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Furchtbare Angstzustände

Der Bericht „Ich will heim!“ über eine demenzkranke Mutter hat unter den Leserinnen und Lesern unzählige erschütternde und anklagende Reaktionen ausgelöst.

demenz-angst

Immer öfter lesen wir tragische Geschichten über an Demenz erkrankte Menschen, die unter die Haut gehen. Aber mal Hand aufs Herz: Wen interessiert es wirklich? Die dementen Menschen? Ihre Angehörigen? Ihr Umfeld? Die Behörden? Am Ende interessiert es nur die Betroffenen selber. Dann die nächsten Anwärter, die Gemeinde und die Krankenkasse.

Seit unsere Mutter ins Pflegeheim übersiedelte, interessieren mich demenzkranke Menschen. Insbesondere mit welchen Schwierigkeiten und Konflikten die Betroffenen in den Institutionen konfrontiert werden. Es ist schlichtweg beängstigend, mit welchen Gegebenheiten und Fakten ich mich bei Besuchen auseinandersetzen muss. So frage ich mich ernsthaft, wer sich irgendwann um mich/uns kümmern und einsetzen wird.

Die Geschichte „STATT MIT EIN PAAR LIEBEN WORTEN ZU TRÖSTEN, HAT MAN UNSERE DEMENZKRANKE MUTTER MIT PSYCHOPHARMAKA IM HEIM KAPUTT GEMACHT“ berührt mich zutiefst, löst sogar ein „déjà-vu“ bei mir aus.

Für den betroffenen demenzkranken Menschen, wie auch für Angehörige, ist es sehr zermürbend, mit der Situation umzugehen. Der kranke Bewohner spürt genau, dass etwas nicht mehr stimmt. Oft kann er sich nicht angemessen mitteilen und erleidet zudem furchtbare Angstzustände. Und wenn er sich äussert, werden Psychopharmaka verabreicht. Wie entsetzlich!

Als Angehöriger ist man am Anfang unwissend, fühlt sich machtlos, hilflos und vertraut jeder helfenden Hand, jeder lieblichen vertrauensvollen Stimme. Aber wie ehrlich ist die liebliche Stimme mit der helfenden Hand? Bis wohin gehen Helfen und Vertrauen? Leider wurde ich enttäuscht.

Ob Pflegeleitung, Arzt, Gemeindepräsident, ja sogar die bekannten öffentlichen Stellen reden um den Brei herum. Ich kann es nicht mehr hören: „Es ist immer schwer loszulassen, bei jedem Menschen entwickelt sich die Krankheit verschieden, für das Pflegepersonal ist es auch nicht einfach“. Das hilft niemandem und beruhigt höchstens für eine Stunde, die Wirklichkeit in den Institutionen sieht ganz anders aus.

Ich hatte Ende letzten Jahres einen Artikel in einer Zeitung veröffentlichen dürfen: „Ist in Würde altern bloss Wunschdenken?“ Obwohl ich unsere Geschichte anonym, human und sehr abgemildert erzählte, hatte nach dem Erscheinen des Artikels kein Pflegeheim meine demente Mutter mehr aufgenommen. Bei dieser Gelegenheit vielen Dank an all die angesprochenen Pflegeheime für die Unehrlichkeit! Einen Dank, zynisch gemeint, geht auch an den Gemeindepräsidenten, der mich damals zu einem Gespräch einlud, jedoch nie in irgendeiner Weise Unterstützung oder eine minimale Anteilnahme zeigte.

All diejenigen, die sich jetzt betroffen fühlen, sollten etwas ändern und bewegen, nämlich wenigstens jetzt mit einer Verbesserung starten.

Aktuell ist meine Mutter an den Rollstuhl gebunden und liegt im Bett in einer Psychiatrie, kann nicht mehr sprechen und gehen. Wenn sie noch sprechen könnte, würde sie bestimmt sagen: „Ich will nach Hause, das ist kein Leben mehr.“

Meine ausdrückliche Empfehlung an demenzkranke Menschen sowie ihre Angehörige und Leute fortgeschrittenen Alters: So lange wie nur immer möglich zuhause und in vertrauter Umgebung bleiben!

Haben Sie Fragen oder brauchen Sie Hilfe? Informationen und Beratung finden Sie unter www.alz.ch, bei den regionalen Beratungsstellen der Alzheimervereinigung sowie dem nationalen Beratungstelefon 024 426 06 06.