte in meinem Leben. Motiviert hat mich meine Schwester, die schon Jahre im Besitz eines Zählers ist und täglich mindestens 10‘000 Schritte macht“, sagt Verena Vollenweider, 58, aus Affoltern am Albis ZH. Wegen grossem Ärger mit ihren künstlichen Kniegelenken kam bei ihr die Bewegung jahrelang viel zu kurz. Bei der ersten Prothese gab es Probleme, weil Verena Vollenweider nach einem Tennisunfall ihr Knie immer falsch belastet hatte, und die Prothese diesen Fehler nicht ausgleichen konnte. Beim zweiten Mal klappte es nicht, weil der Chirurg eine zu kleine Prothese eingesetzt hatte.

„Ein weiteres Handycap war die Psoriasis-Erkrankung an Händen und Füssen vor drei Jahren, die den Alltag massiv einschränkte. Mit Psoriasis hatte ich zwar schon in meiner Kindheit Erfahrung. Aber die jetzige, viel aggressivere Form brachte mich psychisch an die Grenzen. In dieser Zeit erkrankte mein Mann an Lungenkrebs. Nach der Diagnose lebte er gerade noch drei Monate.“ Das ist nun eineinhalb Jahre her.

Dank ihrer Familie fand Verena Vollenweider aus dem Tief heraus. Sie beschloss auch, aus dem Teufelskreis von Übergewicht und fehlender Bewegung auszubrechen. „Meinen Knien geht es mittlerweile wieder so gut, dass ich wenigstens auf ebener Fläche beschwerdefrei gehen kann. Die Psoriasis ist nach vielen Therapieversuchen immerhin ein klein wenig besser geworden. „Also schickte ich mich an, die angesammelten Kilos loszuwerden. Je nachdem, wie es meinen Beinen geht, mache ich täglich 4000 bis 7000 Schritte. Abgenommen habe ich zwar noch nicht, aber ich fühle mich schon viel wohler.“

Und dann passierte das Missgeschick. „Da ich mich noch nicht ganz an den Schrittzähler als neuen Begleiter gewöhnt habe, vergass ich ihn von der Gurtschlaufe zu nehmen. Zusammen mit der Hose rutschte er unbemerkt in die Waschmaschine und machte anschliessend auch die Runde im Tumbler. Ich wurde blass vor Schreck, als ich das gute Stück beim Herausnehmen an der Gurtschlaufe entdeckte. Welch ein Wunder, dass der Zähler noch funktionierte. Welch eine Überraschung, als er sage und schreibe 6880 Schritte auf seinem Konto hatte. Etwas weiss ich nun ganz bestimmt: Trotz meiner künstlichen Knie bin ich ganz offensichtlich in der Lage, es mit der Waschmaschine und dem Tumbler aufzunehmen.“